Im kolumbianischen Karibikküstenort Santa Marta treffen sich kommende Woche Regierungsvertreter aus mehr als 50 Ländern zur ersten internationalen Konferenz für einen Ausstieg aus den Fossilen.

Einige ehrgeizige Staaten wollen vorangehen, um eine klimafreundliche Transformation zu erreichen. Das mehrtägige Treffen ist auch eine Reaktion auf die zähen und langwierigen Verhandlungen auf UN-Ebene.

Es geht um Erdöl, Kohle, Gas

Die gegenwärtigen Sorgen wegen der unsicheren Energieversorgung könnten den Gesprächen der Regierungsvertreter am 28. und 29. April zusätzlichen Schwung geben. Bereits vom 24. bis zum 27. April diskutieren in Santa Marta Vertreter der Zivilgesellschaft über Wege raus aus der Abhängigkeit von Kohle, Erdöl und Erdgas.

Kolumbien, das selbst über einen großen Erdölsektor verfügt, richtet die Konferenz gemeinsam mit den Niederlanden aus. Die Teilnehmerländer machen zusammen ein Fünftel der globalen Produktion von fossilen Energieträgern aus sowie knapp ein Drittel des globalen Konsums.

Deutschland schickt Staatssekretär Flasbarth

Es nehmen sowohl wohlhabende Kohle-, Öl- und Gas-Förderländer wie Australien, Kanada und Norwegen als auch Entwicklungs- und Schwellenländer mit Ölvorkommen wie Angola, Mexiko und Brasilien teil. Auch einige stark von Kohle abhängige Staaten wie die Türkei sind dabei.

Es reisen Regierungsvertreter kleiner Inselstaaten sowie von Wirtschafts-Schwergewichten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien an.

Statt eines Ministers schickt die Bundesregierung Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth. Überhaupt nicht vertreten in Santa Marta sind die weltgrößten Produzenten fossiler Energieträger wie die USA, China, Saudi-Arabien und Russland.

Ein Treffen, um große Öl-Staaten zu umgehen

Der Gründer der Denkfabrik Climate Analytics, Bill Hare, hat Zweifel, ob die sehr unterschiedlichen Teilnehmerstaaten zu guten Ergebnissen kommen. Je „weiter gestreut die Interessen sind, desto geringer sind die Chancen auf ein klares Ergebnis“, sagt er.

Kolumbiens Umweltministerin Irene Vélez Torres hält dem entgegen, dass es ein „großer Schritt voran“ sei, dass nun auch Öl-Staaten über das „Tabu“ Ausstieg aus den Fossilen sprächen.

Einige sehen in der Konferenz außerdem einen Weg, den oftmals von großen Öl-Staaten blockierten Verhandlungsprozess bei den UN-Klimakonferenzen zu umgehen. „Ich denke, das Treffen in Santa Marta ist längst überfällig“, sagt dazu Maina Talia, Umweltminister des Inselstaates Tuvalu.

Konkrete Beschlüsse sind von der Konferenz in Santa Marta nicht zu erwarten.

2023 beschloss die UN-Klimakonferenz den Übergang zu anderen Energiesystemen

Bei der UN-Klimakonferenz 2023 in Dubai hatten sich die über 190 Teilnehmerstaaten zu einem „Übergang weg von fossilen Energieträgern in den Energiesystemen“ bekannt. Danach tat sich allerdings wenig, um diesen Beschluss mit Leben zu füllen.

In klimafreundliche Energien wird weltweit zwar etwa doppelt so viel investiert wie in fossile Energieträger, die Treibhausgasemissionen durch Kohle, Öl und Gas erreichten 2025 dennoch ein neues Rekordhoch. Bei der UN-Klimakonferenz im November im brasilianischen Bélem konnten sich die Verhandler nicht einmal auf eine explizite Erwähnung der Fossilen in ihrem Abschlussdokument einigen.

Germanwatch: Deutschland eher Mitläufer als Vorreiter

Darum versucht eine kleinere Gruppe von Staaten nun voranzugehen. Deutschland sei in diesem Prozess weniger Vorreiter als „Mitläufer“, sagt der Germanwatch-Klimaexperte Lutz Weischer.

Dies wurde auch bei der Rede von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Mittwoch beim Petersberger Klimadialog deutlich. Zwar bekannte er sich grundsätzlich zu dem Ziel, die Treibhausgasemissionen zu senken, betonte aber zugleich, Klimaschutz dürfe nicht die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und „die industrielle Basis unserer Länder gefährden“.

Weischer mahnt, angesichts der gegenwärtigen Energiekrise infolge des Irankriegs müsse nun „die Politik endlich die richtigen Lehren ziehen“. Statt wegen der gegenwärtigen Probleme bei den Erdöllieferungen wieder verstärkt auf Kohle zu setzen, seien stärkere Investitionen in erneuerbare Energien nötig, um „das fossile Zeitalter hinter uns lassen“.  (afp/red)



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