2015 hat mir eine Freundin erzählt, wie an ihrer Universität eine Vergewaltigung vertuscht wurde, weil der Täter ein Migrant war – und die rot-grünen Kommilitonen Angst hatten, es könne zu „Rassismus“ führen, wenn die Tat bekannt werde. Im August 2020 wollte die Berliner Polizei die Vergewaltigung einer 15-Jährigen am Flughafensee verheimlichen – erst nachdem mich ein Beamter informierte und dann auch noch Unterlagen herausgab, wurde der Fall bekannt (siehe hier). Im August 2023 wollte die Berliner Polizei erneut vertuschen – diesmal eine Gruppenvergewaltigung (siehe hier).

Leider muss man davon ausgehen, dass diese Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind. Und viele wollen sie nicht wahrhaben. Und wohl deshalb wiederholt sich dieser Wahnsinn: Wie jetzt bekannt wurde, hat ein Jugendclub im Berliner Problem-Stadtteil Neukölln offenbar Vergewaltigungen und mutmaßliche sexuelle Übergriffe auf eine 16-jährige Schülerin verschwiegen. Schlimmer noch: Nicht nur dem Jugendklub, sondern auch dem zuständigen Jugendamt waren die Vorwürfe über Monate bekannt. Doch sie schalteten nicht die Polizei ein. 

Sie entschieden sich bewusst dagegen, die Straftaten anzuzeigen. Intern wurde das damit begründet, man wolle „den Ball flachhalten“, damit die mutmaßlichen Täter nicht pauschal mit der Aussage „typisch Muslime“ stigmatisiert würden. Ich will Ihnen die Details ersparen – wenn Sie sie sich antun wollen, können Sie sie hier lesen, leider in Gendersprache.

Ich schreibe diesen Artikel nicht, weil das, was da passiert ist, neu wäre. Das ist es leider, leider nicht. Ich schreibe diesen Artikel, weil ich verstehen will, wie so etwas passieren kann. Wie es jahrelang immer wieder vorkommen kann. Und wieso unsere Gesellschaft es mehrheitlich ganz offenbar hinnimmt. 

Wie kann es sein, dass der Schutz der Täter ganz offensichtlich Vorrang hat vor dem Schutz der Opfer? Warum handeln Mitarbeiter des Jugendclubs und des Jugendamtes so? Offenbar aus einem erlernten Reflex heraus: Wer „den Ball flachhält“, riskiert nichts. Wer Anzeige erstattet, riskiert den Vorwurf des Rassismus, Stress mit dem Träger, schlechte Bewertungen. Das System belohnt Wegsehen und bestraft Hinschauen. Das ist eine konkrete institutionelle Logik. Offenbar gepaart mit linker Ideologie. Und was nicht sein darf nach dieser, kann eben auch nicht sein.

Entlarvend ist auch die Begründung, man wolle die „Täter nicht stigmatisieren“: Stigmatisierung ist ein soziologisches Konzept, das von Rot-Grün gekapert wurde – es beschreibt das ungerechte Brandmarken von Gruppen. Dabei wäre eine Strafanzeige gegen einen konkreten Täter das Gegenteil davon. Aber hier frisst offenbar die Ideologie die Logik. Oder das Misstrauen in die Bevölkerung ist so groß, dass man dieser von Haus aus unterstellt, sie könne nicht differenzieren.

Das besonders Dramatische und Tragische an dem Vorfall: Das Mädchen wurde zweimal zum Opfer gemacht – einmal von den Tätern, einmal vom System. Der zweite Übergriff war institutionell und hatte einen Namen: Fürsorgepflicht. Die hätte das Jugendamt gehabt. Die hat es gebrochen. Das zeigt eindringlich, wie sehr das vermeintliche „Gutmenschentum“ und die vermeintliche moralische Überlegenheit, die wohl hinter dem Vertuschen stecken, das Gegenteil dessen bewirken, was zu bewirken sie vorgeben.