Die folgende Pressemeldung mit einem für den linken Geist attraktiven Titel ist uns gerade über den Weg gelaufen:
Ich gebe zu, dass mein Ärgerlevel schon steigt, wenn wieder einmal versucht wird, Output aus der ideologischen Kaderschmiede „Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung“ als „Wissenschaft“ zu verkaufen. Dessen ungeachtet habe ich versucht, den folgenden Text unvoreingenommen zu lesen, trotz der Verstümmelung*innen, die bereits deutlich machen, dass Ideologie Denken und Wissenschaft verdrängt hat…
„Ansatz: Akteur*innen sind nur begrenzt rational und imitieren andere
Beim Zusammenspiel der wirtschaftlichen Akteur*innen spielt nämlich der Zufall eine gewisse Rolle: „Wir gehen von einer nur begrenzten Rationalität der Akteur*innen aus. Das heißt, diese optimieren nicht völlig präzise ihr Verhalten für ein bestmögliches Ergebnis jetzt und in der Zukunft“, so Schöll [Eckehard Schöll]. Stattdessen imitierten sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit den ihnen bekannten Akteur*innen mit dem höchsten Konsum. „Jeder Agent in unserem Modell schaut also auf die anderen und kopiert mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit das Konsum- und Sparverhalten derer, die am besten leben, also am meisten konsumieren.“ Das gebe Menschen, die überproportional viel verdienen, auch einen überproportional hohen Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen – vor allem, wenn sie plötzlich ihr Verhalten ändern. Etwa, indem sie ihre Sparquote ändern, was dann viele Agenten kopieren, so dass sich der Gesamtkonsum der Bevölkerung und die Wirtschaftskraft abrupt ändern. Ein bistabiles System kann so von einem Zustand in den anderen kippen. „Was wir zeigen, ist: Eine kleine Gruppe von sehr einflussreichen Hochverdiener*innen, die sehr viel Kapital haben, kann eine Wirtschaftskrise auslösen“, so Schöll.
Wirtschaftskrisen und Staubildung ähneln sich
Der vielfach ausgezeichnete Physiker sieht in der wirtschaftlichen Dynamik, die in der Studie zum Ausdruck kommt, Parallelen zur Staubildung im Straßenverkehr: Bewegen sich die meisten Fahrzeuge mit ähnlicher Geschwindigkeit voran, fließt der Verkehr – große Gegensätze dagegen bringen ihn ins Stocken. „Staus entstehen ebenfalls spontan, aus dem Nichts heraus“, sagt Schöll. „Und zwar dann, wenn die Fluktuation der Geschwindigkeit sehr groß ist. Das heißt, es gibt sehr schnelle Autos und sehr langsame.“
Die ganze „Forschung“ des ausgezeichneten, nein mehrfach ausgezeichneten Physikers …, warum versucht sich ein Physiker an sozialwissenschaftlichen Themen? Ist ihm der physische „Stoff“ ausgegangen? … die ganze Forschung basiert auf der Annahme, dass arme Schlucker ihr Konsumverhalten an Reichen ausrichten, sich diese Reichen zum Vorbild nehmen?
Deshalb die Frage im Titel: Kopieren Sie Bill Gates? Oder Elon Musk?
Oder … da fängt es schon an, die Annahme der „Menschen, die überproportional viel verdienen und einen überproportional hohen Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen haben“ – weil sie von anderen kopiert werden: WER SIND SIE? Wer ist das Vorbild, der Mensch mit „überproportional viel“ Verdienst und Einfluss, an dem Sie sich ausrichten?
Schon die Grundannahme dieses alten Schlappens von Forschung, die die olle Kamelle, dass Akteure nur begrenzt rational agieren zum Gegenstand hat, eine Annahme, die schon alt war, als sie von Cass Sunstein und Richard Thaler popularisiert wurde, weil sie von Herbert Simon schon 1955 formuliert wurde (A Behavioral Model of Rational Choice) und 1972 zur Theorie verdichtet wurde (A Theory of Bounded Rationality) aber Neuheit verkauft werden soll, lässt das Gähnen chronisch werden. Und es wird nicht besser, denn wenn ich in einem Modell, in dem sich nur drei Variablen über Zeit verändern können, nämlich die Höhe des Einkommens, die Sparrate und die „Schwankungen der Sparrate“ ein Beziehungsgeflecht einbaue, das alle mit geringerem Einkommen in ihrem Konsumverhalten an das Konsumverhalten bindet, das wenige mit hohem Einkommen zeigen, dann kann nur derjenige vom Ergebnis, dass das Konsumverhalten der vielen von dem der wenigen determiniert wird, überrascht sein, der nicht gedacht hätte, dass er in der Lage ist, ein Modell entsprechend seiner Annahmen zu spezifizieren.
But here we are:
„Die Erkenntnisse seien „relativ unerwartet“, erklärt Schöll, da in der klassischen Ökonomie meist externe Faktoren als Auslöser für eine Rezession gesehen würden: Internationale Konflikte, höhere Zölle, Störungen von globalen Lieferketten – all das kann sich negativ auf Handel, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum auswirken.“
Überraschend, dass jemand, der die externen Variablen, die „als Auslöser für eine Rezession gesehen“ werden, aus seinem Modell fernhält und in seinem Modell das Konsumverhalten weniger Reicher zum Dreh- und Angelpunkt des Konsumverhaltens vieler macht, es überraschend findet, wenn herauskommt, dass das Konsumverhalten weniger Reicher der Dreh- und Angelpunkt des Konsumverhaltens vieler ist.
Bullshit begetting Bullshit.
Was zurück zur Frage führt: Warum versuchen sich Physiker an Sozialwissenschaft und warum tun sie das ausgerechnet mit abstrusen Annahmen, die man schon mit der Frage: „Richten Sie ihr Konsumverahalten an Bill Gates aus?“ als kategorialen Unfug ausweisen kann? Oder: Wie viele Yachten besitzen Sie?
Haben diese ausgezeichneten Physiker nichts Besseres zu tun?
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