Ob man ein Museum besucht, im Chor singt oder ins Theater geht: Kunst kann Depressionen reduzieren, das Immunsystem verbessern, ja sogar die Alterung verzögern. Spaß bringt das alles obendrein. Fünf Wege für den Start in ein kreatives Jahr
Kunst hilft. Auch diesem Cosplayer in Birmingham, der Marvel-Held Deadpool und Mal-Held Bob Ross zusammenbringt
Foto: Ollie Millington/Getty Images
Laufen, Yoga, Meditation oder die neuesten Diäten: Die üblichen Ratschläge zur Verbesserung der mentalen und körperlichen Gesundheit haben die meisten schon ausprobiert. Aber wer hat es schon mal mit mehr kreativer Betätigung versucht? Mein Vorschlag ist, genau das in diesem Jahr auszuprobieren.
Seit unsere Vorfahren in der Altsteinzeit damit begannen, Höhlen zu bemalen, Figuren zu schnitzen, zu tanzen und zu singen, ist Kunst eng mit Gesundheit und Heilung verknüpft. Auch in den frühen Schriften aller bedeutenden medizinischen Traditionen, trifft man auf die Kunst. Wesentlich neuer sind die wissenschaftlichen Belege, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten dafür gefunden wurden, was genau die gesundheitlichen Vorteile von Kunst und Kultur sind, und wie diese sich quantifizieren lassen.
Es gibt mittlerweile über hundert Studien zu den positiven Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Regelmäßiges Singen, Tanzen, Lesen, Basteln und kulturelle Aktivitäten reduzieren nachweislich die Symptome von Angstzuständen, Depressionen und Stress bei Menschen jeden Alters. Einige Studien haben die konventionelle Behandlung einer Depression mit einer Kombination aus kreativer Therapie – etwa Musiktherapie – mit Antidepressiva und Psychotherapie verglichen. Sie legen nahe, dass depressive Symptome mit der Kombinationstherapie fast doppelt so stark gelindert werden können.
Aber Kunst kann auch schon präventiv guttun. Leute, die regelmäßig ins Theater, zu Live-Konzerten, in Museen, Galerien und ins Kino gehen, haben ein fast halb so großes Risiko, Depressionen zu entwickeln. Und das liegt nicht nur daran, dass solche Menschen tendenziell wohlhabender oder gesünder sind oder sich sowieso gesundheitsfördernd verhalten. Es ist tatsächlich unabhängig von sozio-demografischen Merkmalen, Lebensstil und den Genen.
Kunst aktiviert dieselben Belohnungszentren im Gehirn wie Essen, Sex und Drogen
Stattdessen haben neurowissenschaftliche Forschungen und psychologische Experimente gezeigt, dass wir unserem Gehirn durch die Beschäftigung mit Kunst das geben, was es haben will, um glücklich zu sein. Wir aktivieren damit nämlich dieselben Lust- und Belohnungszentren im Gehirn, die auch durch Essen, Sex und Drogen aktiviert werden. Dazu kommen die positiven Auswirkungen von Hormonen wie Dopamin, die unsere Stimmung verbessern.
Außerdem geben wir unserem Gehirn, was es braucht: Tanzen, Singen, Handarbeiten und Schreiben helfen dabei, unsere psychologischen Bedürfnisse zu erfüllen, die die Bausteine unserer psychischen Gesundheit sind. Dazu gehören Autonomie, Kontrolle und ein Gefühl, etwas zu können. Entscheidend ist, dass verschiedene Kunstformen uns eine wirksame Möglichkeit bieten, unsere Emotionen zu regulieren. Je nach Situation beruhigen oder beleben sie uns. Und das hilft dabei, den Stress im Leben besser abzufedern und zu bewältigen.
