Vier Wochen nach Kriegsbeginn setzen Israel und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe fort. Gleichzeitig kamen auf Einladung Pakistans die Außenminister Saudi-Arabiens, Ägyptens und der Türkei zu zweitägigen Gesprächen nach Islamabad. Sie beraten über eine mögliche Deeskalation des Krieges. Pakistan tauscht Botschaften zwischen den USA und dem Iran aus.

Trumps neue Frist für ein Abkommen zur Beendigung des Krieges läuft am 7. April um 2:00 Uhr MESZ ab – anderenfalls drohen US-Angriffe auf Irans Energiesektor.

Das israelische Militär will laut einem Sprechers die iranische Waffenproduktion „in wenigen Tagen“ weitgehend zerstört haben. Unterdessen dauern die iranischen Gegenangriffe auch in anderen Ländern der Region an. Mehrere Golfstaaten meldeten erneut Schäden.

 

 

Die Entwicklungen im Nahen Osten vom 30. März:

 

Iran bestätigt Tod des Marinekommandanten der Revolutionsgarden

Der Iran hat den Tod des Kommandeurs der Marine der Revolutionsgarden, Alireza Tangsiri, bestätigt.

In einer von der Nachrichtenagentur „IRNA“ verbreiteten Erklärung der Revolutionsgarden hieß es, Tangsiri sei aufgrund der Schwere seiner Verletzungen gestorben.

Letzte Woche sagte Israels Verteidigungsminister Israel Katz, dass der Kommandeur zusammen mit anderen Offiziellen bei einer „präzisen und tödlichen Operation“ der israelischen Armee getötet worden sei.

IAEA: Forschungsreaktor beschädigt

Der iranische Forschungsreaktor Chondab wurde nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde durch einen Beschuss stark beschädigt. Der früher Arak genannte Schwerwasserreaktor sei nicht mehr betriebsfähig, erklärte die Behörde mit Sitz in Wien auf der Plattform X.

Sie berief sich dabei unter anderem auf Satellitenbilder und eigene Kenntnisse der Einrichtung. Die Anlage enthalte kein deklariertes Nuklearmaterial. Der Iran habe den Beschuss des Reaktors am 27. März gemeldet, hieß es.

Israels Militär hatte am gleichen Tag bekannt gegeben, es habe einen Angriff auf eine Schwerwasseranlage im Landesinneren in der Region von Arak ausgeführt. Der Standort sei eine „zentrale Plutonium-Produktionsstätte für Atomwaffen“, hieß es weiter.

Ägypten setzt auf Energiesparmaßnahmen

Der weltweite Anstieg der Energiepreise hat die Importkosten für das Ägypten erheblich erhöht. Das sagt der ägyptische Ministerpräsident Mostafa Madbouly. Die Ausgaben hätten sich von 1,2 Milliarden Dollar im Januar auf 2,5 Milliarden Dollar im März mehr als verdoppelt.

Die Regierung setzt auf verschiedene Maßnahmen, um die Kosten zu verringern. Dazu gehören bisher:

  • Geschäfte, Cafés, Basare und Einkaufszentren schließen früher – um 21 Uhr an Wochentagen und 22 Uhr an Wochenenden
  • Straßenbeleuchtung wird reduziert, beleuchtete Werbetafeln abgeschaltet
  • Viele Regierungsgebäude schließen bereits am 18 Uhr
  • Für Teile der Beamten gilt Homeoffice
  • Der staatliche Kraftstoffverbrauch soll reduziert werden

Trump: Iran hatte einen Regimewechsel

„Wir haben einen Regimewechsel gehabt“, sagte US-Präsident Donald Trump am 29. März vor Journalisten an Bord der Air Force One. Seine Regierung habe es bei Gesprächen mit der iranischen Führung „mit anderen Leuten zu tun als mit denen, mit denen jemals zuvor jemand zu tun hatte“.

Die Regierung in Teheran sei „eine ganze andere Gruppe von Leuten“, sagte der US-Präsident. „Daher würde ich das als Regimewechsel betrachten.“ Zugleich deutete Trump erneut ein baldiges Abkommen mit Teheran über eine Beendigung des Krieges an. „Ich denke, wir werden ein Abkommen mit ihnen schließen, ich bin mir fast sicher“, sagte er.

