Der Iran griff einen US-Stützpunkt in Saudi-Arabien an, dabei wurden mehrere US-Soldaten verletzt; zudem wurde erstmals seit Kriegsbeginn eine Rakete aus dem Jemen auf Israel abgefeuert. Gleichzeitig eskalierte ein politischer Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz über Deutschlands Rolle im Iran-Krieg. Die militärischen und diplomatischen Spannungen im Nahen Osten nehmen damit weiter zu.
Die Entwicklungen im Nahen Osten vom 28. März:
Israel greift erneut Ziele im Süden des Libanon an
Israel hat beim militärischen Vorgehen gegen die islamistische Hisbollah-Miliz erneut zahlreiche Ziele im Süden des Libanon angegriffen. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur berichtete am Samstag von morgendlichen Luftangriffen auf Städte wie Madschdal Selm, Kafra, Adlun und Tulin. In der Stadt Nabatije seien Wohngebäude, Geschäfte und eine Tankstelle getroffen worden. Die israelischen Streitkräfte sprachen von Angriffen auf die „terroristische Infrastruktur der Hisbollah“ im Libanon.
Klingbeil-Berater warnt vor Anstieg der Inflation
Der einflussreiche Wirtschaftswissenschaftler und persönliche Berater von SPD-Finanzminister Lars Klingbeil, Jens Südekum, warnt vor negativen Folgen der Iran-Krise für die deutsche Konjunktur und die Inflation. „Es besteht durchaus die Gefahr, dass sich die Energiepreise durch die gesamte Wirtschaft fressen und mit Verzögerung auch auf Lebensmittelpreise durchschlagen“, sagte Südekum dem Sender ntv. „Es droht ein Anstieg der Inflation und ein Dämpfer für die Wirtschaft.“
Wie lange diese Krise anhalten und wie weit sie sich verschärfen könne, sei nicht absehbar, so Südekum. Das gerade verabschiedete Spritpreispaket hält Südekum dennoch für angemessen. „Wenn die Krise anhält, wäre aus meiner Sicht der nächste Schritt, nach Luxemburg zu schauen“, sagte Südekum. „Dort werden Preiserhöhungen staatlich reguliert. So verhindert der Staat, dass die Energiewirtschaft die Lage nutzt, um Margen auszuweiten.“
Über mögliche weitergehende Maßnahmen, falls sich die Energiekrise weiter verschärft, wolle er nicht spekulieren, sagte Südekum. Der Ökonom wies darauf hin, dass der Staat die Bevölkerung nicht generell vor steigenden Preisen schützen könne. „Die Preise an der Zapfsäule in Deutschland sind um rund 20 Prozent gestiegen. Für diese Größenordnung sind die bisherigen Maßnahmen angemessen“, sagte Südekum. „Man kann nicht jeden kleinen Schock mit Steuergeld abfedern. Der Staat ist keine Vollkaskoversicherung.“
Schwere Schäden am Flughafen von Kuwait durch Drohnenangriff
Ein Drohnenangriff auf den internationalen Flughafen von Kuwait hat zu schweren Schäden geführt. Die amtliche Nachrichtenagentur des Golfstaats berichtete am Samstag unter Berufung auf die Luftfahrtbehörde, bei dem Angriff sei das Radarsystem des Flughafens beschädigt worden. Menschen seien dagegen nicht zu Schaden gekommen.
Derweil berichtete ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP von einer schweren Explosion nahe des internationalen Flughafens von Erbil, der Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion im Irak. Ein Augenzeuge berichtete, Rauch steige auf. In Erbil befindet sich ein großer US-Konsulatskomplex. Auf dem Flughafen der nordirakischen Stadt sind zudem Soldaten der von den USA geführten Anti-Dschihadisten-Koalition stationiert.
Hohe Spritpreise: Schnieder wirbt für Umstieg auf das Deutschlandticket
Vor dem Hintergrund des Irankriegs und steigender Spritpreise hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) für den Umstieg auf das Deutschlandticket der Bahn geworben. Dieses sei mit 63 Euro „immer noch weitaus günstiger als reguläre Monatskarten – und das bei deutschlandweiter Einsatzmöglichkeit“, sagte Schnieder den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. „Für weite Teile unseres Landes kann ich nur empfehlen, auf das Deutschlandticket umzusteigen – gerade in der jetzigen Situation.“
Die Finanzierung des Deutschlandtickets, das zum Jahresende 2025 14,6 Millionen Menschen genutzt haben, sei bis 2030 gesichert, betonte Schnieder. Eine Rückkehr zum Neun-Euro-Ticket, die von den Grünen und der Linkspartei gefordert wird, lehnte der CDU-Politiker ab.