Kunst kann langfristig sogar das Volumen der grauen Substanz im Gehirn erhöhen
Für unser Gehirn sind die Künste ein sehr effizientes Training, das verschiedene Regionen einbezieht, die unter anderem an der sensorischen Verarbeitung, dem Gedächtnis, der Bewegung, der Mustererkennung und den Emotionen beteiligt sind. Mit der Zeit kann regelmäßige Beschäftigung mit Kunst die Verbindungen zwischen verschiedenen Hirnregionen stärken und sogar das Volumen der grauen Substanz erhöhen. Tatsächlich haben Amateurmusiker und -künstler stärkere Verbindungen zwischen den Teilen des Gehirns, die anfällig für Alterung sind, und wirken auf Gehirn-Bildern „jünger“.
Die Beschäftigung mit Kunst, Handarbeiten, Lesen, Musizieren und der Besuch von kulturellen Veranstaltungen und Aufführungen baut das auf, was als „kognitive Reserve“ bekannt ist: die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegenüber kognitivem Verfall. Selbst wenn wir beginnen, pathologische Anzeichen von Demenz zu entwickeln, können unsere Gehirne das länger kompensieren. Selbst wenn man Lebensstil und persönliche Eigenschaften berücksichtigt, schneiden Menschen, die sich regelmäßig kulturellen Aktivitäten widmen, im Alter bei kognitiven Tests besser ab. Ihre Fähigkeiten gehen langsamer zurück und sie haben ein geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken. Im Vergleich zu Leuten, die sich nicht mit Kunst beschäftigen, erhalten sie diese Diagnose im Durschnitt auch in einem höheren Alter.
In unserem Körper gibt es kein physiologisches System, auf das die Künste keinen Einfluss haben. Wer etwa zum Singen tief einatmet, verbessert die Kraft seiner Atemmuskulatur und trainiert seine Lungen so intensiv wie bei einem schnellen Spaziergang. Wenn wir tanzen, sinken Blutdruck und Blutzuckerspiegel – und zwar stärker als bei ähnlichen Übungen ohne das kreative Element des Tanzes. Künstlerisches Tun stärkt das Immunsystem und senkt Entzündungswerte, die sowohl unsere körperliche als auch psychische Gesundheit beeinflussen.
Die „epigenetische Uhr“ von Menschen, die sich der Kunst widmen, ist jünger
Neueste Studien deuten sogar darauf hin, dass die Beschäftigung mit Kunst die Genexpression beeinflusst. Menschen weisen dann Muster der Genexpression (bekannt als „epigenetische Uhren“) auf, die jünger sind als die von Menschen, die sich nicht mit Kunst beschäftigen.
Ob wir unsere Finger beim Häkeln beweglich halten, unseren Körper durch Tanzen fit halten oder durch den Besuch von Konzerten und Kulturveranstaltungen aktiv bleiben: Die Beschäftigung mit Kunst verringert das Risiko, chronische Schmerzen, körperliche Beeinträchtigungen und Gebrechlichkeit zu entwickeln. Selbst wenn anderes gesundheitsförderndes Verhalten wie Sport bereits eingerechnet ist, kann sie unsere „Gesundheitsspanne“ verlängern, also die Lebenszeit, in der wir gesund sind.
Kunst ist kein Allheilmittel, sie kann auch Schaden anrichten
Bitte nicht falsch verstehen: Kunst ist kein Allheilmittel. Tatsächlich gibt es Beispiele dafür, dass Kunst mehr Schaden als Nutzen bringt. Extrem laute Musik und sogar surrealistische Kunst wurden bereits als Mittel zur Folter von Gefangenen eingesetzt. Und es gibt Kunst, die nur dazu dient, Reichtum und Macht in der Gesellschaft zur Schau zu stellen.
Aber man kann ohne Übertreibung sagen, dass Kunst Ihr Leben retten könnte. Im Laufe der Jahre haben mir viele Menschen erzählt, wie Malen, Lesen, Tanzen oder Schauspielern ihnen in scheinbar ausweglosen Lebenslagen ein Rettungsanker waren.
