In einer idealen Welt ist wissenschaftliche Forschung frei von Einflussnahme durch Personen von außerhalb der Wissenschaft, die ihre eigenen, meistens wirtschaftlichen Interessen, verfolgen und dementsprechend ein Interesse an bestimmten Forschungsfragen – aber bestimmten anderen nicht – oder an bestimmten Ergebnissen – aber bestimmten anderen nicht, haben.
Wie wir alle wissen, leben wir aber nicht in einer idealen Welt.
Wissenschaftliche Forschung muss finanziert werden; sie ist teuer und oft aufwändig, besonders in den Naturwissenschaften und in der Medizin, denn in diesen Bereichen sind mit der Forschung oft mehr oder weniger komplizierte und teure Apparaturen verbunden, und oft erfordert sie die Zusammenarbeit einer ganzen Reihe von Personen mit jeweils verschiedenen Expertisen. Die dementsprechend notwendigen finanziellen Mittel müssen irgendwo herkommen.
Sofern sie vom Steuerzahler kommen, hat er, also der Steuerzahler, gewöhnlich keine Mitsprache mit Bezug auf die Verwendung von Steuergeldern, die eine Regierung für wissenschaftliche Forschung bereitstellt; (besonders) wissenschaftlich gefördert wird häufig, was den Interessen oder Anliegen der Regierung entspricht, was ideologisch erwünscht ist oder was Lobbyisten bei der Regierung durchzusetzen möglich ist.
Die Förderung ideologiekonformer Aktivitäten in Verkleidung wissenschaftlicher Forschung wird gewöhnlich speziellen Organisationen übertragen, die zwischen Regierung bzw. staatlicher Verwaltung und wissenschaftlichen Einrichtungen stehen. In Deutschland ist dies allen voran die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die, statt finanzielle Mittel für wissenschaftliche Forschung von hoher Qualität bereitzustellten – und alles andere eben nicht – sich im Jahr 2008 auf sogenannte „forschungsorientierte Gleichstellungsstandards“ „selbst“-verpflichtet hat, „… um die Beteiligung von Frauen in der Wissenschaft auf allen Karrierestufen des deutschen Wissenschaftssystems zu erhöhen und die Thematik ‚Gleichstellung‘ auf Leitungsebene zu verankern“, so heißt es in einer von einem „Projektteam“ verfassten Papier mit dem Titel „Die Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards der DFG“ (2017: 8).
Solche politischen oder ideologischen Ziele sind in der DFG nun schon seit mehreren Jahrzehnten verankert, und noch im Juli 2025 hat die DFG beschlossen, Steuergelder in Höhe von 1,75 Millionen Euro zu verschwenden, indem sie das stark berlin-zentrierte Projekt „Fachinformationsdienst (FID) Geschlechterforschung / Gender Studies“ für „zunächst“ (!) drei Jahre (weiter-/)fördert, obwohl längst klar ist, dass „Gender Studies“ de facto keine wissenschaftliche Disziplin darstellen (s. hierzu die Beiträge in Schulze-Eisentraut & Ulfig 2019) und der Erkenntnisgewinn aus ihnen keinen angebbaren praktischen Nutzen für die Gesellschaft, d.h. den Steuerzahler hat, dessen von ihm selbst erwirtschaftetes Geld hier ausgegeben wird.
Man könnte meinen, dass der Schaden, der Bürgern durch diese ideologischen Projekte entsteht, rein materieller Art sei – aufgrund des verschwendeten Geldes, das man über sinnvolle Forschung hätte verwenden können – und er abgesehen hiervon weitgehend nicht vorhanden oder irrelevant sei. Aber dabei übersieht man, dass ideologische Projekte dieser Art in einer Gesellschaft mittel- oder langfristig Schaden anrichten kann, hier: dadurch, dass nicht mehr garantiert ist, dass die Besten in der Wissenschaft tätig sind, weil bei Förderung und Beschäftigung von wissenschaftlichem Personal nun wissenschaftsfremde Kriterien wissenschaftsrelevanten Kriterien beigeordnet oder – schlimmer – übergeordnet werden.