Auch dem Vorschlag von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), Spritpreisgrenzen nach dem Vorbild von Luxemburg einzuführen, erteilte Schnieder eine Absage. In Luxemburg gebe es Einheitspreise. „Das ist ein starker Eingriff in den Markt, der Wettbewerb behindert“, sagte der CDU-Minister. „Das sollten wir nur im absoluten Notfall in Betracht ziehen.“
Ablehnung kam von Schnieder auch zu einem Tempolimit auf Autobahnen. „Wer verhalten fährt, spürt das im Geldbeutel. Das merken die Leute auch ohne Tempolimit.“
Huthi-Miliz greift offenbar erstmals sei Beginn des Iran-Kriegs Israel an
Die mit Teheran verbündete Huthi-Miliz im Jemen hat offenbar erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs Israel angegriffen. Die Miliz erklärte am Samstag im Onlinedienst X, Raketen auf militärische Ziele in Israel abgefeuert zu haben.
Zuvor hatte die israelische Armee erklärt, es sei „der Abschuss einer Rakete aus dem Jemen in Richtung der israelischen Gebiete festgestellt“ worden. Die Luftabwehr sei im Einsatz. Israelischen Medienberichten zufolge konnte die Rakete mutmaßlich abgefangen werden. Verletzte oder Schäden wurden nicht gemeldet.
Am Freitag hatte die Huthi-Miliz, die weite Teile des Jemen kontrolliert, mit einem Eingreifen ihrer Kämpfer in den Iran-Krieg gedroht. Die vom Iran unterstützte Miliz ist wie die islamistische Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon Teil der iranischen „Achse des Widerstands“. Deren erklärtes Ziel ist die Vernichtung Israels.
Mindestens ein Verletzter bei Drohnenangriff auf Hafen im Oman
Bei einem Drohnenangriff auf einen der größten Häfen des Oman ist mindestens ein Mensch verletzt worden. Der Hafen von Salaha im Süden des Landes sei mit zwei Drohnen attackiert worden, erklärten die omanischen Behörden am Samstag laut der amtlichen Nachrichtenagentur des Golfstaats. Dabei sei ein ausländischer Arbeiter verletzt worden. Außerdem sei „begrenzter“ Schaden an einem Kran entstanden.
Straße von Hormus: Thailand einigt sich mit Teheran auf Durchfahrt von Öltankern
Thailand hat sich nach Angaben von Regierungschef Anutin Charnvirakul mit dem Iran auf die Durchfahrt seiner Öltankern durch die Straße von Hormus geeinigt. Durch die Einigung werde „thailändischen Öltankern eine sichere Durchfahrt“ ermöglicht, erklärte Charnvirakul am Samstag vor Journalisten in Bangkok. So könne die Sorge über Ölimporte und steigende Treibstoffpreise gemindert werden.
Durch die Straße von Hormus verläuft rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports. Seit Beginn des Iran-Krieges durch Angriffe der USA und Israels auf den Iran Ende Februar ist die Meerenge durch die iranische Seite de facto weitestgehend gesperrt. Zudem beschoss der Iran Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker. Diese Entwicklungen ließen die Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen.
Viele asiatische Länder, darunter Thailand, sind besonders abhängig von Öl- und Gaslieferungen aus dem Nahen Osten.
Fünf Verletzte und Brände bei iranischem Luftangriff auf Industriegebiet in den Emiraten
Infolge eines iranischen Luftangriffs auf ein Industriegebiet in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind mindestens fünf Menschen verletzt worden. Wie die Behörden in Abu Dhabi am Samstagmorgen mitteilten, brachen zwei Brände durch herabfallende Trümmerteile einer abgefangenen iranischen Rakete aus. Fünf indische Staatsbürger seien verletzt worden.
