Zum dritten Mal in vier Jahren verpasst die IG Metall eine Mehrheit im Betriebsrat von Tesla. Einschüchterungen, Arbeitsplatzangst und neue Belegschaftsstrukturen zeigen: Der Kampf um Mitbestimmung steckt in der Tech-Branche in einer Krise
Die IG-Metall-Liste wird nur zweitstärkste Kraft und verliert gegenüber 2024 erheblich an Stärke
Foto: Josh Edelson/AFP/Getty Images
Ernüchterte Gesichter waren in den vergangenen Tagen bei IG-Metall-Vertretern zu sehen: Zum dritten Mal in nur vier Jahren hat die Gewerkschaft die Betriebsratswahl im Tesla-Werk Grünheide verloren. Erneut zeigt sich damit, wie schwer betriebliche Organisierung in den neuen Tech-Industrien geworden ist.
Die IG-Metall-Liste „Tesla Workers GFBB“ unterlag dabei konkret der als managementnah geltenden „Giga United“-Liste um die bisherige Betriebsratsvorsitzende Michaela Schmitz. Diese kommt auf rund 40 Prozent der Stimmen und erhält 16 von 37 Sitzen.
Die rund 10.700 Tesla-Beschäftigten in Grünheide bei Berlin haben Anfang März gewählt. Die IG-Metall-Liste ist zwar mit 13 Sitzen zweitstärkste Kraft, verliert gegenüber 2024 jedoch erheblich an Stärke. Das Ziel, eine Mehrheit im Betriebsrat zu erreichen, hat die IG Metall damit klar verfehlt. Die Wahlbeteiligung lag laut Tesla bei rund 90 Prozent.
Schmutziger Wahlkampf: Einschüchterungen und polnische Listen
„Zweitstärkste Kraft – das ist ein absolut respektables Ergebnis nach einem harten und von Arbeitgeberseite schmutzig geführten Wahlkampf!“, erklärte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner unmittelbar nach Bekanntwerden des Ergebnisses in einem Pressestatement.
Aber ist das wirklich so? Die Situation für die IG Metall ist bei Tesla deutlich schwieriger als in klassischen Autobetrieben, in denen Tarifpartnerschaft als gesetzt gilt. Im Vorfeld der Wahl berichtete die Gewerkschaft von Einschüchterungen. Hinzu kam die Drohung von US-Eigentümer Elon Musk, die Fabrik in Grünheide nicht auszubauen und sogar weitere Stellen abzubauen – ein Faktor, der im aktuellen Klima sicherlich zusätzlich wirkt.
Die Angst um den Arbeitsplatz in einer wirtschaftlichen Krise wiegt für viele Beschäftigte möglicherweise schwerer als das eher abstrakte Versprechen einer Gewerkschaft. Für die IG Metall bleibt es mit ihrem neuen Ergebnis dabei weiterhin fast unmöglich, vor Ort bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen oder gegen Einschüchterungen und Kündigungen vorzugehen. Unterstützung von anderen aus dem Betriebsrat ist ebenfalls kaum zu erwarten – auch viele der anderen Listen gelten als managementnah.
Spannend dürfte es außerdem mit der dritterfolgreichsten Liste werden. Die „Polnische Initiative“ war die einzige Liste, die sich explizit nur an die rund 2.000 in der Gigafabrik arbeitenden Polinnen und Polen richtete. Auch sie ist keine Verbündete der IG Metall: Auf einem Flyer hieß es: „Warum sollte eine deutsche Gewerkschaft darüber entscheiden, was die Polen brauchen?“
DGB-Gewerkschaften kommen bei Tech- und Plattformfirmen kaum voran
Die IG Metall muss sich nun dennoch fragen, wie es für sie bei Tesla weitergeht – und nicht nur sie. Nach einer Phase, in der Betriebsräte in Tech-Konzernen entstanden sind, kommen die DGB-Gewerkschaften in den Auseinandersetzungen mit den Tech- und Plattformunternehmen derzeit kaum noch voran.