Teheran habe zugestimmt, seine Blockade der strategisch und wirtschaftlich wichtigen Straße von Hormus zu lockern, teilte Trump mit. Die iranische Führung erlaube 20 Öltankern die Durchfahrt durch die Meerenge. „Das beginnt morgen früh, für die nächsten Tage“, sagte Trump.

„Um ehrlich zu sein, am liebsten würde ich mir das Öl im Iran nehmen“, wurde Trump von der britischen Zeitung „Financial Times“ zitiert. Auf die Frage, ob in den kommenden Tagen ein Waffenruheabkommen erzielt werden könne, das die für den globalen Öl- und Gastransport wichtige Straße von Hormus wieder öffnen würde, lehnte Trump es dem Bericht zufolge ab, konkrete Details zu nennen.

„Wir haben noch etwa 3.000 Ziele übrig – wir haben 13.000 Ziele bombardiert – und noch ein paar Tausend Ziele vor uns“, wurde er zitiert. „Ein Abkommen könnte ziemlich schnell zustande kommen“, meinte er demnach.

Iranische Stahlwerke angegriffen

Israel hat am Wochenende iranische Stahlwerke in Isfahan und in Histan angegriffen, die Produktion wurde zwecks Schadensbewertung gestoppt. Das berichtet Epoch Israel.
Der Iran dominiert die Stahlproduktion im Nahen Osten und produziert weltweit etwa 31,8 Millionen Tonnen Rohstahl. Dabei setzt das Land auf den Einsatz von Erdgas. Global betrachtet liegt Teheran an 10. Stelle der Produzenten.

Die iranische Stahlindustrie wird als dual-use-Prduktion angesehen. Sie dient einerseits über den Export der Finanzierung und andererseits durch die Produktion als direkte Unterstützung des Militärs.

Golfstaaten erneut unter Beschuss

Das Energieministerium in Kuwait meldete in der Nacht auf der Plattform X Schäden an einem Nebengebäude eines Stromkraftwerks und einer Entsalzungsanlage. Ein indischer Arbeiter sei ums Leben gekommen.

Die Luftabwehr Saudi-Arabiens fing laut Verteidigungsministerium fünf ballistische Raketen ab. Auch Bahrain, Jordanien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate fingen laut dem arabischen Sender „AlJazeera“ Drohnen und Raketen ab.

Berlin, Paris, Rom und London besorgt über israelische Pläne für Todesstrafe

Die Bundesregierung sowie die Regierungen von Großbritannien, Frankreich und Italien haben sich „zutiefst besorgt“ über ein israelisches Gesetzesvorhaben zur Ausweitung der Todesstrafe geäußert.

Laut dem Gesetzentwurf droht künftig jedem die Todesstrafe, „der absichtlich oder durch Gleichgültigkeit den Tod eines israelischen Bürgers aus rassistischen Motiven oder aus Feindseligkeit gegenüber einer Gemeinschaft verursacht, um dem Staat Israel und dem Wiederaufblühen des jüdischen Volkes in seinem Land zu schaden“. Damit würde einem Palästinenser, der einen Israeli tötet, die Hinrichtung drohen – nicht aber einem Israeli, der einen Palästinenser tötet.

Besonders beunruhigend sei der „faktisch diskriminierende Charakter“ des Gesetzentwurfs, so die Außenminister der vier Staaten in einer gemeinsamen Erklärung. Die in den kommenden Tagen geplante Verabschiedung des Gesetzes im Parlament drohe „Israels Bekenntnis zu demokratischen Prinzipien zu untergraben“.

Die Minister appellierten an die Parlamentsabgeordneten und die israelische Regierung, das Gesetzesvorhaben zurückzunehmen. Die Todesstrafe sei eine „unmenschliche und erniedrigende Form der Bestrafung ohne abschreckende Wirkung“, betonten sie. Auch der Generalsekretär des Europarats, Alain Berset, appellierte an das israelische Parlament, den Gesetzentwurf nicht zu verabschieden.

Israel erhöht Militärausgaben

Das israelische Parlament hat einen milliardenschweren Haushalt für das Jahr 2026 mit stark erhöhten Verteidigungsausgaben verabschiedet. Der Etat in Höhe von 850 Milliarden Schekel (235 Milliarden Euro) passierte die Knesset am frühen Montagmorgen mit 62 zu 55 Stimmen.