Ich würde auch wetten: Wenn ein neues Medikament mit den gleichen Vorteilen auf den Markt käme, würden die meisten Leute es nehmen wollen. Stattdessen betrachten viele die Beschäftigung mit Kunst als Luxus, nicht als Notwendigkeit. Obwohl Kunst und Kreativität genau das sein könnten, was wir brauchen, um unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden zu verbessern.
Überlegen Sie mal ganz ehrlich sich selbst gegenüber: Wie viele Minuten haben Sie gestern aktiv mit Kunst verbracht? (Mit „aktiv“ meine ich, dass Sie nicht gleichzeitig mit Multitasking beschäftigt waren. Also zähle ich Kopfhörer aufsetzen und dann mit den Gedanken woanders sein, nicht mit.) Als eine repräsentative Stichprobe von Erwachsenen in den USA kürzlich diese Frage beantwortete, gaben 95 Prozent von ihnen null an. Wenn Sie derzeit wie diese Mehrheit in den USA antworten würden, sind hier fünf bewährte Tipps, die den Einstieg erleichtern.
1. Finden Sie Ihre kreative Inspiration
Nutzen Sie Musik und Bücher, um Ihre Stimmung zu verbessern. Tauschen Sie etwa Ihren Weckerton am Morgen gegen ein Lied aus und nehmen Sie sich die Zeit, es sich anzuhören, bevor Sie aufstehen. Wenn Sie zur Arbeit pendeln, könnten Sie statt im Handy zu scrollen, einen Roman lesen. Die Ausschüttung von Dopamin durch Geschichten und Lieder erfolgt nicht nur an den erfreulichsten oder spannendsten Stellen – den Refrains in Liedern und Höhepunkten in Handlungssträngen –, sondern auch durch die Spannung, die sich im Vorfeld dieser Momente aufbaut, wenn unser Gehirn vorwegnimmt, was kommen wird.
Wenn sich dagegen ein Lied oder eine Geschichte zu vorhersehbar anfühlt, können sie langweilig wirken (man denke an Musik im Aufzug). Dann kann sich nicht genug Erwartung aufbauen. Wenn sich Lied oder Buch dagegen außerhalb unserer Komfortzone befinden, weiß unser Gehirn nicht, wie es sie beurteilen soll, sodass das Gefühl der Freude von Spannung und Auflösung an uns vorbeigeht. Daher: Fühlen Sie sich nicht genötigt, ein Buch oder ein Album zu wählen, das Sie lesen oder anhören sollten. Sie können die Freude, die Ihnen Kunst bereitet, maximieren, indem Sie Ihren persönlichen Mittelweg zwischen Vertrautheit und Komplexität finden.
2. Suchen Sie sich ein kreatives Hobby
Mit nur einmal zwischen 30 und 60 Minuten wöchentlicher Beschäftigung mit Kunst lässt sich laut Studien innerhalb von sechs Wochen eine Verbesserung des Wohlbefindens erkennen. Überlegen Sie bei der Wahl, welche unerfüllten psychologischen Bedürfnisse Sie in Ihrem Leben erkennen. Wenn Sie das Gefühl haben, die Kontrolle verloren zu haben, suchen Sie sich ein Hobby, bei dem Sie die Führung übernehmen können, ohne Anweisungen zu benötigen, wie Zeichnen, kreatives Schreiben oder Modellieren mit Ton.
Wenn Sie sich nach einem Gefühl der Kompetenz sehnen, versuchen Sie etwas, das Ihnen ermöglicht, eine neue Fähigkeit zu entwickeln. Handarbeiten wie Häkeln oder ein Instrument wie Ukulele spielen können im Winter eine passende Option sein, sei es mithilfe von YouTube-Anleitungen oder einem Kurs an Ihrem Wohnort. Eine gute Motivation kann sein, sich selbst ein Ziel zu setzen, auf das man hinarbeitet (eine Aufführung oder ein Geschenk für Freunde).
