Hat die Ukraine am 29. Dezember die Putin-Residenz zwischen Moskau und St. Petersburg angriffen? Klare Beweise gibt es keine, wohl aber ist die Glaubwürdigkeit derzeit ein wichtiges Pfand zwischen Putin und Trump
Lügt Wladimir Putin?
Foto: MikhailMetzel/Imago/Zuma Press
Wladimir Putin ist gut beraten, bei Donald Trump nicht in Ungnade zu fallen. Sollte der ihm Gunst und Verständnis entziehen, wäre das ein schwerer Rückschlag für Russland. Als Wladimir Putin dem US-Präsidenten beim Telefonat am Montag von einem ukrainischen Drohnenangriff auf seine Residenz Nowgorod berichtete, sollte es für ihn Grund genug gegeben haben, gegenüber Trump bei der Wahrheit zu bleiben.
Er kann es sich so wenig leisten, Trump zu belügen, wie es seinen Leuten bei Strafe ihres Untergangs verboten ist, ihren Oberkommandierenden in die Irre zu führen. Es sei denn, Armeeführung oder Geheimdienste seien darauf aus, Putin zu demontieren. Nur warum sollten sie? Dafür bietet allein die Kriegslage keinerlei Anlass.
Trump zeigt sich „wütend“ über den mutmaßlichen Angriff auf Nowgorod
Insofern ist Putins Mitteilung an Trump im Telefonat vom 29. Dezember kein Beweis – aber dann doch ein Indiz dafür, dass es einen ukrainischen Angriff gegeben hat?
Trump selbst nahm gegenüber Journalisten ausdrücklich Bezug auf den Angriff. Dieser mache ihn „sehr wütend“. „Ich mag das nicht. Das ist nicht gut“, entgegnete er auf die Frage, ob er befürchte, dies könne seine Friedensbemühungen beeinträchtigen. „Ich habe davon heute von Präsident Putin erfahren. Es ist eine heikle Zeit, und jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Es ist eine Sache, offensiv zu sein, weil die andere Seite offensiv ist. Aber es ist etwas ganz anderes, sein Haus anzugreifen.“
Auf die Frage, ob es Beweise für eine solche Attacke gebe, antwortete Trump: „Wir werden es herausfinden. Sie meinen, der Angriff hat vielleicht gar nicht stattgefunden? Das ist möglich, denke ich, aber Präsident Putin hat es mir heute Morgen gesagt.“ Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt hatte zuvor das zweite Gespräch zwischen Trump und Putin innerhalb von 48 Stunden als „positiv“ bewertet.
Selenskyjs Weihnachtsbotschaft
In seiner Weihnachtsansprache vom 24. Dezember hatte Wolodymyr Selenskyj noch erklärt, wenn jeder Ukrainer einen Wunsch habe, wäre das wohl, „dass er stirbt“. Selenskyj vermied zwar einen Namen, aber jedem war klar, dass Putin gemeint war. Selenskyj fuhr fort: „Aber wenn wir uns an Gott wenden, bitten wir natürlich um mehr. Wir bitten um Frieden für die Ukraine.“
Aufschlussreich ist zudem, wie sich sein Außenminister Andrij Sybiha zum mutmaßlichen Angriff geäußert hat: Es sei eine typische Taktik Russlands, „das oft andere dessen beschuldigt, was es selbst plant“. Was Sybiha hinzufügte und medial bisher ausgeblendet blieb, ist ein Hinweis darauf, dass sich andere Staaten durch den Vorfall durchaus alarmiert fühlen. Sybiha: „Wir sind enttäuscht und besorgt über die Stellungnahmen der Emirate, Indiens und Pakistans, in denen sie ihre Besorgnis über den nie stattgefundenen Angriff zum Ausdruck brachten. Dies ist umso überraschender, als alle drei Staaten keine offiziellen Stellungnahmen abgaben, als am 7. September 2025 tatsächlich eine russische Rakete ein ukrainisches Regierungsgebäude traf.“
Kann die US-Luftraumüberwachung aufklären, was am 29. Dezember passiert ist? Dabei geht es nicht um Daten, eher um ein Politikum sondergleichen. Ganz abgesehen davon, dass die Bestätigung eines Angriffs noch nichts darüber aussagt, wo und von wem die Drohnen gestartet wurden. Schon gar nicht sind Auskünfte darüber zu erwarten, wer weshalb getan hat, was geschehen oder eben nicht geschehen ist.
