Von Kai Rebmann
„Christliche Religion“, so heißt ein neues Fach, das ab kommendem Schuljahr auf den Stundenplänen der Klassen 5 bis 10 auf weiterführenden Schulen in Niedersachsen stehen wird. Damit soll die bisherige Trennung in katholisch bzw. evangelisch geprägten Unterricht entfallen und der ökumenische Gedanken der christlichen Religionslehre gefördert werden. Angeblich zumindest, jedenfalls liest so die offizielle Darstellung aus dem zuständigen Ministerium in Hannover.
Aber: Das Christentum nimmt in dem neugeschaffenen Schulfach immer weniger Raum ein, Jesus Christus als Namensgeber und Religionsstifter kommt darin so gut wie gar nicht mehr vor. Dafür sollen die Schüler in „Christlicher Religion“ künftig verstärkt mit der Scharia des Islams, der Meditationspraxis im Buddhismus, den Klimazielen der Vereinten Nationen (UN) und nicht zuletzt mit der „sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität als Entwicklungsaufgabe“ konfrontiert werden.
Trotz dieser offenkundigen Widersprüche zwischen dem Namen des neuen Schulfachs und dessen Inhalten, will Bildungsministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) von einer Marginalisierung des Christentums in Niedersachsens Schulen nichts wissen. Es gehe lediglich darum, „die Vielfalt christlicher und anderer religiöser Deutungsmöglichkeiten“ im Alltag zu beleuchten.
Dennoch lässt die Wortwahl, derer sich die Grüne etwa gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ bedient, tief blicken. So bezeichnet Willie etwa die Werte, auf denen die abendländische Kultur einst errichtet wurde, als „große christliche Narrative“, die in der Schule auch weiterhin behandelt würden. Das neue Schulfach sei nach wie vor „bekenntnisgebunden“, also freiwillig, und solle „christliche Inhalte, Themen, Handlungsperspektiven und Glaubenserfahrungen“ in den Mittelpunkt rücken.
Grüne geben erstmals offen zu: Klima ist Religion!
Der Entwurf des verbindlichen Lehrplans liest sich freilich gänzlich anders. Von den insgesamt 130 dort aufgeführten Themen haben gerade einmal 5 einen klaren Christus-Bezug, wie etwa „Auferweckung Jesu – Auferweckung aller Menschen“, „Vaterunser als Spiegel menschlicher Grundbedürfnisse“ oder das „Kreuz als Symbol“. Ansonsten wird die Agenda überwiegend von politischen und/oder ideologischen Nachhaltigkeitszielen der UN oder den Weltanschauungen anderer Religionen, insbesondere des Islam – geprägt.
Das einzig Positive, das sich dem Ganzen wohl abgewinnen lässt: Endlich geben die Grünen, hier in Person von Niedersachsens Bildungsministerin Julia Willie Hamburg, auch ganz offen zu, dass sie die Narrative rund um den Klimawandel für eine Religion halten.
Wer an dieser Stelle aber Widerspruch von den beiden christlichen Kirchen erwartet, der wird – mal wieder – bitter enttäuscht. Die schauen der Abschaffung der eigenen Grundlage tatenlos zu und signalisieren damit schweigende Zustimmung. Wie schon bei vielen anderen Gelegenheiten (siehe hier oder hier) agieren diese als Erfüllungsgehilfen des Staates, so dass sich die Ministerin bei ihren Plänen sogar ganz explizit auf die Unterstützung der Landeskirchen berufen kann: ein „zu geringer Stellenwert der Person Jesu oder deren christologischer Bedeutung“ sei der Vorstellung des Entwurfs für den Lehrplan nicht moniert worden.
Und so ist davon auszugehen, dass eben diese Entwürfe in den kommenden Wochen auch durch den Landtag in Hannover gewunken und mit Beginn des neuen Schuljahres auch in Kraft treten werden. Kritik kommt einzig von dem evangelischen Religionspädagogik-Professor Andreas Kubik-Boltres, der in der „Bild“ zwar vor einer „schleichenden Gewichtsverlagerung“ im Religionsunterricht an Schulen warnt, insgesamt aber trotzdem noch „keinen Paradigmenwechsel“ erkennen möchte. Er sieht in der Umstellung vielmehr eine Reaktion auf den „gesellschaftlichen Wandel“ und „sehr heterogene Schülergruppen“.
Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.
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