Und denken Sie daran, dass Fehler machen essenziell dazu gehört, ein Gefühl davon aufzubauen, etwas erreicht zu haben. Wenn ein Keramikstück also in sich zusammenfällt oder der Schal sich wieder auflöst, kann das Üben des Umgangs mit solchen Misserfolgen die eigene Widerstandsfähigkeit stärken.
3. Besuchen Sie Ausstellungen
Ob Sie ein Fan von Renaissance-Gemälden, zeitgenössischen Skulpturen, immersiven audiovisuellen Installationen oder Street-Art sind, Ausstellungen sind ein wunderbarer Weg, Faszination zu erleben. Aber stellen Sie sicher, dass Sie wirklich gucken! Im Durchschnitt nehmen wir uns nur 28 Sekunden Zeit, um ein Kunstwerk in einer Ausstellung zu betrachten (und einen Großteil geht für Fotosmachen drauf).
Wir brauchen drei bis vier Sekunden, um eine grundlegende emotionale Reaktion auf ein Kunstwerk zu entwickeln, und zehn Sekunden, um kognitiv zu entscheiden, was wir von ihm halten. Wenn wir jedoch auf eine bedeutungsvollere Kunstbegegnung hoffen, brauchen wir Zeit, um zu schauen, nachzudenken, zu reagieren, erneut zu schauen und so weiter. Das dauert Minuten, nicht Sekunden. Versuchen Sie also nicht, zu viel auf einmal aufzunehmen. Besser ist es, sich mit nur ein paar wenigen Ausstellungsstücken tiefgehender zu beschäftigen, als zu versuchen, alles sehen zu wollen.
4. Rhythmus kann Ihre Trainingsergebnisse verbessern
Wenn wir Musik hören und tanzen, synchronisieren sich unsere Bewegungen, unser Atem und die Herzfrequenz mit dem Rhythmus. Wenn die Musik motivierend ist (schnell, beschwingt, fröhlich), laufen wir weiter, treten schneller in die Pedale oder schaffen 20 Prozent mehr Bankdrücken in derselben Zeit.
Musik kann auch physiologische Rückkopplungssignale von Müdigkeit und Schmerzen hemmen und unsere Bewegungen effizienter machen. Musik ist also praktisch eine legale leistungssteigernde Droge. Ein Tempo von 125 bis 140 Schlägen pro Minute ist eine gute Faustregel für das Training. Sie können aber auch ein höheres Tempo wählen, wenn Sie versuchen, Bewegungen wie Ihren Laufstil zu synchronisieren.
5. Tauchen Sie in eine Fantasiewelt ein
Viele Erwachsene haben die Tendenz, Spiel als albern und kindisch abzutun. Wie falsch wir damit liegen. Wenn wir in imaginäre Welten eintauchen, ermöglicht uns die vorübergehende Aufhebung sozialer Normen und Hierarchien, die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Das hilft dem Gehirn, mentale Flexibilität zu entwickeln, um mit unvorhersehbaren Veränderungen im Leben umzugehen. Also geben Sie Ihrer Fantasie Raum, sei es durch die Ausrichtung eines Krimi-Theaterabends, durch Cosplay oder einen Karneval- oder Festivalbesuch, den Sie in Ihren Kalender eintragen können.
Um ehrlich zu sein, haben mir die Gesundheitstrends, die ich über die Jahre hin ausprobiert habe, nicht viel Freude bereitet. Vergangenen Januar beschloss ich dann, zu tun, was ich predige. Im Rückblick kann ich wirklich sagen, dass sich die mentalen Höhepunkte des Jahres alle um meine Erfahrungen mit Kunst gedreht haben. Ich wünsche allen einen ähnlichen Erfolg bei ihren kreativen Aktivitäten im Jahr 2026.