Einflussnahme auf das, was wissenschaftliche Forschung sein soll, durch Personen oder Organisationen außerhalb der Wissenschaft (wenn auch nicht immer außerhalb von wissenschaftlichen Einrichtungen!) sind also nicht nur ein Problem für die Naturwissenschaften und die Medizin – auch, wenn der Schaden, der Menschen entstehen kann, wenn z. B. im Bereich der Medizin, Forschung direkt oder in Form von vorauseilendem Gehorsam auf Seiten derer, die forschen sollen von denjenigen beeinflusst wird, die aus bestimmter Forschung oder bestimmten Ergebnissen materiellen Nutzen ziehen wollen, gewöhnlich schneller und deutlicher erkennbar wird als Schaden, der in den Sozialwissenschaften angerichtet werden kann.
Dabei hat sich bei jeder Fachzeitschrift, die den Anspruch eine wissenschafliche Fachzeitschrift zu sein, (insbesondere, aber nicht nur im Bereich der Naturwissenschaft und der Medizin) inzwischen die Praxis etabliert, nach der Autoren Verbindungen zu den jeweils für sie relevanten Industrien oder außerwissenschaftlichen Einrichtungen, mit denen die Autoren oder ggf. einer der Autoren eine Interessenkollusion haben könnte, (auf die eine oder andere Weise) identifizieren müssen. Es scheint allerdings, dass dies eher eine formale Übung ist als dass es Konsequenzen für die Würdigung der veröffentlichten Studien oder Ergebnisse hat.
So haben Sumner et al. (2021) 1.240 Fachartikel aus den Jahren 2011 und 2015, in denen über Studien und Ergebnisse im Bereich von Gesundheit, Psychologie und Neurowissenschaft berichtet wurde, die mit diesen Studien verbundenen Pressemitteilungen und Berichte in der populären Presse verglichen und festgestellt, dass die Informationen über Finanzierungsquellen und über Interessenkonflikte oder Interessenkollisionen, die die Autoren den veröffentlichten Texten beigegeben hatten, in den mit diesen Texten verbundenen Pressemitteilungen und Berichten in der populären Presse (die ihrerseits gewöhnlich auf Pressemitteilungen zurückgehen) in der Regel „verloren gegangen“ sind:
„In unserer Analyse der Artikel in Fachzeitschriften aus dem Jahr 2011 wurde die Finanzierung in 94% … der Zeitschriftenartikel, 29% … der Pressemitteilungen und 9% … der Nachrichten [über die entsprechenden Studien in der populären Presse] angegeben. Die entsprechenden Zahlen für 2015 waren: 84% …, 52% … und 10%“ (Sumner et al. 2021: 1 von 6).
Im Original:
„In our 2011 cohort, funding was reported in 94% … of journal articles, 29% … of press releases and 9% … of news. The corresponding figures for 2015 were: 84% …, 52% … and 10% … (Sumner et al. 2021: 1 von 6).
Der Leser von Pressemitteilungen und Berichten aus den Jahren 2011 und 2015 über Forschungen bzw. Forschungsergebnisse in den berücksichtigten Disziplinen hatte also nur eine vergleichsweise geringe Chance, etwas über die Finanzierungsquellen, Interessenkonflikte oder Interessenkollisionen, die die Autoren in den Fachzeitschriftenbeiträgen angaben, zu erfahren. Und weil man nicht in Rechnung stellen kann, was man nicht weiß, war es ihnen dementsprechend in den bei Weitem meisten Fällen nicht möglich, die Forschungsfrage und die Forschungsergebisse vor dem Hintergrund vielleicht bestehender Finanzierungsquellen, Interessenkonflikte oder Interessenkollisionen zu würdigen. Dass dem so ist, ist in dieser Studie vorrangig von den Mitarbeitern in Presseabteilungen und Journalisten zu verantworten. Die Frage, inwieweit die Autoren ihre Finanzierungsquellen, Interessenkonflikte oder Interessenkollisionen überhaupt oder vollumfänglich angegen, haben die Autoren dieser Studie nicht untersucht.
In einer Studie, die als Vorab-Druck am 19. Januar 2026 auf arXiv.org veöffentlicht wurden, haben Joseph Bal-Coleman, Jevin West, Cailin O’Connor und Carl T. Bengtström aber genau diese Frage untersucht, und zwar mit Bezug auf die Autoren von Beiträgen über soziale Medien in Fachzeitschriften. Sie stellen die Frage:
„To what extent is social media research independent from industry influence?“:
Inwieweit ist die Forschung über soziale Medien unabhängig vom Einfluss der [entsprechenden] Industrie?