Die Verteidigungsausgaben werden angesichts des Krieges um umgerechnet rund 8,3 Milliarden Euro auf insgesamt 39 Milliarden Euro erhöht, teilt das Parlament mit.

Die Abstimmung wandte einen automatischen Sturz der Regierung und Neuwahlen ab. Die wären nach israelischem Recht fällig geworden, wenn der Haushalt nicht bis Ende März verabschiedet worden wäre.

Nach Gewalt gegen Journalisten: Reservebataillon vom Dienst suspendiert

Nach Gewalt israelischer Soldaten gegen Journalisten des US-Fernsehsenders CNN im Westjordanland hat die Armeeführung ein ganzes Reservebataillon vom Dienst suspendiert. Das Bataillon werde einem Prozess zur Stärkung seiner „fachlichen und ethischen Grundlagen“ unterzogen, teilte das Militär in der Nacht mit.

Ein CNN-Team hatte die Folgen eines Angriffs israelischer Siedler und die Errichtung eines illegalen Außenpostens dokumentieren wollen, als sie nach eigenen Angaben von israelischen Soldaten angegriffen und gewaltsam festgesetzt worden waren.

CNN filmte den Vorfall. Korrespondent Jeremy Diamond schrieb auf X, die Soldaten hätten einen Fotografen angegriffen und sein Team festgehalten. Laut dem internationalen Presseverband Foreign Press Association hatten sich die Journalisten deutlich ausgewiesen. Die Soldaten hätten wiederholt versucht, die Aufnahmen zu verhindern. Einer der israelischen Soldaten habe daraufhin einen CNN-Journalisten in den Würgegriff genommen, ihn zu Boden geworfen und seine Kamera beschädigt.

Der Verband sprach von einem direkten Angriff auf die Pressefreiheit. Die israelische Armeeführung leitete eine Untersuchung zu dem Vorfall ein. Die beispiellose Suspendierung eines ganzen Bataillons solle als Abschreckung unter den Soldaten dienen, schrieb das israelische Nachrichtenportal ynet. Die Soldaten des Bataillons seien „schockiert über die Kollektivstrafe“ gewesen. Eine solche Einheit umfasst in aller Regel mehrere Hundert Soldaten.

American University in Beirut setzt Präsenzunterricht aus

Nach Drohungen Teherans gegen US-Universitäten in der Golfregion hat die American University in der libanesischen Hauptstadt Beirut den Präsenzunterricht für zwei Tage ausgesetzt. Die Arbeit werde am 30. und 31. März vollständig online stattfinden, auch Lehrveranstaltungen und Prüfungen. Die American University in Beirut ist eine der bedeutendsten US-Institutionen in der Region.

In Jordanien ergriff die American University in Madaba, rund 35 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Amman, ähnliche Maßnahmen. Die Hochschule erklärte, der Unterricht werde bis zum 2. April online abgehalten werden. Die iranischen Revolutionsgarden hatten mit Angriffen auf US-Universitäten in der Golfregion gedroht.

Mehrere US-Universitäten haben regionale Zweigstellen in der Golfregion, darunter die Texas A&M University in Katar und die New York University in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Bei Luftangriffen auf Teheran in der Nacht vom 27. zum 28. März war Medienberichten zufolge unter anderem die technische Universität getroffen worden. Gebäude wären beschädigt, es gebe keine Opfer.

Neue schriftliche Botschaft von Modschtaba Chamenei

Modschtaba Chamenei hat sich mit einer weiteren schriftlichen Botschaft an die Bevölkerung gewandt. Darin danke der neue oberste Führer den Iranern für ihre Unterstützung im Krieg gegen die USA und Israel, berichteten die Staatsmedien.

Seit seiner Ernennung ist Modschtaba Chamenei bislang nicht öffentlich aufgetreten und hat nur wenige schriftliche Erklärungen abgegeben. Diese Tatsache hat Spekulationen über seinen Gesundheitszustand und Aufenthaltsort ausgelöst. Laut dem Staatsfernsehen erholt er sich von den Folgen des Luftangriffs, bei dem sein Vater am 28. Februar getötet wurde.

US-Präsident Donald Trump hatte vor wenigen Tagen gesagt, Washington führe Verhandlungen mit einer „hohen Person“ im Iran, bei der es sich jedoch nicht um den obersten Führer handele. „Wir haben nichts von dem Sohn gehört“, sagte Trump, „wir wissen nicht einmal, ob er lebt.“

Die iranischen Staatsmedien veröffentlichen regelmäßig Aufnahmen des 56-Jährigen – ohne anzugeben, ob es sich um aktuelle Bilder handelt.