Wieso wurden Selenskyj beim Gipfel in Mar-a-Lago keine Sicherheitsgarantien gegeben?
Nüchtern betrachtet haben Moskau und Kiew derzeit aus unterschiedlichen Gründen ein Interesse daran, den Krieg fortzusetzen. Die Selenskyj beim Gipfel in Mar-a-Lago durch Präsident Trump gemachten „Sicherheitszusagen“ blieben viel zu vage, als dass man sie „Sicherheitsgarantien“ nennen konnte. Weshalb diese nur für einen Zeitraum von 15 Jahren gelten sollten und nicht (bis auf Weiteres) dauerhaft, blieb unklar.
Die von Trump geltend gemachten „ein, zwei sehr heiklen Themen“ resultierten offenkundig aus seiner Absicht, jede US-Truppenpräsenz auszuschließen und keine Konfrontation mit Russland zu riskieren, stattdessen normale Beziehungen zum gegenseitigen wirtschaftlichen Vorteil zu unterhalten. Was im Übrigen auch für einen Wiederaufbau der Ukraine gelten soll.
Wenn das so ist und vor allem bleibt, muss sich die Ukraine mit einem Rumpfstaat abfinden, was das „Europa der Willigen“ ohne die USA nicht ändern kann. Sollte es trotzdem versucht werden, wie das die Berliner Ukraine-Konferenz Mitte Dezember angedeutet hat?
Russland würde europäische Friedenstruppen als legitime militärische Ziele betrachten
In einem am 28. Dezember veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur TASS meinte dazu Außenminister Sergej Lawrow, jegliche in die Ukraine entsandten europäischen Truppenkontingente würden von den russischen Streitkräften als legitime militärische Ziele betrachtet.
Wäre das dann der mögliche Kriegseintritt eines Teils der NATO? Ohne die USA undenkbar und selbstmörderisch. In der Konsequenz heißt das, für die Ukraine Selenskyjs ist die gegenwärtige Situation sehr viel prekärer als vor einem Jahr bei Trumps Rückkehr ins Amt. Dies könnte bedeuten, dass die Angst vor dem sich jetzt abzeichnenden Frieden die Bereitschaft nährt, den Krieg fortzusetzen. Für Russland scheint das keine komfortable, doch annehmbare Option zu sein. Die Frage, ob die Putin-Residenz angriffen wurde oder nicht, reflektiert genau das.
Strafe ihres Untergangs verboten ist, ihren Oberkommandierenden in die Irre zu führen. Es sei denn, Armeeführung oder Geheimdienste seien darauf aus, Putin zu demontieren. Nur warum sollten sie? Dafür bietet allein die Kriegslage keinerlei Anlass.Trump zeigt sich „wütend“ über den mutmaßlichen Angriff auf NowgorodInsofern ist Putins Mitteilung an Trump im Telefonat vom 29. Dezember kein Beweis – aber dann doch ein Indiz dafür, dass es einen ukrainischen Angriff gegeben hat? Trump selbst nahm gegenüber Journalisten ausdrücklich Bezug auf den Angriff. Dieser mache ihn „sehr wütend“. „Ich mag das nicht. Das ist nicht gut“, entgegnete er auf die Frage, ob er befürchte, dies könne seine Friedensbemühungen beeinträchtigen. „Ich habe davon heute von Präsident Putin erfahren. Es ist eine heikle Zeit, und jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Es ist eine Sache, offensiv zu sein, weil die andere Seite offensiv ist. Aber es ist etwas ganz anderes, sein Haus anzugreifen.“ Auf die Frage, ob es Beweise für eine solche Attacke gebe, antwortete Trump: „Wir werden es herausfinden. Sie meinen, der Angriff hat vielleicht gar nicht stattgefunden? Das ist möglich, denke ich, aber Präsident Putin hat es mir heute Morgen gesagt.