In Kürze:
- ZDF verwendete im „heute journal“ KI-generiertes Video ohne Kennzeichnung.
- FDP-Vize Wolfgang Kubicki spricht von einem „Medienskandal“.
- Der Sender entschuldigt sich und entfernt den Beitrag.
Mit scharfer Kritik hat FDP-Vize Wolfgang Kubicki auf die KI-Affäre des ZDF im Kontext eines Beitrags reagiert, den das „heute journal“ ausgestrahlt hatte. Am Sonntag, 15. Februar, hatte die zweitgrößte Nachrichtensendung Deutschlands über die Razzien der US-Einwanderungsbehörde ICE in den USA berichtet. Dabei hatte der Sender ein KI-generiertes Video sowie Material verwendet, das sachlich nicht zum Thema passte.
Wasserzeichen von KI-Tool im Video zu erkennen
Am Sonntagabend hatte Moderatorin Dunja Hayali in der Sendung erklärt, dass in sozialen Medien eine Vielzahl an Videos über ICE-Razzien in den USA die Runde machte. „Nicht alle sind echt, aber doch sehr viele“, erklärte die Moderatorin weiter. In jedem Fall erfolge die Festnahme potenzieller Abschiebungskandidaten mit „Gewalt“ und „Willkür“.
Die Szenen in den Videos hätten erreicht, dass ein „Klima der Angst“ entstanden sei, das „selbst vor Kindern nicht haltmacht“. In weiterer Folge zeigt der Beitrag eine Mutter und ihr Kind in New York City, die aus Honduras eingewandert seien und trotz eines richterlichen Abschiebungsverbots befürchten, ins Visier der Einwanderungsbehörde zu geraten.
Anschließend zeigt der Beitrag Szenen von Festnahmen, die ICE-Razzien zeigen sollen, und erläutert, diese seien es, die für Angst sorgten. Eine der gezeigten Szenen zeigt weinende Kinder mit ihrer Mutter, die angeblich von ICE abgeführt wird. Allerdings stammte diese Sequenz von Sora, einem KI-Tool von OpenAI, das zur Erstellung von Videosequenzen dient. Zu sehen war dies daran, dass das dazugehörige Wasserzeichen noch erkennbar war.
Dem „ÖRR-Blog“ fiel diese Unwägbarkeit auf und zog einen Beitrag auf X nach sich, der ein hohes Maß an Zustimmung generierte:
ZDF verwendet Archivmaterial ohne Sachbezug zur Illustration von Bericht über ICE
Ferner hieß es an einer anderen Stelle des Beitrags des „heute journals“, dass ICE-Agenten auch „Minderjährige vor ihren Schulen“ mitnähmen. Dazu zeigt der Sender eine Aufnahme, in der ein Junge, dessen Gesicht verpixelt wird, mit auf dem Rücken verschränkten Armen von einem uniformierten Beamten abgeführt wird.
Auch diese Sequenz weist einen nicht unerheblichen Schönheitsfehler auf. Sie zeigt nämlich keine Festnahme eines Schulkindes im Zuge einer der seit Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump angeordneten ICE-Razzien. Vielmehr handelt es sich um Archivmaterial aus Florida, das im Jahr 2022 entstand – als Trump gar nicht im Amt war. Hinter der Festnahme war auch keine einwanderungsrechtlich bedingte Abschiebung, sondern eine zuvor erfolgte Amokdrohung.
Kubicki: Manipulative Berichterstattung „ohne Störgefühl“
Auch die weitere Sequenz, die aus einem anderen Kontext stammte, zog eine Reaktion nach sich. Die stellvertretende Chefredakteurin Anne Gelinek erklärte dazu, man entschuldige sich „in aller Form für diese Fehler“, und fügte hinzu:
„Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen. Wir haben ihn deshalb von allen Plattformen entfernt.“
Kubicki hält die Angelegenheit mit der Entschuldigung und der angekündigten Richtigstellung am Dienstagabend an Ort und Stelle nicht für erledigt. Er fordert politische Konsequenzen und eine Kündigung der Rundfunkverträge durch die Länder.
ZDF: Einsatz von KI sollte Inhalt der Anmoderation illustrieren
Auf eine Anfrage der „WELT“, warum das ZDF überhaupt zu der Verwendung von KI-Bildern gegriffen habe, deutete der Sender an, damit habe man die Anmoderation Hayalis illustrieren wollen. Diese hatte von echten und falschen Bildern zum Zwecke der Erzeugung von Angst gesprochen. Man bedauere, „dass dabei nicht deutlich genug wurde, welche Bilder real sind und welche nicht“.
Allerdings hatte das ZDF die Sequenzen zu einem Zeitpunkt innerhalb des eigenen Beitrags verwendet, an dem laut Sprechertext es darum ging, wie ICE-Agenten Eltern vor den Augen ihrer Kinder festnehmen und Schüler von der Schule abführen.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)