Um diese Frage zu beantworten, haben die Autoren Science, Nature, die Proceedings of the National Academy of Science und die jeweils mit ihnen verbundenen Fachzeitschriften wie z.B. Science Advances und Nature Communication nach Beiträgen durchforstet, die Forschung über soziale Medien zum Gegenstand hat und nach 2010 veröffentlicht wurden. Bal-Coleman und Kollegen konnten auf diese Weise 295 Beiträge, verfasst von 1210 Autoren, identifizieren. Die Beiträge wurden zusammengenommen 531.120mal zitiert, was einer durchschnittlichen Zitierungshäufigkeit jedes Beitrages von 180 entspricht. Es handelt sich also, wie die Autoren festhalten, um einen vergleichsweise kleinen Korpus von Beiträgen, der jedoch angesichts der Zitierungshäufigkeit einflussreich ist, auch außerhalb der wissenschaftlichen Fachwelt:
„„In der Öffentlichkeit wurde die Literatur in unserem Korpus in 15.708 Nachrichtenartikeln erwähnt, was zu 100.863 Erwähnungen in den sozialen Medien führte. Beiträge in unserem Korpus wurden 418mal auf Wikipedia erwähnt, und in 745 Grundsatzdokumenten wurden sie genannt oder erwähnt. Auch die Autoren des Korpus sind mit insgesamt 7,1 Millionen Zitaten einflussreich. Daher spielen die hier untersuchten Forschungsarbeiten und Forscher wahrscheinlich eine übergroße Rolle dabei, die Ausrichtung des Fachgebiets und ein umfassenderes Verständnis von sozialen Medien zu prägen“ (Bak-Coleman et al. 2026: 2 von 11).
Im Original:
„Among the public, the literature in our corpus has been mentioned in 15708 news articles, resulting in 100863 mentions on social media. This body of work has been mentioned 418 times on Wikipedia and has been referenced in 745 policy documents. The authors within the corpus are influential as well, with a cumulative 7.1 million citations. As such, the research and researchers examined here likely play an out-sized role in shaping the direction of the field, and broader understandings of social media“ (Bak-Coleman et al. 2026: 2 von 11).
Um die Verbindung zwischen Autoren und soziale Medien-Industrie festzustellen, sind die Autoren wie folgt vorgegangen:
„Für jeden Autor haben wir jedes Jahr identifiziert, in dem er von einem von vier Technologieunternehmen, die eine oder mehrere Social-Media-Plattformen besitzen und betreiben, Fördermittel erhielt, mit Mitarbeitern zusammenarbeitete oder bei diesem beschäftigt war: Meta, X, Google und Microsoft … Wir haben diese Zusammenhänge anhand von Daten von OpenAlex sowie durch von der Industrie angekündigte RFPs [requests for proposals, d.h. Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen] und Stipendien identifiziert. Wir haben jede Finanzierungs- und Beschäftigungsverbindung manuell anhand von Quellen validiert, die unabhängig von OpenAlex sind. Einzelheiten finden Sie in unseren ergänzenden Informationen … Wir bezeichnen diese Branchenverbindungen durchgehend als ‚offenzulegende Verbindungen‘, da wir sie dadurch von konkurrierenden Interessen unterscheiden können, die möglicherweise umfassender sind. Wir haben einen Artikel als Artikel mit offenlegbarem Bezug eingestuft, wenn mindestens einer der Autoren innerhalb des von der Zeitschrift festgelegten Zeitraums für konkurrierende Interessen eine festgestellte Verbindung zur Industrie hatte: drei Jahre für Nature, vier Jahre für PNAS und fünf Jahre für Science … Wir halten fest, dass nach dieser Definition die Finanzierung durch ein Unternehmen als offenlegbare Verbindung angesehen wird, unabhängig davon, ob diese Firmen-Plattform im Papier ausdrücklich erwähnt wird … Um schließlich beurteilen zu können, ob Zeitschriftenherausgeber offenlegbare Interessen hatten, haben wir die oben genannten Erkennungsmethoden angewendet und außerdem ihre öffentlich zugänglichen Lebensläufe, sofern verfügbar, untersucht“ (Bak-Coleman et al. 2026: 2 von 11).
Im Original:
„For each author, we identified any year in which they received funding from, collaborated with employees of, or were employed by one of four technology companies that own and operate one or more social media platforms: Meta, X, Google, and Microsoft … We identified these ties using data from OpenAlex as well as through industry-announced RFPs [requests for proposals] and fellowships. We manually validated every funding and employment tie using sources independent from OpenAlex. Details can be found in our supplement … We refer to these industry links as ‚disclosable ties‘ throughout, as it enables us to distinguish them from competing interests, which may be more expansive. We categorized an article as possessing a disclosable tie if at least one of the authors had a detected connection to industry within the journal’s specified period for competing interests: three years for Nature, four years for PNAS, and five years for Science … We note that under this definition, funding from one firm would be considered a disclosable tie regardless of whether that firms’ platform is explicitly mentioned in the paper … Finally, to evaluate whether journal editors had disclosable interests, we applied the detection methods above and further examined their publicly posted CVs when available“ (Bak-Coleman et al. 2026: 2 von 11).
