Grünes Wissen to go: Anders als bislang vermutet, findet die Wissenschaft eine Sedimentschicht unter dem Eis. Hunderte Forscher:nnen protestieren gegen Trumps Übernahme-Pläne


Wie sieht eigentlich der Untergrund von Grönland aus?

Foto: Oliver Morin/Getty Images


Seine Höhe ist bekannt und das Problem auch: Bis zu 3.300 Meter ragt Grönlands Eisschild empor, wegen der steigenden Temperaturen beginnt der riesige Gletscher zu schmelzen. Ein Kippelement: Die obere Eiskante fällt nach unten in immer wärmere Schichten.

Am Anfang verläuft der Schmelzprozess langsam, je mehr Eis weg ist, aber umso schneller: Um sieben Meter wird der Meeresspiegel höher liegen, wenn das Grönlandeis getaut ist. Emden liegt einen Meter über dem heutigen Meeresspiegel.

Was die Forscher bislang nicht wussten: Wie sieht der Untergrund von Grönland aus? Einem Team aus den USA ist es jetzt gelungen, Grönlands Fundament zu untersuchen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal Geology.

Nicht fester Fels überwiegt demnach den Untergrund, sondern eine Sediment-Schicht, deren Dicke lokal bis zu 200 Meter betragen kann. Das ist wichtig zu wissen, weil Eis auf Sediment wesentlich leichter gleitet als auf Fels, ergo schneller ins Meer wandern kann. Liegt das Gletschereis hingegen auf Fels, wird seine Bewegung durch Reibung gebremst.

Grönland wächst

Immer wieder bringt die Forschung Überraschendes zur größten Insel der Welt: Seit den 1980ern hat der Eispanzer 1.000.000.000.000 Tonnen Eis verloren, weshalb weniger Last auf das darunter liegende Land drückt. In der Wissenschaft der Geotektonik wird dieser Vorgang als „isostatischer Aufstieg“ bezeichnet: Beobachten lässt er sich beispielsweise in Skandinavien, das seit der letzten Eiszeit immer noch aufsteigt.

Allerdings nicht so stark wie auf Grönland: Ein Team der Technischen Universität Dänemark hat festgestellt, dass die größte Insel der Welt allein in den letzten zehn Jahren um 23 Zentimeter aus dem Ozean aufgestiegen ist. Dabei taucht auch neues Land auf. Die Forscher prognostizieren, dass in den kommenden Jahren neue Inseln und Schären entstehen.

Blöd freilich für die gegenüberliegenden deutschen Küstengebiete: Die sinken als Ausgleich nämlich ab. Seit 1843 wird der Pegel in Cuxhaven gemessen, heute ist er 43 Zentimeter höher als damals – und nur ein Teil des Pegelanstieges geht auf die steigenden Ozeane zurück.

Anfang Januar hatten sich übrigens hunderte US-Forscher:innen in einem „Offenen Brief“ an Donald Trump gewandt und gegen dessen Grönland-Pläne protestiert. „Der Eisgletscher Grönlands ist einer der weltweit wichtigsten Indikatoren für den Klimawandel. Derzeit schmilzt er in alarmierendem Tempo – pro Sekunde fließt dabei eine Wassermenge in den Ozean, die etwa drei olympischen Schwimmbecken entspricht“, heißt es in dem Brief.

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