Wenn Ikea-Kunden Fragen zu oder Probleme mit ihren Möbeln haben, dann landen sie damit oft in Ostdeutschland. Damit ist künftig Schluss.

Chemnitz/Rostock.

Ob Umtausch, Liefertermin oder Ersatzteilbestellung: In insgesamt drei Callcentern helfen Hunderte Ikea-Mitarbeiter den deutschen Kunden des Möbel-Giganten jeden Tag. Nun soll der Standort im Osten dichtmachen.

Das melden unter anderem der Norddeutsche Rundfunk und die Ostsee-Zeitung. Betroffen sind demnach rund 280 Beschäftigte am Standort Rostock (Mecklenburg-Vorpommern). Zum 30. September soll den Mitarbeitern gekündigt werden. Doch warum?

So begründet Ikea das Aus

Gegenüber der Bild-Zeitung begründet ein Ikea-Sprecher den Schritt so: „Die Entscheidung basiert auf langfristigen, strukturellen Erwägungen, darunter das Auslaufen des Mietvertrags im Jahr 2026 und die Notwendigkeit umfangreicher Investitionen zur Modernisierung des Standorts.“

Ende August soll der Geschäftsbetrieb im Rostocker Callcenter eingestellt werden, für die Kunden soll sich aber nichts ändern. Die Schließung diene laut Ikea dazu, den Kundendienst zu vereinfachen und wettbewerbsfähig wie auch wirtschaftlich tragfähig zu bleiben.

Bei der Gewerkschaft Verdi ist man entsetzt, bezeichnet die Unternehmensentscheidung als „sozial unverantwortlich“ sowie als einen „Schlag ins Gesicht für die Kolleginnen und Kollegen, die über Jahre engagierte Arbeit geleistet haben, um die Milliardengewinne des IKEA-Konzerns mit zu erwirtschaften“.

Betriebsrat erst spät informiert

Die Beschäftigten seien vorab zu keinem Zeitpunkt umfassend informiert worden, auf Nachfragen reagierten Führungskräfte nicht, so Marcus Dejosez, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Handel in Mecklenburg-Vorpommern. „Dieses Vorgehen hat bereits in naher Vergangenheit Vertrauen zerstört und bewusst Verunsicherung geschaffen.“

Daniel Mucha, Callcenter-Mitarbeiter am Standort Rostock und Mitglied der Tarifkommission im Einzelhandel MV, ergänzt wütend: „Besonders kritisch sehen wir den Umgang mit der betrieblichen Mitbestimmung. Neben intransparentem Vorgehen wurde auch die Beteiligung von uns als Arbeitnehmervertretung aktiv und systematisch behindert. Der Betriebsrat wurde bewusst erst eine halbe Stunde vor der Gesamtbelegschaft über die Standortschließung informiert. Diese Angriffe richten sich unmittelbar gegen demokratisch gewählte Interessenvertreter und stellen einen massiven Angriff auf die Mitbestimmung dar.“

Neben dem Standort Rostock unterhält Ikea in Deutschland noch Callcenter in Hofheim-Wallau (Hessen) sowie in Bremerhaven. (phy)



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