In einem intensiven Interview mit Judge Andrew Napolitano in der Sendung „Judging Freedom“ am 2. März 2026 analysiert Professor Jeffrey Sachs, renommierter Ökonom und Experte für internationale Beziehungen, die dramatischen Ereignisse rund um den US-israelischen Angriff auf Iran. Im Zentrum steht die Ermordung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei – religiöses und staatliches Oberhaupt – und die weitreichenden Implikationen dieses Schrittes.
Sachs beschreibt den Angriff als Kulmination eines langfristigen Plans zur Sicherung israelischer Hegemonie im Nahen Osten, gestützt durch US-Machtprojektion. „Netanyahu hat bestätigt, was ich seit vielen Jahren sage: Das ist sein Traum seit 40 Jahren“, erklärt Sachs. Er verweist auf die „Clean Break“-Doktrin von 1996 sowie auf die von General Wesley Clark enthüllte Strategie der „sieben Kriege in fünf Jahren“.
Der aktuelle Krieg reiht sich laut Sachs in eine Kette zerstörerischer Interventionen ein: Libyen, Sudan, Somalia, Gaza, die Westbank, Beirut, Syrien, Irak, Jemen. „Das ist Wahnsinn, mörderischer Wahn“, sagt er. Diese Kriege seien Ausdruck einer engen Verzahnung von Mossad und CIA, einer Allianz, die auf militärische Dominanz statt Diplomatie setze.
Die Rolle der USA: Trumps Verrat und wirtschaftlicher Niedergang
Sachs bezeichnet Donald Trump als „utter disgrace“ – eine absolute Schande für die Nation. Trump habe mit „America First“ Wahlkampf betrieben, nun aber genau das Gegenteil umgesetzt. Statt Kriege zu beenden, habe er einen neuen begonnen.
Während Billionen in Militäreinsätze flössen, verfalle die US-Infrastruktur. „Warum hat die USA nicht einen Kilometer Hochgeschwindigkeitsbahn? Weil wir Trillionen in Kriege stecken“, erklärt Sachs. Im Vergleich zu China, das massiv in Infrastruktur investiere, stagniere der US-Lebensstandard.
Die USA seien faktisch ein „military state“, regiert vom Sicherheitsapparat, in Partnerschaft mit Israel. Der Kongress sei korrumpiert, gesteuert von Lobbyinteressen. Statt in Wohnraum, Energie oder öffentliche Infrastruktur werde in militärische Eskalation investiert.
Verrat an Diplomatie: Die USA als unzuverlässiger Akteur
Ein zentraler Vorwurf Sachs’ betrifft den Umgang mit Verhandlungen. Die USA hätten Iran wiederholt während laufender Gespräche angegriffen – zuletzt trotz positiver Signale aus Genf und Oman. „Die USA verhandeln nicht, sie betrügen“, sagt Sachs.
Er verweist auf das JCPOA-Abkommen von 2015, das Iran einhielt, während Trump es aufkündigte. Seitdem seien iranische Wissenschaftler ermordet und diplomatische Initiativen sabotiert worden. Wer solle Washington noch vertrauen? Russland, China und andere Staaten hätten ihre Lehren gezogen.
Militärische Fehlkalkulation und strategisches Risiko
Sachs warnt vor massiven Fehleinschätzungen. Iranische Raketen kosteten Bruchteile der US-Abfangsysteme, während amerikanische Vorräte durch frühere Konflikte erschöpft seien. „Die USA können das nicht länger als Wochen durchhalten.“
Der Mord an Khamenei sei eine „groteske“ Fehlentscheidung. Statt das Regime zu destabilisieren, habe er den Widerstand verstärkt. Netanyahu nutze den Krieg politisch, um innenpolitischem Druck zu entgehen. Gleichzeitig fehle ein klares strategisches Ziel.
Der Kongress habe keinen Krieg erklärt – verfassungsrechtlich sei der Einsatz hochproblematisch. Berichte über US-Opfer zeigten die Eskalationsdynamik. Hinweise auf indirekte Waffenstillstandsanfragen deuteten auf Nervosität in Washington hin.
Gefahr eines Dritten Weltkriegs und Europas Rolle
Sachs sieht ein reales Risiko globaler Eskalation. Europäische Staatschefs agierten ohne breite Rückendeckung in ihren Ländern. US-Basen in Bahrain, Katar, Saudi-Arabien und Europa zögen diese Länder faktisch in den Konflikt hinein.
Am UN-Sicherheitsrat fehle eine klare Positionierung gegen Aggression. Viele Staaten verhielten sich passiv oder stellten sich auf die Seite Washingtons. Die Eskalation – einschließlich möglicher Blockaden der Straße von Hormus – bedrohe die Weltwirtschaft.
Ausblick: Eine Welt am Kipppunkt
Sachs zeichnet ein düsteres Bild: Ein jahrzehntelanger geopolitischer Plan, unterstützt durch US-Militärmacht, habe den Nahen Osten destabilisiert und drohe nun globale Folgen zu entfalten. Der Krieg bringe keine Sicherheit, sondern erhöhe die Verwundbarkeit aller Beteiligten.
„Wir werden gefährdeter, nicht sicherer“, warnt Sachs. Ohne Rückkehr zu Verfassung, Diplomatie und internationalem Recht drohe eine Spirale der Eskalation. Sein Appell ist klar: Aggression müsse zurückgewiesen werden – sonst stehe mehr auf dem Spiel als nur ein regionaler Konflikt.