“ Trumps Pressesprecherin Karoline Leavitt hatte zuvor das zweite Gespräch zwischen Trump und Putin innerhalb von 48 Stunden als „positiv“ bewertet. Selenskyjs Weihnachtsbotschaft In seiner Weihnachtsansprache vom 24. Dezember hatte Wolodymyr Selenskyj noch erklärt, wenn jeder Ukrainer einen Wunsch habe, wäre das wohl, „dass er stirbt“. Selenskyj vermied zwar einen Namen, aber jedem war klar, dass Putin gemeint war. Selenskyj fuhr fort: „Aber wenn wir uns an Gott wenden, bitten wir natürlich um mehr. Wir bitten um Frieden für die Ukraine.“ Aufschlussreich ist zudem, wie sich sein Außenminister Andrij Sybiha zum mutmaßlichen Angriff geäußert hat: Es sei eine typische Taktik Russlands, „das oft andere dessen beschuldigt, was es selbst plant“. Was Sybiha hinzufügte und medial bisher ausgeblendet blieb, ist ein Hinweis darauf, dass sich andere Staaten durch den Vorfall durchaus alarmiert fühlen. Sybiha: „Wir sind enttäuscht und besorgt über die Stellungnahmen der Emirate, Indiens und Pakistans, in denen sie ihre Besorgnis über den nie stattgefundenen Angriff zum Ausdruck brachten. Dies ist umso überraschender, als alle drei Staaten keine offiziellen Stellungnahmen abgaben, als am 7. September 2025 tatsächlich eine russische Rakete ein ukrainisches Regierungsgebäude traf.“Kann die US-Luftraumüberwachung aufklären, was am 29. Dezember passiert ist? Dabei geht es nicht um Daten, eher um ein Politikum sondergleichen. Ganz abgesehen davon, dass die Bestätigung eines Angriffs noch nichts darüber aussagt, wo und von wem die Drohnen gestartet wurden. Schon gar nicht sind Auskünfte darüber zu erwarten, wer weshalb getan hat, was geschehen oder eben nicht geschehen ist.Wieso wurden Selenskyj beim Gipfel in Mar-a-Lago keine Sicherheitsgarantien gegeben?Nüchtern betrachtet haben Moskau und Kiew derzeit aus unterschiedlichen Gründen ein Interesse daran, den Krieg fortzusetzen. Die Selenskyj beim Gipfel in Mar-a-Lago durch Präsident Trump gemachten „Sicherheitszusagen“ blieben viel zu vage, als dass man sie „Sicherheitsgarantien“ nennen konnte. Weshalb diese nur für einen Zeitraum von 15 Jahren gelten sollten und nicht (bis auf Weiteres) dauerhaft, blieb unklar.Die von Trump geltend gemachten „ein, zwei sehr heiklen Themen“ resultierten offenkundig aus seiner Absicht, jede US-Truppenpräsenz auszuschließen und keine Konfrontation mit Russland zu riskieren, stattdessen normale Beziehungen zum gegenseitigen wirtschaftlichen Vorteil zu unterhalten. Was im Übrigen auch für einen Wiederaufbau der Ukraine gelten soll.Wenn das so ist und vor allem bleibt, muss sich die Ukraine mit einem Rumpfstaat abfinden, was das „Europa der Willigen“ ohne die USA nicht ändern kann. Sollte es trotzdem versucht werden, wie das die Berliner Ukraine-Konferenz Mitte Dezember angedeutet hat? Russland würde europäische Friedenstruppen als legitime militärische Ziele betrachtenIn einem am 28. Dezember veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur TASS meinte dazu Außenminister Sergej Lawrow, jegliche in die Ukraine entsandten europäischen Truppenkontingente würden von den russischen Streitkräften als legitime militärische Ziele betrachtet.Wäre das dann der mögliche Kriegseintritt eines Teils der NATO? Ohne die USA undenkbar und selbstmörderisch. In der Konsequenz heißt das, für die Ukraine Selenskyjs ist die gegenwärtige Situation sehr viel prekärer als vor einem Jahr bei Trumps Rückkehr ins Amt. Dies könnte bedeuten, dass die Angst vor dem sich jetzt abzeichnenden Frieden die Bereitschaft nährt, den Krieg fortzusetzen. Für Russland scheint das keine komfortable, doch annehmbare Option zu sein. Die Frage, ob die Putin-Residenz angriffen wurde oder nicht, reflektiert genau das.