Ein Hundehalter, der sich vegan ernährt, verursacht weniger Treibhausgase als ein Rohfleisch fressender Hund. Wer auf pflanzliches Futter setzt, was nicht immer ratsam ist, kann den ökologischen Fußabdruck seiner Haustiere massiv reduzieren
Für die Klimabilanz eines Hundes ist hauptsächlich das Futter entscheidend
Illustration: der Freitag
Es gibt viele Bereiche unseres Lebens, in denen der Klima-Fußabdruck ganz genau berechnet wird: Fast 20 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen entstehen in Deutschland durch das Heizen von Gebäuden, der Verkehr ist für 22 Prozent verantwortlich, wobei 15 Prozent durch PKWs verursacht werden. Fleischkonsum, Benzin-Rasenmäher oder das Bauen mit Beton: Die meisten Klimakiller des Alltags sind bekannt. Aber wie viel Klimalast verursachen eigentlich unsere Haustiere?
Forscher der TU Berlin haben das Hundeleben untersucht: Berechnungsgrundlage ihrer Studie war ein 15 Kilogramm schwerer Modellhund, der 13 Jahre alt wird. Solch ein Hundeleben erzeugt 8,2 Tonnen Treibhausgas, so viel wie bei 13 Hin- und Rückflügen von Berlin nach Barcelona freigesetzt werden. Oder so viel wie 72.800 Autokilometer, was einer Strecke von fast zwei Erdumrundungen entspricht.
Hauptursache dieser Klimalast ist das Futter. Die Forscher:innen betrachteten zudem die ökologischen Lasten: Im Leben des Modellhundes fallen 2.000 Liter Urin an und 1.000 Kilogramm Kot – mit signifikantem Einfluss auf die Umwelt. Neben der Überdüngung der Gewässer, die etwa zu riesigen Todeszonen in der Ostsee geführt haben, im Futter enthaltene Schwermetalle führen zur Vergiftung des Bodens, auch manch Wasserorganismen vergiften die Hundeausscheidungen. Bilanziert wurden beispielsweise auch die Plastiktüten für die Fäkalien. Hier rät die Studie ausdrücklich zu: Der zusätzliche Müll ist weniger schlimm, als Folgen für die Umwelt.
Katzen: 1 Prozent der deutschen Klimaschuld
Nach Angaben des Zentralverbandes der Heimtierbranche lebte im Jahr 2024 in 44 Prozent aller Haushalte in Deutschland mindestens ein Heimtier. Das summiert sich auf gut 10 Millionen Hunde, knapp 16 Millionen Katzen und 4,3 Millionen Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamster.
Auch die Klimalast der Katzen gilt mittlerweile als gut untersucht: Durchschnittlich verursacht jede Hauskatze laut Umweltbundesamt 400 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr, etwa die Hälfte davon entfällt auf das Futter.
Anders als beim Hund hat auch die Katzenhaltung großen Einfluss auf die Klimawirkung: Katzenstreu aus Pflanzen- oder Holzfasern ist klimafreundlicher als solches aus Bentonit. Rechnet man die Belastung durch Katzen in der Bundesrepublik zusammen, ergibt das 6,4 Millionen Tonnen – exakt 1 Prozent der aktuellen deutschen Klimabilanz.
Futter ist aus klimatischer Sicht aber nicht gleich Futter, wie eine Studie der „University of Edinburgh“ jetzt festgestellt hat: Die Forscher:innen werteten 996 in Großbritannien handelsübliche Futtermarken aus: 526 Trockenfutter; 114 getreidefreies Trockenfutter; 12 pflanzliche Produkte; 300 verschiedene „nasse“ – also fleischliche Futter und 34 aus rohem Fleisch. Anhand der Zutatenlisten und Nährwertkennzeichnung berechneten sie den Kohlendioxid-Abdruck. Das im Fachmagazin Journal of Cleaner Production veröffentlichte Ergebnis: Hundefutter kann Treibhausgas-intensiv sein, muss es aber nicht.
Wenig überraschend: Futter, das Getreide enthält, verursacht deutlich weniger Emissionen als Nass-, Roh- oder getreidefreie Produkte. Als klimafreundlich lassen sich auch die pflanzlichen Hundefutter einstufen, allerdings zeigen die lediglich 12 im Handel erhältlichen Produkte: Hundebesitzer fragen solches Futter nicht nach. Dabei belegen Studien, dass sorgfältig zusammengestellte pflanzliche Futtermittel den Nährstoffbedarf von Hunden hervorragend decken können und ähnliche gesundheitliche Vorteile wie fleischhaltiges Futter bieten.
