Frauen am Gewehr wird es bei den Tiroler Schützen auch in Zukunft nicht geben. 87 Prozent der Schützenkompanien, des Bundesausschusses und dessen Ehrenoffiziere sprachen sich in einer geheimen Briefwahl für die Beibehaltung des Status quo aus. Während SPÖ, Neos und Grüne alles andere als glücklich mit der Entscheidung sind, kommt aus der FPÖ Rückenwind für die Tiroler Schützen.
„Rückschritt für die Gleichstellung“
Die Tiroler Neos-Klubobfrau Birgit Obermüller etwa sprach von einem „Rückschritt für die Gleichstellung“. Obwohl das Interesse von Frauen am Gewehrtragen eher „überschaubar“ sei, müsse gelten: „Wer will, muss dürfen“, so die Tiroler Nationalratsabgeordnete Selma Yildirim. Der Stein sei innerhalb der Kompanien längst ins Rollen gekommen, kommentierte die Tiroler Landtagsabgeordnete Zeliha Arslan die Entwicklung. Dass sich die „Schützen-Kommandanten gegen eine lebendige Tradition ausgesprochen haben, die Weiterentwicklungen zulässt“, sei bedauerlich, beklagte die Grüne.
Respekt vor Schützen-Entscheidung
FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger zeigte hingegen Respekt vor dem Vorgehen: Jegliche Entscheidung des Bundes der Tiroler Schützenkompanien sei zu akzeptieren. Ähnlich sah das die freiheitliche Salzburger Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek – in deren Bundesland die Schützen, anders als in Tirol, inzwischen auch Frauen ans Gewehr lassen. Auf Facebook schrieb Svazek:
Diese Entscheidung verdient Respekt, nicht zuletzt wegen ihrer Eindeutigkeit. Hätte die Abstimmung offen stattgefunden, bin ich mir keineswegs sicher, ob das Ergebnis ebenso klar ausgefallen wäre. Öffentlicher Erwartungsdruck, moralische Erpressung, feministische Deutungs-Hegemonien und das ständig bemühte Schlagwort der ‚toxischen Männlichkeit‘ entfalten Wirkung – selbst bei gestandenen Tiroler Schützen.
Genau darin liege ein zentrales Problem der Gegenwart: Menschen würden sehr wohl spüren, wenn etwas nicht mehr aus Überzeugung, sondern aus Angst geschieht. Dieses Sensorium habe hier gesprochen.
„Lasst die Schützen Schützen sein“
Stattdessen betonte Svacek das legitime Bedürfnis von Männern, unter sich zu bleiben, und verurteilte die Doppelmoral, wonach frauenspezifische Räume als emanzipatorisch gelten, männliche jedoch als verwerflich. Frauen seien in solchen Vereinen dennoch präsent, etwa als Marketenderinnen oder Fahnenmütter – eine Rolle, die Svazek selbst als Fahnenmutter der Großgmainer Weihnachtsschützen ausübt und die sie mit Stolz erfülle, da sie von Männern geschätzt werde. Abschließend fordert sie: „Lasst die Schützen Schützen sein“ und hebt hervor, dass patriotische Frauen im Ernstfall zu den Waffen greifen würden – „aber das wäre, wie so oft, eine andere Diskussion. Schützen Heil!“