Heinos Schokolade / Foto: Steven West
Heinos Schokolade / Foto: Steven West

Schokoladen-Alarm im Handel. Rewe und Edeka sagen Nein! Karstadt macht auf süß, und Heino versteht die Welt nicht mehr. Eine Glosse.

Es gibt Dinge, die gehören einfach zusammen: Sonne und Strand, Bier und Fußball – und Heino und Deutschland. Der blonde Barde mit der Sonnenbrille hat nun allerdings eine neue Komposition gewagt: Deutschland-Schokolade. Schwarz-rot-gold, schmelzend auf der Zunge, wie eine Mischung aus Nationalhymne und Nougat.

Deutschland und seine Dessert-Debatten

Kaum war die Schoki-Tafel ausgepackt, brach die Republik in zwei Hälften. Die einen schnupperten Patriotismus in zartbitter, Kirsch und Karamell: Endlich ein Produkt, das man auf der Zunge zergehen lassen kann, ohne gleich in Verdacht zu geraten, ein Fähnchen zu schwenken. Die anderen hingegen witterten sofort das ganz große Dunkelbraun. Schon die Schlagzeilen rauschten: „Braune Versuchung!“, „Nationalistisch verpackt!“, „Das ist doch braun, nicht schwarz!“

Ein Feuilletonist schrieb ernsthaft: „Mit dieser Schokolade kehrt der Kitsch des Kaiserreichs in den Supermarkt zurück.“ Eine Ernährungsberaterin warnte in einer Talkshow: „Schokolade in Nationalfarben kann zu Identitätsproblemen führen.“ Und ein Politikwissenschaftler erklärte bedeutungsschwer: „Das ist die erste Süßware mit verfassungsrechtlicher Sprengkraft.“

Heino ist schließlich kein Künstler der Zwischentöne. Wer in den 70ern schon „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ im Brustton der Überzeugung trällerte, kennt die Macht einfacher Botschaften. Komplexität ist nicht sein Genre. Und so passt die Schokolade perfekt ins Sortiment: süß, simpel – und ein bisschen klebrig.

Doch die mediale Aufregung sagt am Ende weniger über Heino als über uns. Wir sind ein Land, das selbst beim Dessert sofort in Grundsatzdebatten verfällt. Während in Italien Kinder ihre Gelati in grün-weiß-rot schlecken, ohne gleich die Rückkehr des Faschismus zu fürchten, wird hierzulande über die historische Verantwortung von Zuckerguss philosophiert.

Ein Kolumnist meinte allen Ernstes: „Wer heute Deutschland-Schokolade isst, der marschiert morgen im Gleichschritt zum Kühlschrank.“ Und die Moderatorin einer Radiosendung fragte ihre Hörer: „Darf man diese Tafel eigentlich noch verschenken, ohne gleich als rechts zu gelten?“ Worauf sich jemand meldete und trocken meinte: „Kommt drauf an, wem man sie schenkt.“

Medien als Empörungsmaschine

Die Medien suhlen sich dabei in Schlagworten wie „Spaltung der Gesellschaft“, „Symbolpolitik“ oder „gefährliche Banalisierung“. Es fehlt nur noch, dass ein Kulturkritiker verkündet: „Die Schokolade ist der neue Populismus.“ Und während sie schreiben, senden und twittern, essen die Menschen sie einfach. Denn, Überraschung: Schokolade ist in erster Linie dazu da, verzehrt zu werden – nicht zur Rettung oder Zerstörung der Demokratie.

Doch diese Erkenntnis ist zu banal für die Medien. Lieber schmücken sie Heinos Produkt mit einer Bedeutung aus, die jede Tafel Ritter Sport vor Neid erblassen ließe. Dass es sich im Kern nur um Fett, Zucker und Aroma handelt, wird dabei galant übersehen. Der mittelständische Süßwarenhersteller Wagner  (keine Schleichwerbung!) aus Brunsbüttel reibt sich unterdessen die Hände über die aufgeregte Berichterstattung: Die Bestellungen im Online-Shop laufen auf Hochtouren, der Versand musste wegen der hohen Nachfrage verschoben werden.

Bis auf Galeria Karstadt boykottieren Handelsriesen wie Rewe die Deutschland-Schoki. Auf Nachfrage, weshalb, gibt es kein Kommentar oder nur Ausflüchte. Wenigstens zeigen die kleinen süßen Einzelhändler Willkommenskultur. Heinos zuckrige Versuchung ist dort in.

Heino selbst muss sich derweil königlich amüsieren. Er, der schon seit Jahrzehnten mit immer derselben Frisur, derselben Stimme und derselben Sonnenbrille durchs Rampenlicht gleitet, hat wieder einen Coup gelandet. Ein Branchenkenner soll gesagt haben: „So clever war noch keine Produktplatzierung seit der Erfindung von Überraschungseis.“

Während Kritiker noch versuchen, aus Nougat Nationalsozialismus zu kneten, klingelt bei ihm längst die Kasse. Für die woke Empörungsblase geht dieser Schuss nach hinten los. Oder anders gesagt: Es gibt keine schlechte PR – Hauptsache der Name ist richtig geschrieben.

Eine deutsche Leidenschaft: Selbstgeißelung

An der Heino-Schoki zeigt sich wieder: In Deutschland muss man gar nichts Revolutionäres tun, um die Medien auf die Palme zu bringen. Man muss nur die Nationalfarben in Zucker gießen. Schon tobt die Debatte, als ginge es um den Fortbestand der Demokratie. Ein Satiriker brachte es kürzlich auf den Punkt: „Wenn Heino morgen eine Zahnpasta in Schwarz-Rot-Gold auf den Markt bringt, dann diskutieren wir über die politische Hygiene im Land.“

Natürlich darf man das Ganze auch sportlich sehen. Schließlich lieben die deutschen Medien das Empörungsspiel. Kaum betritt ein Prominenter die Bühne mit einer Idee, die auch nur entfernt nach „Nation“ riecht, heißt es: Nazi!

Geschmäcklerisches Fazit

Dabei wäre die eigentliche Frage so simpel: Wie schmeckt die Schokolade? Ist sie knackig, cremig, zartschmelzend? Oder liegt sie schwer im Magen wie ein überhastet verschlungenes Sonntags-Feuilleton der FAS? Doch nein, der Geschmack interessiert niemanden. Lieber redet man über Symbolik. So wird eine Tafel zur nationalen Krise, und der Kakao zur Projektionsfläche kollektiver Neurosen.

Ein Testesser schrieb in einer Lokalzeitung immerhin ehrlich: „Ganz okay, aber etwas süß. Ob das jetzt für oder gegen Deutschland spricht, weiß ich nicht.“ Der Autor dieser Zeilen selbst hat es noch nicht getestet, ihm liegt noch die Dubai-Schokolade im Magen.

Am Ende bleibt ein bitterer Nachgeschmack – und zwar nicht von der Schokolade, sondern von der Erkenntnis, dass man mit Schwarz-Rot-Gold immer noch mehr Wirbel macht als mit Vollmilch-Nuss. Linken-Ikone Bodo Ramelow weiß seit seinem Nationalhymnen-Verriss, ein Liedchen davon zu singen. Vielleicht ist genau das Heinos größter Trick: Er hat es geschafft, ein Stück Süßware zum Politikum aufzublasen. Und das, ohne auch nur eine einzige Zeile zu singen.

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