Futter mit den höchsten Emissionen ist 65-mal klimaschädlicher als die klimafreundlichsten Produkte. Als Faustregel kann gelten: Je mehr Fleisch, umso mehr Emissionen. Studienleiter John Harvey rät beispielsweise auf die Beschreibung der verwendeten Fleischstücke zu achten. Der Anteil an hochwertigem Muskelfleisch sollte möglichst gering sein, denn das könnten auch Menschen essen. Je mehr Reste aus der Schlachtung verwertet werden, desto besser. Ein überraschendes Ergebnis: Jener Hundehalter, der sich vegan ernährt, verursacht weniger Klimaschuld als der Rohfleisch-fressende Hund.
Hundefutter ist der Studie zufolge für 1 Prozent der gesamten Emissionen Großbritanniens verantwortlich. Wie groß das Klima-Problem „Hund“ ist, verdeutlicht, wenn man die Studienergebnisse hochrechnet: Würden alle Hunde der Welt so ernährt, wie mit dem untersuchten Hundefutter, kämen mehr als die Hälfte jener Emissionen zustande, die jedes Jahr durch das Verbrennen von Kerosin im Luftverkehr entstehen.
Bei Katzen ist der Spielraum kleiner, Experten raten von vegetarischem oder sogar veganem Futter ab. Allerdings gibt es auch hier Unterschiede: Wer artgerechtes rohes Futter aus hochwertigem Fleisch verfüttert – so genanntes BARF – schlägt mit 750 Kilogramm Treibhausgas im Jahr fast doppelt so hoch zu Buche wie normales abgepacktes Futter aus dem Handel. Klimafreundlicher ist Bio-zertifiziertes Katzenfutter, weil die ökologische Landwirtschaft weniger Treibhausgase verursacht. Die Stiftung Warentest bietet einen „Nassfutter-Test“ an.
Klimaneutrale Haustiere – geht das?
2017 hatten Wissenschaftler:innen der „University of California“ in ihrer Studie ermittelt, dass alle Hunde und Katzen, die weltweit als Haustier gehalten werden, zusammen 64 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr verursachen. Das ist so viel wie Senegal und Jordanien zusammen – dort leben knapp 30 Millionen Menschen. Und dann kommen ja auch noch Wellensittiche, Schildkröten oder Guppys hinzu: Ein Pferd beispielsweise verursacht 3,1 Tonnen pro Jahr. Das ist so viel, wie der Weltklimarat für jeden einzelnen Menschen der Erde als gerade noch klimaverträglich angibt – auch für Pferdehalter.
Die Bundesrepublik hat sich mit dem Klimaschutz-Gesetz verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden. Müssen „Schnuffi“, „Leo“ oder „Luna“ also dran glauben? Für den Deutschen Tierschutzbund ein absurder Gedanke: „Haustiere sind Mitgeschöpfe mit eigenem Wert, nicht bloße Emissionsquellen“, erklärt Sprecherin Kerstin van Kan gegenüber dem Freitag. Die richtige Frage sei nicht „Abschaffung ja/nein“, sondern wie man Haustiere gegebenenfalls nachhaltiger halten kann: „Mit anderen Worten: Alle verursachten Treibhausgasemissionen werden entweder vermieden oder vollständig ausgeglichen.“
er Studie war ein 15 Kilogramm schwerer Modellhund, der 13 Jahre alt wird. Solch ein Hundeleben erzeugt 8,2 Tonnen Treibhausgas, so viel wie bei 13 Hin- und Rückflügen von Berlin nach Barcelona freigesetzt werden. Oder so viel wie 72.800 Autokilometer, was einer Strecke von fast zwei Erdumrundungen entspricht.Hauptursache dieser Klimalast ist das Futter. Die Forscher:innen betrachteten zudem die ökologischen Lasten: Im Leben des Modellhundes fallen 2.000 Liter Urin an und 1.000 Kilogramm Kot – mit signifikantem Einfluss auf die Umwelt. Neben der Überdüngung der Gewässer, die etwa zu riesigen Todeszonen in der Ostsee geführt haben, im Futter enthaltene Schwermetalle führen zur Vergiftung des Bodens, auch manch Wasserorganismen vergiften die Hundeausscheidungen. Bilanziert wurden beispielsweise auch die Plastiktüten für die Fäkalien. Hier rät die Studie ausdrücklich zu: Der zusätzliche Müll ist weniger schlimm, als Folgen für die Umwelt. Katzen: 1 Prozent der deutschen KlimaschuldNach Angaben des Zentralverbandes der Heimtierbranche lebte im Jahr 2024 in 44 Prozent aller Haushalte in Deutschland mindestens ein Heimtier. Das summiert sich auf gut 10 Millionen Hunde, knapp 16 Millionen Katzen und 4,3 Millionen Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamster. Auch die Klimalast der Katzen gilt mittlerweile als gut untersucht: Durchschnittlich verursacht jede Hauskatze laut Umweltbundesamt 400 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr, etwa die Hälfte