Übersetzung: Carola Torti
tur sind, und wie diese sich quantifizieren lassen. Es gibt mittlerweile über hundert Studien zu den positiven Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Regelmäßiges Singen, Tanzen, Lesen, Basteln und kulturelle Aktivitäten reduzieren nachweislich die Symptome von Angstzuständen, Depressionen und Stress bei Menschen jeden Alters. Einige Studien haben die konventionelle Behandlung einer Depression mit einer Kombination aus kreativer Therapie – etwa Musiktherapie – mit Antidepressiva und Psychotherapie verglichen. Sie legen nahe, dass depressive Symptome mit der Kombinationstherapie fast doppelt so stark gelindert werden können.Aber Kunst kann auch schon präventiv guttun. Leute, die regelmäßig ins Theater, zu Live-Konzerten, in Museen, Galerien und ins Kino gehen, haben ein fast halb so großes Risiko, Depressionen zu entwickeln. Und das liegt nicht nur daran, dass solche Menschen tendenziell wohlhabender oder gesünder sind oder sich sowieso gesundheitsfördernd verhalten. Es ist tatsächlich unabhängig von sozio-demografischen Merkmalen, Lebensstil und den Genen.Kunst aktiviert dieselben Belohnungszentren im Gehirn wie Essen, Sex und DrogenStattdessen haben neurowissenschaftliche Forschungen und psychologische Experimente gezeigt, dass wir unserem Gehirn durch die Beschäftigung mit Kunst das geben, was es haben will, um glücklich zu sein. Wir aktivieren damit nämlich dieselben Lust- und Belohnungszentren im Gehirn, die auch durch Essen, Sex und Drogen aktiviert werden. Dazu kommen die positiven Auswirkungen von Hormonen wie Dopamin, die unsere Stimmung verbessern.Außerdem geben wir unserem Gehirn, was es braucht: Tanzen, Singen, Handarbeiten und Schreiben helfen dabei, unsere psychologischen Bedürfnisse zu erfüllen, die die Bausteine unserer psychischen Gesundheit sind. Dazu gehören Autonomie, Kontrolle und ein Gefühl, etwas zu können. Entscheidend ist, dass verschiedene Kunstformen uns eine wirksame Möglichkeit bieten, unsere Emotionen zu regulieren. Je nach Situation beruhigen oder beleben sie uns. Und das hilft dabei, den Stress im Leben besser abzufedern und zu bewältigen.Kunst kann langfristig sogar das Volumen der grauen Substanz im Gehirn erhöhenFür unser Gehirn sind die Künste ein sehr effizientes Training, das verschiedene Regionen einbezieht, die unter anderem an der sensorischen Verarbeitung, dem Gedächtnis, der Bewegung, der Mustererkennung und den Emotionen beteiligt sind. Mit der Zeit kann regelmäßige Beschäftigung mit Kunst die Verbindungen zwischen verschiedenen Hirnregionen stärken und sogar das Volumen der grauen Substanz erhöhen. Tatsächlich haben Amateurmusiker und -künstler stärkere Verbindungen zwischen den Teilen des Gehirns, die anfällig für Alterung sind, und wirken auf Gehirn-Bildern „jünger“.Die Beschäftigung mit Kunst, Handarbeiten, Lesen, Musizieren und der Besuch von kulturellen Veranstaltungen und Aufführungen baut das auf, was als „kognitive Reserve“ bekannt ist: die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegenüber kognitivem Verfall. Selbst wenn wir beginnen, pathologische Anzeichen von Demenz zu entwickeln, können unsere Gehirne das länger kompensieren. Selbst wenn man Lebensstil und persönliche Eigenschaften berücksichtigt, schneiden Menschen, die sich regelmäßig kulturellen Aktivitäten widmen, im Alter bei kognitiven Tests