Die Hauptergebnisse der Analyse dieser Daten sind, dass
Bak-Coleman und Kollegen ‚offenzulegende Verbindungen‘ für 49% der veröffentlichten Artikel feststellten, aber die Mehrheit dieser Verbindungen in den veröffentlichten Artikeln unerwähnt bleiben,
von den 227 Veröffentlichungen in der Stichprobe, in denen die jeweiligen Autoren explizit behaupteten, keine Interessenkonflikte zu haben, konnten Bak-Coleman und Kollegen für 42% von ihnen feststellen, dass eben doch welche in Form von ‚offenzulegende Verbindungen‘ zur Soziale Medien-Industrie bestanden,
nicht offengelegte Verbindungen zur Industrie nicht nur unter Autoren, sondern auch unter Gutachtern und Herausgebern, die bei den Fachzeitschriften eingereichten Manuskripte begutachten und deren Qualität einschätzen sollen, verbreitet sind, und dass
in den Artikeln berichtete Forschung, die Verbindungen zur Industrie aufweist, mehr Beachtung in der Wissenschaft, unter politischen Entscheidungsträgern, in sozialen Medien und in den Nachrichten fand als Forschung, die keine solchen Verbindungen aufweist (Bak-Coleman et al. 2026: 3 von 11).
Es sei ergänzt, dass
„Verbindungen zu Meta […] bei den Autoren in unserem [Text-]Korpus [von veröffentlichten Fachzeitschriftenartiklen] am häufigsten [waren] (mit 14% …). Google (8% …) und Microsoft (6% …) lagen dahinter zurück, und nur sehr wenige Autoren hatten Verbindungen zu X (1% …). Schließlich arbeiteten 7 % … der Autoren mit mehr als einem Unternehmen zusammen“.
Im Original:
„[t]ies to Meta were most common among authors in our corpus (14% …). Google (8% …) and Microsoft (6% …) trailed behind, and very few authors had connections to X (1% …). Finally, 7 % … of authors engaged with more than one firm“ (Bak-Coleman et al. 2026: 3 von 11).
Nun könnte man einwenden, dass dies alles unproblematisch sei, solange es sich nicht auf die Inhalte der veröffentlichten Texte auswirke, und noch zu zeigen sei, dass es sich tatsächlich auf die Inhalte der veröffentlichten Texte auswirkt. Bar-Coleman und Kollegen haben allerdings Hinweise darauf gefunden, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen Verbindungen zur Soziale Medien-Industrie und einem thematischen Fokus von Texten, der die Aufmerksamkeit von den Betreibern von Soziale Medien-Plattformen weg und hin auf die Nutzer lenkt:
„Mit Bezug auf die Forschung über soziale Medien besteht eine Sorge darin, dass die Industrie die Aufmerksamkeit auf andere potenzielle Schadensursachen [als die eigenen Praktiken] lenkt, die durch ihre Plattformen entstehen, insbesondere indem sie sich auf Benutzerentscheidungen und nicht auf algorithmische oder Plattformdesigneffekte konzentriert … Wir stellen besonders viele Branchenverbindungen in dem Cluster von [thematischer] Forschung fest, das sich auf den Austausch von Fehlinformationen konzentriert. Im Gegensatz dazu sind Branchenverbindungen im [thematischen] Cluster, das die Plattformdynamik behandelt, spärlich. In einer ergänzenden Analyse untersuchten wir die relativen Worthäufigkeiten innerhalb von Zusammenfassungen [der Artikelinhalte] und stellten fest, dass die Community mit stärkeren Verbindungen zur Industrie dazu neigte, sich mehr auf Experimente zu konzentrieren, bei denen Menschen falsche Schlagzeilen teilten … Obwohl wir nicht definitiv nachweisen können, dass die Industriefinanzierung in diesem Bereich die Aufmerksamkeit von Produkten weg und auf die Verbraucher hin lenkt, stimmen unsere Ergebnisse mit dieser Möglichkeit überein. Besonders bemerkenswert ist, dass die Forschung zur Plattformdynamik –die wahrscheinlich potenzielle Schäden durch Plattformen selbst aufdecken dürfte – von der Industrie unterfinanziert wird“.