Trump kritisiert Merz für Haltung im Iran-Krieg
US-Präsident Donald Trump hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für die ausbleibende Hilfe bei der Sicherung der Straße von Hormus kritisiert. Der Republikaner kritisierte bei einem Kongress in Miami im US-Bundesstaat Florida erneut zunächst die Nato-Verbündeten Frankreich und Großbritannien – und kam dann auf Deutschland zu sprechen: „Der deutsche Bundeskanzler – das sind alles meine Freunde – Friedrich. Der deutsche Bundeskanzler, er sagte: „Das ist nicht unser Krieg“.“ Trump schob nach, dass dann der Ukraine-Krieg auch nicht der der USA sei.
Bereits am Vortag hatte Trump Deutschland kritisiert. Er habe es als „unangemessen“ empfunden, dass von deutscher Seite geäußert worden sei: „Das ist nicht unser Krieg.“ Trump nannte dabei allerdings keinen konkreten Namen und schrieb die Äußerung der Spitze zu („the head of Germany“). Der Satz stammt ursprünglich von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Merz hatte sich unlängst bei einem Besuch in Norwegen so geäußert: „Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges, und wir wollen es auch nicht werden.“
Der US-Präsident hatte Nato-Verbündete um Hilfe bei der militärischen Absicherung der durch den Iran-Krieg quasi blockierten Schifffahrt durch die Straße von Hormus gebeten. Die Meerenge ist wichtig für den weltweiten Ölhandel. Weil die Nato-Partner der Aufforderung nicht nachkamen, hat er sie wiederholt mit scharfen Worten kritisiert.
Auf Trumps Kritik an Deutschland vom Vortag hatte am Freitag die Bundesregierung zurückhaltend reagiert. „Wir kommentieren jetzt nicht jede Äußerung anderer Staatsoberhäupter und werden auch in diesem Fall diese Äußerung intern bewerten“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. Man stehe im engen Kontakt mit der US-Regierung. „Aber es ist jetzt keine Äußerung, die uns den Schlaf raubt“, fügte er hinzu.
Merz attackierte später Trump für dessen Agieren im Iran-Krieg. „Was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation und der Versuch, da eine friedliche Lösung hinzubekommen, sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang“, sagte Merz auf dem „F.A.Z.-Kongress 2026“. „Das sind Eskalationen, die schon bedrohlich sind. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle.“
Mindestens zwölf Verletzte bei iranischem Angriff auf US-Stützpunkt in Saudi-Arabien
Bei einem iranischen Luftangriff auf einen Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien sind Medienberichten zufolge mindestens zwölf US-Soldaten verletzt worden, darunter zwei Schwerverletzte. Mindestens eine Rakete und mehrere Drohnen seien auf den Stützpunkt Prinz Sultan südöstlich von Riad abgefeuert worden, berichteten die „New York Times“ und das „Wall Street Journal“ am Freitag (Ortszeit). Dabei seien auch mehrere Tankflugzeuge beschädigt worden.
Zuvor sei eine Rakete in der Hauptstadtregion von Riad abgefangen worden, erklärte das saudiarabische Verteidigungsministerium im Onlinedienst X.
Israelische Armee meldet ersten Raketenbeschuss aus dem Jemen seit Beginn des Iran-Krieges
Erstmals seit Beginn des Iran-Krieges hat der Jemen israelischen Angaben zufolge eine Rakete auf Israel abgefeuert. Wie die israelische Armee am Samstag mitteilte, wurde „der Abschuss einer Rakete aus dem Jemen in Richtung der israelischen Gebiete festgestellt“. Die Luftabwehr sei im Einsatz. Israelischen Medienberichten zufolge konnte die Rakete mutmaßlich abgefangen werden. Verletzte oder Schäden wurden nicht gemeldet.
Am Freitag hatte die Huthi-Miliz mit einem Eingreifen seiner Kämpfer in den Iran-Krieg gedroht. Die vom Iran unterstützte Miliz ist wie die islamistische Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon Teil der iranischen „Achse des Widerstands“. Deren erklärtes Ziel ist die Vernichtung Israels.
Bereits nach Beginn des durch den Hamas-Angriff auf Israel ausgelösten Gaza-Krieges am 7. Oktober 2023 hatten die Huthis Israel mit Raketen und Drohnen angegriffen. Zudem attackierten sie immer wieder Schiffe, die angeblich mit Israel in Verbindung standen. Seit Beginn einer Waffenruhe im Gazastreifen am 10. Oktober vergangenen Jahres hatten die Huthis jedoch keine Angriffe auf Israel oder auf Schiffe für sich reklamiert.
Mit Material der Nachrichtenagenturen