Indonesischer Blauhelmsoldat getötet

Ein indonesischer Blauhelm-Soldat ist im Libanon durch ein Projektil getötet worden. Das teilte das indonesische Außenministerium mit.

Der Vorfall ereignete sich am Sonntag in der Nähe der Stadt Adchit al-Qusayr, als ein Projektil in der Nähe einer UN-Position explodierte. Drei weitere indonesische Soldaten wurden verletzt.

Die UN-Mission UNIFIL erklärte, dass die Herkunft des Projektils unbekannt sei und eine Untersuchung eingeleitet wurde, um die Umstände des Vorfalls zu klären. Indonesien verurteilte den Angriff scharf und forderte Aufklärung. Die Sicherheit der UN-Friedenstruppen müsse jederzeit gewährleistet sein.

Weiteres Vorgehen gegen die Hisbollah im Süden Libanons

Derweil wies Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Armee an, weiter im Süden des Libanons vorzudringen. Bei einer Lagebesprechung im Norden sagte er, er habe jetzt angeordnet, den von ihm so bezeichneten „bestehenden Sicherheitsstreifen“ weiter auszudehnen.

Damit solle die Bedrohung durch die Hisbollah-Miliz und der Abschuss von Raketen aus diesem Gebiet verhindert werden. „Wir sind entschlossen, die Lage im Norden grundlegend zu verändern“, sagte Netanjahu weiter.

Viele Libanesen befürchten eine größere Bodeninvasion Israels mit anschließender Besetzung im Süden.

Pakistan: Unterstützung für Vermittlung steigt

In Pakistan trafen sich die Außenminister mehrerer Regionalmächte. Bei dem Vierer-Treffen in Islamabad empfing Pakistans Außenminister Ishaq Dar seinen ägyptischen Kollegen Badr Abdelatty, den türkischen Außenminister Hakan Fidan und Saudi-Arabiens Außenminister Faisal bin Farhan.

„Die Außenminister sprachen sich für Dialog und Diplomatie als einzigen gangbaren Weg aus, um Konflikte zu verhindern und regionalen Frieden und Harmonie zu fördern“, sagte Dar. Sie bekundeten „ihre volle Unterstützung“ für mögliche Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Pakistans Hauptstadt.

Die drei Außenminister trafen zudem mit Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif und dem einflussreichem Armeechef Asim Munir zusammen. Vertreter der USA oder Israels waren nicht zugegen.

Pakistans Außenminister sagte, Premierminister Sharif und er hätten mehrfach mit hochrangigen Vertretern der Führung in Teheran telefoniert, darunter Präsident Masud Peseschkian und Außenminister Abbas Araghtschi. Überdies stünden sie in „aktivem Austausch“ mit der US-Regierung von Präsident Donald Trump.

Pakistan sei „sehr erfreut, dass sowohl der Iran als auch die USA ihr Vertrauen in Pakistan als Vermittler der Gespräche zum Ausdruck gebracht haben“, sagte der Minister weiter.

Sein Land werde es „als Ehre betrachten, in den kommenden Tagen sinnvolle Gespräche zwischen den beiden Seiten auszurichten und zu moderieren, um eine umfassende und dauerhafte Lösung des andauernden Konflikts zu erreichen“.

Ägyptischen Angaben zufolge ging es bei dem Treffen darum, eine Ausweitung des Konflikts zu verhindern und „einen Verhandlungsweg“ zwischen Teheran und Washington zu fördern. Damit solle verhindert werden, dass die Region „in völliges Chaos abgleitet“.

Iran lässt pakistanische Schiffe durch Straße von Hormus

Der Iran lockerte für pakistanische Schiffe seine Blockade der für die Energieversorgung wichtigen Straße von Hormus. Der Schritt wurde von Beobachtern als vertrauensbildende Maßnahme im Rahmen der Vermittlungen zur Deeskalation im Nahen Osten gesehen.

Seit Beginn der israelischen und US-amerikanischen Angriffe auf das Land vor vier Wochen blockiert der Iran die Meerenge, über die große Teile des Öl- und Gastransports laufen. Die Preise für diese Energieträger sind in der Folge stark gestiegen.

Mit Material der Nachrichtenagenturen



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