Von Kai Rebmann

Frankfurt will zur „Kimastadt“ werden. Das lässt die bisher eigentlich als Banken-Metropole bekannte „Mainhattan“ sich bzw. den Steuerzahler einiges kosten. So sind in den Haushalten bis Ende 2027 unter anderem insgesamt 1,3 Millionen Euro vorgesehen, um Bürgern ein Deutschland-Ticket der Bahn zu finanzieren, die auf den eigenen fahrbaren Untersatz verzichten, sprich ihr Auto verkaufen, verschenken oder verschrotten.

Im Gegenzug für den freiwilligen Verzicht aufs Auto gibt es eine Klimaprämie in Form eines 12-Monats-Abos des Deutschlandtickets. Neben einem Erstwohnsitz in Frankfurt nennt der städtische Verkehrsverbund RMV eine der weiteren Voraussetzungen: „Sie haben einen auf Ihren Namen zugelassenen Verbrenner-Pkw vor maximal fünf Monaten verschrotten lassen oder an eine haushaltsfremde Person verkauft/verschenkt.“

Das dazugehörige Pilotprojekt startete im August 2024, ist zunächst auf drei Jahre befristet und soll den Haushalt mit insgesamt 1,3 Millionen Euro belasten. Die Stadt zeigt sich in der Halbzeitbilanz zufrieden, zumindest offiziell, und gibt sich überzeugt, die Klimaprämie habe bereits eine „Verhaltensveränderung“ der Bürger bewirkt. Man könnte also meinen, die Frankfurter hätten von dieser modernen Art des Ablasshandels im ganz großen Stil Gebrauch gemacht.

Doch die nüchternen Zahlen sprechen eine andere Sprache. Gerade mal rund 750 Bürger haben in der Millionen-Metropole ihr Auto abgegeben, jedenfalls ein solches, das auf ihren Namen zugelassen ist. Dass diese der individuellen Mobilität deshalb nicht gleich ganz abgeschworen haben, muss selbst Heiko Nickel als zuständiger Mobilitätsdezernent im Frankfurter Rathaus einräumen. Teilnehmer der Aktion hätten das Auto zuvor zu 26 Prozent als wichtigstes Verkehrsmittel genutzt, jetzt seien es nur noch 7 Prozent.

Andere Meldungen zu dem Thema lassen erahnen, dass die stolzen Deutschlandticket-Inhaber auch einige der zahlreichen Hintertüren und Graubereiche nutzen. Von einem „systematischen Betrug“ will die Stadt eigenen Angaben zufolge zwar keine Kenntnis haben, was aber wiederum vor allem an den mangelnden Kontrollmöglichkeiten liegen dürfte. Oder wer soll schon glauben, dass das Rathaus ganze Heerscharen von städtischen Mitarbeitern losschickt, die die Einhaltung der durchaus schwammig formulierten Kriterien überprüfen?