Verdi hat den Kampf um einen Tarifvertrag bei Amazon faktisch aufgegeben. Auch die NGG steht vor ähnlichen Problemen: Bei Lieferando kämpft sie derzeit vor allem darum, dass nicht sämtliche Arbeitsplätze von Kurierfahrern an Subunternehmer ausgelagert werden. Ein Tarifvertrag ist auch dort wieder in weite Ferne gerückt.
Die aktuellen Strategien wirken weder für die IG Metall, noch für Verdi oder die NGG. Die Frage, wie wirklich Gegenmacht bei den Techgiganten aufgebaut werden kann, ist derzeit vielleicht eine der drängendsten – aber nicht nur eine, die sich die Gewerkschaften alleine stellen müssen.
in Grünheide bei Berlin haben Anfang März gewählt. Die IG-Metall-Liste ist zwar mit 13 Sitzen zweitstärkste Kraft, verliert gegenüber 2024 jedoch erheblich an Stärke. Das Ziel, eine Mehrheit im Betriebsrat zu erreichen, hat die IG Metall damit klar verfehlt. Die Wahlbeteiligung lag laut Tesla bei rund 90 Prozent.Schmutziger Wahlkampf: Einschüchterungen und polnische Listen„Zweitstärkste Kraft – das ist ein absolut respektables Ergebnis nach einem harten und von Arbeitgeberseite schmutzig geführten Wahlkampf!“, erklärte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner unmittelbar nach Bekanntwerden des Ergebnisses in einem Pressestatement. Aber ist das wirklich so? Die Situation für die IG Metall ist bei Tesla deutlich schwieriger als in klassischen Autobetrieben, in denen Tarifpartnerschaft als gesetzt gilt. Im Vorfeld der Wahl berichtete die Gewerkschaft von Einschüchterungen. Hinzu kam die Drohung von US-Eigentümer Elon Musk, die Fabrik in Grünheide nicht auszubauen und sogar weitere Stellen abzubauen – ein Faktor, der im aktuellen Klima sicherlich zusätzlich wirkt.Die Angst um den Arbeitsplatz in einer wirtschaftlichen Krise wiegt für viele Beschäftigte möglicherweise schwerer als das eher abstrakte Versprechen einer Gewerkschaft. Für die IG Metall bleibt es mit ihrem neuen Ergebnis dabei weiterhin fast unmöglich, vor Ort bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen oder gegen Einschüchterungen und Kündigungen vorzugehen. Unterstützung von anderen aus dem Betriebsrat ist ebenfalls kaum zu erwarten – auch viele der anderen Listen gelten als managementnah.Spannend dürfte es außerdem mit der dritterfolgreichsten Liste werden. Die „Polnische Initiative“ war die einzige Liste, die sich explizit nur an die rund 2.000 in der Gigafabrik arbeitenden Polinnen und Polen richtete. Auch sie ist keine Verbündete der IG Metall: Auf einem Flyer hieß es: „Warum sollte eine deutsche Gewerkschaft darüber entscheiden, was die Polen brauchen?“DGB-Gewerkschaften kommen bei Tech- und Plattformfirmen kaum voranDie IG Metall muss sich nun dennoch fragen, wie es für sie bei Tesla weitergeht – und nicht nur sie. Nach einer Phase, in der Betriebsräte in Tech-Konzernen entstanden sind, kommen die DGB-Gewerkschaften in den Auseinandersetzungen mit den Tech- und Plattformunternehmen derzeit kaum noch voran.Verdi hat den Kampf um einen Tarifvertrag bei Amazon faktisch aufgegeben. Auch die NGG steht vor ähnlichen Problemen: Bei Lieferando kämpft sie derzeit vor allem darum, dass nicht sämtliche Arbeitsplätze von Kurierfahrern an Subunternehmer ausgelagert werden. Ein Tarifvertrag ist auch dort wieder in weite Ferne gerückt.Die aktuellen Strategien wirken weder für die IG Metall, noch für Verdi oder die NGG. Die Frage, wie wirklich Gegenmacht bei den Techgiganten aufgebaut werden kann, ist derzeit vielleicht eine der drängendsten – aber nicht nur eine, die sich die Gewerkschaften alleine stellen müssen.