Sozialdemokraten und Liberale haben ein großes Herz, zeigt die Wählerstromanalyse zu Baden-Württembergs Landtagswahl. Warum sich das eigentliche Kopf-an-Kopf-Rennen nicht Cem Özedmir und Manuel Hagel lieferten, sondern SPD- und FDP-Wähler
Glückwunsch! Die Parteispitze aus Bärbel Bas und Lars Klingbeil sowie Generalsekretär Tim Klüssendorf gratuliert im Willy-Brandt-Haus dem Spitzenkandidaten der SPD Baden-Württemberg, Andreas Stoch (mit Blumen).
Foto: Metodi Popow/Imago
Uneigennützig handelnde FDP-Wähler (eigentlich ein Widerspruch in sich) haben ihre Partei geopfert, um einen CDU-Ministerpräsidenten zu ermöglichen. Denn 145.000 FDP-Wähler (von 508.429 FDP-Wählern bei der Landtagswahl 2021) wanderten laut Wählerstromanalyse von Infratest dimap bei der Baden-Württemberg-Wahl am vergangenen Sonntag zur CDU. Das sind immerhin 28,5 Prozent der bisherigen FDP-Wähler.
So viele Grüne wählten diesmal CDU
Ähnlich hilfsbereit waren die SPD-Wähler. Sie haben ihre Partei fast umgebracht, nur um im Ländle einen grünen Ministerpräsidenten zu ermöglichen. 100.000 SPD-Wähler (von 535.489 SPD-Wählern bei der Landtagswahl 2021) votierten diesmal für die Grünen. Das sind 18,7 Prozent der bisherigen SPD-Wähler.
Liberale und Sozialdemokraten scheinen also ein besonders großes Herz für andere zu haben.
Es kommt aber noch besser: Nicht alle bisherigen Grün-Wähler wollten, dass ihr Spitzenkandidat tatsächlich Ministerpräsident wird. 165.000 Grün-Wähler (von 1.623.156 Grün-Wählern bei der Landtagswahl 2021) machten ihr Kreuz diesmal bei der CDU. Das sind immerhin 10,1 Prozent der bisherigen Grün-Wähler.
So viele CDU-Wähler stimmten diesmal für die AfD in Baden-Württemberg
Nicht wesentlich anders war die Stimmung bei den bisherigen CDU-Wählern: Ein kleiner Teil von ihnen wollte verhindern, dass Spitzenkandidat Manuel Hagel Ministerpräsident wird. 80.000 CDU-Wähler (von 1.168.975 CDU-Wählern bei der Landtagswahl 2021) votierten diesmal für die AfD. Das sind 6,9 Prozent der bisherigen CDU-Wähler.
Das heißt: Das eigentliche Kopf-an-Kopf-Rennen in Baden-Württemberg haben die bisherigen FDP-und SPD-Wähler entschieden, weil sie in unnachahmlicher Konsequenz für die Kandidaten der politischen Konkurrenz stimmten. Da Grüne und CDU am Ende nur 27.312 Stimmen voneinander trennten, war die Wahlhilfe der untreuen SPD-Wähler letztlich ausschlaggebend. Nur aufgrund ihrer Hilfe kann Cem Özdemir Ministerpräsident werden. Der Wahlsieger vom vergangenen Sonntag ist die SPD!
Taktisch wählen? Macht immerhin die Wahlberichterstattung spannender
Nun sagt die Wählerwanderungsstatistik von Infratest dimap nichts darüber aus, ob die Wähler, die bei der Landtagswahl 2021 für Grüne, CDU, FDP oder SPD gestimmt haben, bei der Landtagswahl davor, also 2016, vielleicht andere Parteien gewählt haben. Da die Umfrageinstitute bei ihren Nachwahlbefragungen nur die letzte Wahlentscheidung erheben, sind solche Wählerstromanalysen nur bedingt aussagefähig. Auch erinnern sich manche Wechselwähler nicht richtig, was sie beim letzten Mal gewählt haben oder machen gezielt falsche Angaben.
Der neugierige, trotzige oder gar verzweifelte Versuch, es mal mit einer anderen Partei zu versuchen oder aus bestimmten Gründen (siehe oben) taktisch zu wählen, führt nicht unbedingt zu besseren Ergebnissen. Es macht die Wahlabende für die Freunde der „Horse-Racing“-Berichterstattung aber etwas spannender.
einen grünen Ministerpräsidenten zu ermöglichen. 100.000 SPD-Wähler (von 535.489 SPD-Wählern bei der Landtagswahl 2021) votierten diesmal für die Grünen. Das sind 18,7 Prozent der bisherigen SPD-Wähler.Liberale und Sozialdemokraten scheinen also ein besonders großes Herz für andere zu haben.Es kommt aber noch besser: Nicht alle bisherigen Grün-Wähler wollten, dass ihr Spitzenkandidat tatsächlich Ministerpräsident wird. 165.000 Grün-Wähler (von 1.623.156 Grün-Wählern bei der Landtagswahl 2021) machten ihr Kreuz diesmal bei der CDU. Das sind immerhin 10,1 Prozent der bisherigen Grün-Wähler.So viele CDU-Wähler stimmten diesmal für die AfD in Baden-WürttembergNicht wesentlich anders war die Stimmung bei den bisherigen CDU-Wählern: Ein kleiner Teil von ihnen wollte verhindern, dass Spitzenkandidat Manuel Hagel Ministerpräsident wird. 80.000 CDU-Wähler (von 1.168.975 CDU-Wählern bei der Landtagswahl 2021) votierten diesmal für die AfD. Das sind 6,9 Prozent der bisherigen CDU-Wähler.Das heißt: Das eigentliche Kopf-an-Kopf-Rennen in Baden-Württemberg haben die bisherigen FDP-und SPD-Wähler entschieden, weil sie in unnachahmlicher Konsequenz für die Kandidaten der politischen Konkurrenz stimmten. Da Grüne und CDU am Ende nur 27.312 Stimmen voneinander trennten, war die Wahlhilfe der untreuen SPD-Wähler letztlich ausschlaggebend. Nur aufgrund ihrer Hilfe kann Cem Özdemir Ministerpräsident werden. Der Wahlsieger vom vergangenen Sonntag ist die SPD!Taktisch wählen? Macht immerhin die Wahlberichterstattung spannenderNun sagt die Wählerwanderungsstatistik von Infratest dimap nichts darüber aus, ob die Wähler, die bei der Landtagswahl 2021 für Grüne, CDU, FDP oder SPD gestimmt haben, bei der Landtagswahl davor, also 2016, vielleicht andere Parteien gewählt haben. Da die Umfrageinstitute bei ihren Nachwahlbefragungen nur die letzte Wahlentscheidung erheben, sind solche Wählerstromanalysen nur bedingt aussagefähig. Auch erinnern sich manche Wechselwähler nicht richtig, was sie beim letzten Mal gewählt haben oder machen gezielt falsche Angaben.Der neugierige, trotzige oder gar verzweifelte Versuch, es mal mit einer anderen Partei zu versuchen oder aus bestimmten Gründen (siehe oben) taktisch zu wählen, führt nicht unbedingt zu besseren Ergebnissen. Es macht die Wahlabende für die Freunde der „Horse-Racing“-Berichterstattung aber etwas spannender.