Von Kai Rebmann

Was haben Tamm und Berlin gemeinsam? Sowohl die beschauliche Kleinstadt in Baden-Württemberg mit gut 12.000 Einwohnern als auch die Hauptstadt sorgten in diesem Jahr mit von Kindern verübten Mordanschlägen für bundesweite Schlagzeilen. Dass es in beiden Fällen beim Versuch blieb, ist pures Glück, legt aber dennoch den Finger in eine tiefklaffende Wunde: Der Rechtsstaat in Deutschland hat die Kontrolle längst an Clans verloren, die die Straßen unserer Großstädte beherrschen.

Berlin-Kreuzberg am Dienstag vergangener Woche: Zwei mutmaßlich noch kindliche Täter werfen eine Handgranate in den von einem Clan-Boss betriebenen Club. Scheiben zersplittern, die Einrichtung wird weitestgehend zerstört, es entsteht ein hoher Sachschaden. Verletzt oder gar getötet wird wie durch ein Wunder niemand.

Nur einen Tag später entgeht Mehmet K., eine weitere Clan-Größe aus der Hauptstadt, nur knapp einem auf seine Luxus-Villa verübten Mordanschlag. Polizei und Staatsanwaltschaft tappen im Dunkeln, dafür meldet sich K. zu Wort: der Clan-Boss setzt ein „Kopfgeld“ in Höhe von 500.000 Euro für die Ergreifung der Täter bzw. deren Auftraggeber aus.

Die Fälle erinnern in fataler Weise an die Geschehnisse in Tamm bei Ludwigsburg. Auch dort wurde der Rechtsstaat im Mai 2025 zum ohnmächtigen Zuschauer degradiert, als sogenannte „Wegwerf-Kriminelle“ – in der Regel sehr junge, oft noch im Kindesalter befindliche Täter – für einen ebenfalls missglückten Auftragsmord im Zusammenhang mit einer Clan-Fehde rekrutiert wurden.