Vor rund 66 Millionen Jahren, sehen sie uns das ein oder andere Jahr Fehlschätzung nach, hat es so richtig gerummst, vor der Küste Guineas und in etwa zur selben Zeit, zu der der riesige 200 Kilometer umfassende Chicxulub-Krater in Mexiko entstanden sein soll, genau an der Kreide-Paläogen-Grenze (K-Pg-Grenze), einer geologischen Schichtgrenze, die den Übergang vom Mesozoikum (Erdmittelalter) zum Känozoikum (Erdneuzeit) markiert. Zwei Krater, die beide um ungefähr (give or take ein paar Tausend Jahre) entstanden sind, in etwa um die Zeit, zu der die letzten Saurier vom Boden der Erde (im Wasser konnten sie sich noch etwas halten) verschwunden sind und mit ihnen ein großes Artensterben eingesetzt hat.

Zwei Krater legen den Verdacht nahe, dass mehr als ein Asteroid Anlass zum Artensterben gegeben haben. Der Einschlag an der Küste Mexikos, der den riesigen Chicxulub-Krater zurückgelassen hat und der Einschlag aus dem der Nadir-Krater vor der Küste Guineas resultiert.

Quelle: Nicholson et al. (2024).

Verglichen mit dem Chicxulub-Krater ist Nadir ein Winzling, 9,2 Kilometer Durchmesser umgeben von einem 24 km weiten Rand, eine Fläche von 67 Quadratkilometern und 230 Meter ursprüngliche Einschlagtiefe weisen dennoch auf einen Gesteinsbrocken erheblicher Größe hin, der einen heftigen Rumms inklusive Tsunami und Erdbeben verursacht hat. Und weil er ein Winzling ist, der 300 Meter unter dem Meeresboden, der wiederum 900 Meter unter der Wasseroberfläche beginnt, liegt, war die Frage, ob es sich bei Nadir tatsächlich um einen Einschlagkrater handelt, bislang ungeklärt, umstritten …

Die Bestimmung von Kratern ist so eine Sache. Es gibt rund 200 erfolgreiche Bestimmungen, wobei Gesteinsproben das waren, was den Krater als Einschlagkrater eines Asteroiden ausgewiesen haben. Gesteinsproben bei einem Krater, 1.2 Kilometer unter der Wasseroberfläche zu nehmen, ist das, was ein sehr teures Problem konstituiert, weshalb der Streit um Nadir schwelte, bis er mit dem folgenden Beitrag wohl entschieden wurde:

Die Forscher nutzen Daten, die im Rahmen so genannter MC3D – Survey, Multi-Client 3D seismic survey, gewonnen werden. Dabei werden seismische Pulse, die von einer Luftkanone (gepresste Luft) abgegeben werden, genutzt, um die Beschaffenheit des Meeresbodens zu analysieren. Ein solcher

„Airgun-Array“ wird von einem eigens ausgestatteten Schiff in konstanter Geschwindigkeit hinter sich hergezogen, sendet alle 25 Sekunden einen Luftpuls aus, der vom Meeresboden zurückgeworfen und wieder aufgefangen wird:

Auf Basis der auf diese Weise gewonnen Daten ist es möglich, detaillierte Karten über den Meeresboden und seine Beschaffenheit zu erstellen, die wiederum genutzt werden können, um die Frage, ob Nadir ein Krater ist, der durch den Einschlag eines Asteroiden verursacht wurde, zu beantworten:

Quelle: Nicholson et al. (2024).

Und in der Tat, die Forscher um Nicholson sind der Ansicht zweifelsfrei nachgewiesen zu haben, dass Nadir Ergebnis eines Asteroiden ist, der vor rund 66 Millionen Jahren die Erde getroffen hat:

„Die 3D-seismischen Daten liefern überzeugende Belege dafür, dass der Nadir-Krater durch einen Hypergeschwindigkeits-Einschlag entstanden ist. Die Kombination aus den oben beschriebenen strukturellen und stratigraphischen Merkmalen sowie den Geschwindigkeitsdaten ermöglicht es uns, die dreidimensionale Anatomie dieser Struktur im Detail zu verstehen. Das Verhältnis von Kratertiefe zu Kraterdurchmesser (1:40), das Verhältnis von Durchmesser der zentralen Erhebung zum Kraterdurchmesser (1:5), das Verhältnis von stratigraphischer Erhebung zum Kraterdurchmesser (1:22) sowie die strukturellen Merkmale der stratigraphischen Erhebung und des ringförmigen Grabens stimmen alle mit Beobachtungen an bestätigten Einschlagskratern überein. Die geomorphologischen Merkmale des zeitgenössischen Meeresbodens jenseits des Kraters, einschließlich der großen Resurge-Narbe (…), sind ebenfalls charakteristisch für marine Krater. Der Anstieg der seismischen Geschwindigkeit und der vermutete Porositätsverlust unterhalb des Kraterbodens stimmen mit den Beobachtungen bei sedimentären Ziel- und marinen Zielkratern wie Mjølnir überein.“

Im Original:

The 3D seismic data provide compelling evidence for a hypervelocity impact origin for the Nadir Crater. The combination of structural and stratigraphic features and velocity data described above allow us to understand the 3D anatomy of this structure in detail. The crater depth to diameter ratio (1:40), central uplift diameter to crater diameter ratio (1:5), stratigraphic uplift to crater diameter ratio (1:22), and the structural characteristics of the stratigraphic uplift and annular moat are all consistent with observations from confirmed impact craters. The geomorphic characteristics of the contemporaneous seabed beyond the crater, including the large resurge scar (…), are also characteristic of marine craters. The increase in seismic velocity and assumed loss of porosity beneath the crater floor is consistent with that observed for sedimentary target and marine target craters such as Mjølnir.

Aus diesen Übereinstimmungen mit anderen, als Einschlagskrater bestätigten Kratern schließen die Autoren, nicht nur, dass Nadir auch ohne Nachweis per Gesteinsprobe als Einschlagkrater klassifiziert werden kann, sie sehen zudem die Möglichkeit, seismische Daten gezielt einzusetzen, um weitere Krater, die sich unter der Meeresoberfläche befinden, aufzufinden und als solche zu identifizieren.

Und wenn wir dann in der Zukunft eine Aufstellung wohl nicht aller, aber doch der meisten Einschlagkrater haben, dann wird uns vielleicht bewusst, wie fragil das Leben auf der Erde tatsächlich ist und dass „Menschen-machen-Klimawandel“, sofern es überhaupt ein Problem ist, eher ein sehr sehr kleines Problem ist … im Vergleich zu …


 

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