
Dass Birkenstock für 18 Millionen Euro eine Fabrik in Sachsen gekauft hat, ließ der Schuhhersteller schon vor einigen Wochen durchsickern. Jetzt erst hat er aber verraten, wo genau er dadurch Hunderte neue Jobs schafft.
Wittichenau.
Die Schuhbranche steckt in einer Krise, doch Birkenstock trotzt diesem Trend – und hat deshalb jetzt sogar eine Fabrik in Sachsen gekauft, um die Produktion weiter hochzufahren. Nun bestätigte das Unternehmen, dass es sich dabei um das Grundstück und die Gebäude des ehemaligen Möbelherstellers Maja handelt. Für etwa 18 Millionen Euro hat Birkenstock diese Immobilie in Wittichenau in der Oberlausitz erworben.
Maja-Möbelwerk soll reaktiviert werden
Das Gelände im Wittichenauer Ortsteil Brischko steht seit der Insolvenz des Möbelherstellers seit 2023 leer. Birkenstock plant, dort Kork-Latex-Fußbettungen herzustellen. Die bestehenden Gebäude auf dem Areal sollen dafür in einem ersten Schritt umfassend modernisiert und instandgesetzt werden. Die Arbeiten dazu sollen Anfang 2026 starten. Stufenweise soll dann der Standort ausgebaut werden. Bis 2030 sollen dort nach Unternehmensangaben mehrere Hundert Arbeitsplätze entstehen. „Diese Investition ist ein Glücksfall und Segen für unsere Kommune und die gesamte Region“, heißt es von der Stadtverwaltung in Wittichenau.
Areal so groß wie elf Fußballfelder
Schon im September war bekannt geworden, dass Birkenstock mit einem weiteren Werk nach Sachsen kommt – allerdings nannte das Unternehmen damals noch keine Details zum Standort. Die Immobilie in Wittichenau umfasst laut Birkenstock 78.000 Quadratmeter Produktions- und Logistikfläche. Das entspricht in etwa der Größe von elf Fußballfeldern. Der Kauf sei günstiger als ein Neubau, so das Unternehmen damals. Zudem könnten dadurch die Fertigungskapazitäten schneller erweitert werden.
Birkenstock-Sprecher: Eine glückliche Fügung
Birkenstock-Produkte seien stark nachgefragt, erklärte Unternehmenssprecher Jochen Gutzy jetzt dem MDR. Deshalb brauche das Unternehmen neue Fabriken in Deutschland. Bei der Suche nach neuen Produktionsstandorten auf die leer stehende Fabrik in Wittichenau gestoßen zu sein, nannte Gutzy eine „glückliche Fügung“. „Wir sind froh in Wittichenau Hallen gefunden zu haben, in denen wir die Produktion schneller hochfahren können, als wenn wir auf der grünen Wiese ein Werk neu errichten müssten.“ Ein Großteil der Fußbetten werde bereits in Sachsen produziert, so Jochen Gutzy. „Wittichenau soll nun Teil des Standortnetzes werden.“
Umsatzprognose angehoben
Bei Birkenstock läuft es momentan richtig gut. So hat das Unternehmen erst kürzlich seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben. Für das vierte Quartal erwartet die Firma nun einen Umsatz von mindestens 520 Millionen Euro. Das entspreche einem währungsbereinigten Wachstum von mindestens 18 Prozent. Für das gesamte Geschäftsjahr 2025 ergebe sich damit ein Umsatz von mindestens 2,09 Milliarden Euro.
Birkenstock größter Arbeitgeber der deutschen Schuhindustrie
Birkenstock gehört nicht nur zu den Top Five der internationalen Schuh-Branche, sondern ist zugleich eine der bekanntesten deutschen Marken weltweit. Mehrheitseigentümer des traditionsreichen Familienunternehmens in sechster Generation ist inzwischen zwar die Beteiligungsgesellschaft L Catterton, hinter der unter anderem der französische Luxusgüterkonzern LVMH und dessen Hauptaktionär Bernard Arnault stehen. Mit rund 5500 Mitarbeitern ist Birkenstock aber der größte Arbeitgeber der deutschen Schuhindustrie. Rund jeder vierte Beschäftigte der Branche arbeitet bei Birkenstock. Seit Anfang 2013 wurden über 3000 neue Arbeitsplätze geschaffen, und zwar fast ausnahmslos in Deutschland. Birkenstock produziert den Großteil seiner Produkte an eigenen Produktionsstandorten in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Hessen – und in Sachsen.
Weltweit größter Birkenstock-Standort befindet sich in Sachsen
Der weltweit größte Birkenstock-Standort befindet sich nach Unternehmensangaben in Görlitz. Dort werden Fußbettungen und Sohlen hergestellt. Außerdem kommen in dem Werk alle Komponenten – Sohle, Fußbett, Schäfte und Schnallen – zusammen und werden in der Endmontage zu den weltweit bekannten Sandalen-Klassikern verarbeitet. Rund 1900 Mitarbeiter hat das Görlitzer Werk inzwischen. In den vergangenen Jahren sind zweistellige Millionenbeträge in die Erweiterung dieses Standorts geflossen. So sind neue Produktionslinien für Fußbett- und Kork-Latex-Sandalen aufgebaut worden. Größter Abnehmer des Görlitzer Werks seien die USA, der am schnellsten wachsende Markt sei der asiatische, wie es heißt. (juerg)