davon entfällt auf das Futter.Anders als beim Hund hat auch die Katzenhaltung großen Einfluss auf die Klimawirkung: Katzenstreu aus Pflanzen- oder Holzfasern ist klimafreundlicher als solches aus Bentonit. Rechnet man die Belastung durch Katzen in der Bundesrepublik zusammen, ergibt das 6,4 Millionen Tonnen – exakt 1 Prozent der aktuellen deutschen Klimabilanz.Futter ist aus klimatischer Sicht aber nicht gleich Futter, wie eine Studie der „University of Edinburgh“ jetzt festgestellt hat: Die Forscher:innen werteten 996 in Großbritannien handelsübliche Futtermarken aus: 526 Trockenfutter; 114 getreidefreies Trockenfutter; 12 pflanzliche Produkte; 300 verschiedene „nasse“ – also fleischliche Futter und 34 aus rohem Fleisch. Anhand der Zutatenlisten und Nährwertkennzeichnung berechneten sie den Kohlendioxid-Abdruck. Das im Fachmagazin Journal of Cleaner Production veröffentlichte Ergebnis: Hundefutter kann Treibhausgas-intensiv sein, muss es aber nicht. Wenig überraschend: Futter, das Getreide enthält, verursacht deutlich weniger Emissionen als Nass-, Roh- oder getreidefreie Produkte. Als klimafreundlich lassen sich auch die pflanzlichen Hundefutter einstufen, allerdings zeigen die lediglich 12 im Handel erhältlichen Produkte: Hundebesitzer fragen solches Futter nicht nach. Dabei belegen Studien, dass sorgfältig zusammengestellte pflanzliche Futtermittel den Nährstoffbedarf von Hunden hervorragend decken können und ähnliche gesundheitliche Vorteile wie fleischhaltiges Futter bieten. Futter mit den höchsten Emissionen ist 65-mal klimaschädlicher als die klimafreundlichsten Produkte. Als Faustregel kann gelten: Je mehr Fleisch, umso mehr Emissionen. Studienleiter John Harvey rät beispielsweise auf die Beschreibung der verwendeten Fleischstücke zu achten. Der Anteil an hochwertigem Muskelfleisch sollte möglichst gering sein, denn das könnten auch Menschen essen. Je mehr Reste aus der Schlachtung verwertet werden, desto besser. Ein überraschendes Ergebnis: Jener Hundehalter, der sich vegan ernährt, verursacht weniger Klimaschuld als der Rohfleisch-fressende Hund.Hundefutter ist der Studie zufolge für 1 Prozent der gesamten Emissionen Großbritanniens verantwortlich. Wie groß das Klima-Problem „Hund“ ist, verdeutlicht, wenn man die Studienergebnisse hochrechnet: Würden alle Hunde der Welt so ernährt, wie mit dem untersuchten Hundefutter, kämen mehr als die Hälfte jener Emissionen zustande, die jedes Jahr durch das Verbrennen von Kerosin im Luftverkehr entstehen.Bei Katzen ist der Spielraum kleiner, Experten raten von vegetarischem oder sogar veganem Futter ab. Allerdings gibt es auch hier Unterschiede: Wer artgerechtes rohes Futter aus hochwertigem Fleisch verfüttert – so genanntes BARF – schlägt mit 750 Kilogramm Treibhausgas im Jahr fast doppelt so hoch zu Buche wie normales abgepacktes Futter aus dem Handel. Klimafreundlicher ist Bio-zertifiziertes Katzenfutter, weil die ökologische Landwirtschaft weniger Treibhausgase verursacht. Die Stiftung Warentest bietet einen „Nassfutter-Test“ an.Klimaneutrale Haustiere – geht das?2017 hatten Wissenschaftler:innen der „University of California“ in ihrer Studie ermittelt, dass alle Hunde und Katzen, die weltweit als Haustier gehalten werden, zusammen 64 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr verursachen. Das ist so viel wie Senegal und Jordanien zusammen – dort leben knapp 30 Millionen Menschen. Und dann kommen ja auch noch Wellensittiche, Schildkröten oder Guppys hinzu: Ein Pferd beispielsweise verursacht 3,1 Tonnen pro Jahr. Das ist so viel, wie der Weltklimarat für jeden einzelnen Menschen der Erde als gerade noch klimaverträglich angibt – auch für Pferdehalter.Die Bundesrepublik hat sich mit dem Klimaschutz-Gesetz verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden. Müssen „Schnuffi“, „Leo“ oder „Luna“ also dran glauben? Für den Deutschen Tierschutzbund ein absurder Gedanke: „Haustiere sind Mitgeschöpfe mit eigenem Wert, nicht bloße Emissionsquellen“, erklärt Sprecherin Kerstin van Kan gegenüber dem Freitag. Die richtige Frage sei nicht „Abschaffung ja/nein“, sondern wie man Haustiere gegebenenfalls nachhaltiger halten kann: „Mit anderen Worten: Alle verursachten Treibhausgasemissionen werden entweder vermieden oder vollständig ausgeglichen.“