Im Original:
„In the case of social media research, one worry is that industry directs attention to other potential causes of harms created by their platforms, especially by focusing on user choices rather than algorithmic or platform design effects … We find an over-abundance of industry connection in the cluster of research focused on misinformation sharing. By contrast, industry connections are sparse in the the cluster related to platform dynamics. In a supplemental analysis we examined relative word frequencies within abstracts and found that the community with stronger ties to industry tended to focus on more on experiments related to people sharing false news headline … While we cannot definitively show that industry funding in this area is redirecting attention from products to consumers, our results are consistent with this possibility. It is especially notable that research into platform dynamics – which should be likely to reveal potential harms from platforms themselves – is underfunded by industry“ (Bar-Coleman et al. 2026: 7-8 von 11).
Und weil
„… the total sum of public engagement is considerably larger for the misinformation sharing topic …“ (Bar-Coleman et al. 2026: 8 von 11)
ist, Arbeiten, die sich auf das Teilen von Misinformation in sozialen Medien durch die Nutzer beziehen, deutlicher häufiger in der nicht-wissenschaftlichen Öffentlichkeit (Nachrichten, politische Entscheider etc.) rezipiert werden als Arbeiten über soziale Medien, die andere Themen bearbeiten, vermuten Bar-Coleman und Kollegen, dass sich die Verbindungen zwischen Industrie und Autoren, Gutachtern oder Herausgebern übertragen in die Setzung von Themenschwerpunkten in der Öffentlichkeit und die Lenkung der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in eine Richtung, die der Industrie genehm ist.
In jedem Fall halten die Autoren es für angebracht, dass die Regelungen mit Bezug auf die Offenlegung von Verbindungen zur Industrie bzw. zu Interessenkollisionen oder –konflikten gestärkt werden müssen, z.B. dahingehend, dass unterschlagene Verbindungen zur Industrie bzw. zu Interessenkollisionen oder –konflikten in der vorliegenden Literatur benannt und entsprechende Korrekturen angebracht werden, und dass von formelhaften, pauschalen Erklärungen über das Nicht-Vorhandensein von Interessenkonflikten zu differenzierteren Erklärungen übergegangen wird, die die Aspekte von finanzieller Förderung durch die Industrie, Zusammenarbeit mit der Industrie und Anstellungsverhältnisse in der Industrie unterscheiden, so dass sich Autoren zu jedem dieser Aspekte einzeln erklären müssen (Bar-Coleman et al. 2016: 8 von 11) wie die Autoren das am Ende ihres Artikels übrigens selbst beispielhaft vorexerzieren.
Und es gibt keinen vernünftigen Grund, warum das, was für die Forschung über soziale Medien gilt, nicht auf andere sozialwissenschaftliche Forschungsbereiche übertragen werden könnte oder sollte ….
Man mag versucht sein, den Wissenschaftsbetrieb angesichts der Vielzahl partikularer, oft, aber durchaus nicht immer, finanzieller Interessen, die ihn dominieren, weitgehend abzuschreiben. Aber die Tatsache, dass es Arbeiten wie die von Sumner et al. und von Bar-Coleman et al. gibt, dass solche Forschungen möglich sind, durchgeführt werden und das Licht der Öffentlichkeit erblicken, zeigt, dass es nach wie vor kritisches Potenzial in der Wissenschaft nicht nur gibt, sondern es auch zur Geltung kommt, oder anders gesagt: Zensur und Selbstzensur letztlich nicht über den Willen zur Wissenschaft triumphieren können.
Literatur
Bal-Coleman, Joseph, West, Jevin, O’Connor, Cailin, & Bengtström, Carl T., 2026: Industry Influence in High-profile Social Media Research. arXiv: 2601.11507v1. https://doi.org/10.48550/arXiv.2601.11507
Schulze-Eisentraut, Harald, & Ulfig, Alexander (Hrsg.), 2019: Gender Studies – Wissenschaft der Ideologuie? Baden-Baden: Deutscher Wissenschaftsverlag.
Sumner, Petroc, Schwartz, Lisa, Woloshin, Steven, et al., 2021: Disclosure of Study Funding and Author Conflicts of Interest in Press Releases and the News: a Retrospective Content Analysis with Two Cohorts. BMJ Open 2021;11: e041385. doi:10.1136/ bmjopen-2020-041385
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