In Kürze:

  • In Melle bei Osnabrück wurden am Heiligabend zwei Weihnachtsbäume vor einer Kirche gestohlen.
  • Weihnachtsbaumdiebstähle nehmen seit den frühen 2020er-Jahren deutlich zu.
  • Täter handeln teils spontan, teils organisiert, mit Weiterverkaufsabsicht.
  • Besonders begehrt sind teure Nordmanntannen.

 

Eine böse Überraschung erlebten die Verantwortlichen der Kirchengemeinde St. Petri in Melle am Morgen des Heiligabends, 24. Dezember. Noch am Vorabend hatten sich beide festlich geschmückte Weihnachtsbäume vor ihrem Gotteshaus befunden. Ausgerechnet zum Fest waren dann allerdings beide nicht mehr vorhanden, wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtete.

Dreiste Diebe hatten sich ihrer bemächtigt – und es war nicht der erste Fall eines Weihnachtsbaumdiebstahls in der niedersächsischen 46.500-Einwohner-Stadt im Landkreis Osnabrück. Bereits 2024 hatten Langfinger an gleicher Stelle zugeschlagen. Damals hatten sie immerhin noch einen Baum stehen gelassen. Im Jahr 2022 wurde ein von Förderschülern gestalteter Christbaum vom Weihnachtsmarkt gestohlen.

Verbände sprechen von einer Zunahme des Diebstahls von Weihnachtsbäumen

Gemeindemitarbeiterin Marlies Hinck sieht zumindest bezüglich der Diebstähle an der Kirche eine auffällige Parallele. In beiden Fällen ereignete sich die Tat während der sogenannten Meller Kneipennacht, die als beliebtes Ereignis gilt, um frühere Einwohner der Stadt im Vorfeld von Weihnachten zusammenzuführen. Der Marktplatz, auf dem das Ehemaligentreffen stattfand, ist nur 200 Meter vom Tatort entfernt.

Zwar werden Diebstähle von Weihnachtsbäumen nicht in einer gesonderten Rubrik der Kriminalstatistik erfasst. Allerdings lassen Angaben von Verbänden und regionalen Polizeistellen die Schlussfolgerung zu, dass das Phänomen seit Anfang der 2020er-Jahre zugenommen hat.

Der Branchenverband Natürlicher Weihnachtsbaum erklärte laut „t-online“, die Diebstähle von Weihnachtsbäumen hätten „dramatisch“ zugenommen und seien „an der Tagesordnung“. Dabei handele es sich nicht nur um Fälle des sogenannten Waldfrevels – des unerlaubten Fällens und Diebstahls von Bäumen in öffentlichen oder privaten Forsten.

Spontane Aktion, Gelegenheitsdiebstahl oder organisiertes Vorgehen

Gestohlen würden Weihnachtsbäume auch direkt von Verkaufsständen und Lagerflächen. Je näher die Weihnachtsfeiertage rücken, umso stärker steigt die Zahl der Diebstähle an. Dabei geraten immer stärker auch öffentliche Plätze, Weihnachtsmärkte oder Einrichtungen wie Kitas, Schulen oder Seniorenheime ins Visier.

Die Täter und ihre Motive unterscheiden sich. In einigen Fällen dürfte Alkohol im Spiel sein und spontane Tatentschlüsse reifen lassen. So geschah es etwa in Siegen, wo ein 33-Jähriger am dritten Adventssonntag in den frühen Morgenstunden einen Weihnachtsbaum gestohlen hatte. Polizisten, die ihn bemerkt und die Verfolgung aufgenommen hatten, bewarf der stark angetrunkene Nachtschwärmer mit einer Christbaumkugel, wie die „mittelhessen“-Tageszeitung berichtete.

In vielen Fällen scheinen Personen einfach nur kostenfrei an einen eigenen Weihnachtsbaum gelangen zu wollen. So geschehen jüngst in Dinkelsbühl im Landkreis Ansbach, wo sich ein Mann aus einer nahe gelegenen Wohnung am Eingang zum Rathaus bediente und sich den Weihnachtsbaum der Stadtverwaltung widerrechtlich aneignete, wie die „Südwest Presse“ berichtete.

Dreistellige Zahl von Weihnachtsbaumdiebstählen

In Cottbus wiederum stahlen laut dpa Anfang des Monats organisierte Diebe etwa 130 Weihnachtsbäume von einem Verkaufsstand. Deren Wert von mehr als 4.000 Euro könnte sich bis kurz vor Weihnachten noch erhöht haben.

In den vergangenen Wochen wurden zudem in Nordrhein-Westfalen und Bayern mehrere Dutzende oder sogar eine ins Dreistellige gehende Zahl von Diebstählen an Weihnachtsbäumen gemeldet. Branchenvertreter sprechen auch von einer erheblichen Dunkelziffer: Immerhin zeigten viele geschädigte Landwirte und Händler kleinere Verluste nicht an. Auch die Kirchengemeinde in Melle schaltete die Polizei nicht ein.

Da Diebstahl ein Offizialdelikt ist, also eine Straftat, die die Behörden automatisch verfolgen, ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft jedoch, sobald ihnen ein Anfangsverdacht bekannt wird.

Neben einem gerichtlichen Strafverfahren, bei dem bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe droht, sehen einige Bußgeldkataloge in den Ländern ein Ordnungswidrigkeitenverfahren für unerlaubtes Fällen von Bäumen vor.

Nordmanntannen besonders häufig entwendet

Im Kern scheint es sich im Fall der Taten von Einzeltätern meist um Gelegenheitsdiebstähle für den Eigengebrauch zu handeln. Wo organisiert größere Mengen an Weihnachtsbäumen entwendet werden, versprechen sich die Täter offenbar Gewinn durch deren Weiterverkauf. Zu den bei Dieben besonders begehrten Bäumen gehört vorwiegend die Nordmanntanne. Zwischen 2010 und 2023 ist der Preis für eine solche um rund 30 Prozent gestiegen.



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