besser ab. Ihre Fähigkeiten gehen langsamer zurück und sie haben ein geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken. Im Vergleich zu Leuten, die sich nicht mit Kunst beschäftigen, erhalten sie diese Diagnose im Durschnitt auch in einem höheren Alter.In unserem Körper gibt es kein physiologisches System, auf das die Künste keinen Einfluss haben. Wer etwa zum Singen tief einatmet, verbessert die Kraft seiner Atemmuskulatur und trainiert seine Lungen so intensiv wie bei einem schnellen Spaziergang. Wenn wir tanzen, sinken Blutdruck und Blutzuckerspiegel – und zwar stärker als bei ähnlichen Übungen ohne das kreative Element des Tanzes. Künstlerisches Tun stärkt das Immunsystem und senkt Entzündungswerte, die sowohl unsere körperliche als auch psychische Gesundheit beeinflussen.Die „epigenetische Uhr“ von Menschen, die sich der Kunst widmen, ist jüngerNeueste Studien deuten sogar darauf hin, dass die Beschäftigung mit Kunst die Genexpression beeinflusst. Menschen weisen dann Muster der Genexpression (bekannt als „epigenetische Uhren“) auf, die jünger sind als die von Menschen, die sich nicht mit Kunst beschäftigen.Ob wir unsere Finger beim Häkeln beweglich halten, unseren Körper durch Tanzen fit halten oder durch den Besuch von Konzerten und Kulturveranstaltungen aktiv bleiben: Die Beschäftigung mit Kunst verringert das Risiko, chronische Schmerzen, körperliche Beeinträchtigungen und Gebrechlichkeit zu entwickeln. Selbst wenn anderes gesundheitsförderndes Verhalten wie Sport bereits eingerechnet ist, kann sie unsere „Gesundheitsspanne“ verlängern, also die Lebenszeit, in der wir gesund sind.Kunst ist kein Allheilmittel, sie kann auch Schaden anrichtenBitte nicht falsch verstehen: Kunst ist kein Allheilmittel. Tatsächlich gibt es Beispiele dafür, dass Kunst mehr Schaden als Nutzen bringt. Extrem laute Musik und sogar surrealistische Kunst wurden bereits als Mittel zur Folter von Gefangenen eingesetzt. Und es gibt Kunst, die nur dazu dient, Reichtum und Macht in der Gesellschaft zur Schau zu stellen.Aber man kann ohne Übertreibung sagen, dass Kunst Ihr Leben retten könnte. Im Laufe der Jahre haben mir viele Menschen erzählt, wie Malen, Lesen, Tanzen oder Schauspielern ihnen in scheinbar ausweglosen Lebenslagen ein Rettungsanker waren.Ich würde auch wetten: Wenn ein neues Medikament mit den gleichen Vorteilen auf den Markt käme, würden die meisten Leute es nehmen wollen. Stattdessen betrachten viele die Beschäftigung mit Kunst als Luxus, nicht als Notwendigkeit. Obwohl Kunst und Kreativität genau das sein könnten, was wir brauchen, um unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden zu verbessern.Überlegen Sie mal ganz ehrlich sich selbst gegenüber: Wie viele Minuten haben Sie gestern aktiv mit Kunst verbracht? (Mit „aktiv“ meine ich, dass Sie nicht gleichzeitig mit Multitasking beschäftigt waren. Also zähle ich Kopfhörer aufsetzen und dann mit den Gedanken woanders sein, nicht mit.) Als eine repräsentative Stichprobe von Erwachsenen in den USA kürzlich diese Frage beantwortete, gaben 95 Prozent von ihnen null an. Wenn Sie derzeit wie diese Mehrheit in den USA antworten würden, sind hier fünf bewährte Tipps, die den Einstieg erleichtern.1. Finden Sie Ihre kreative InspirationNutzen Sie Musik und Bücher, um Ihre Stimmung zu verbessern. Tauschen Sie etwa Ihren Weckerton am Morgen gegen ein Lied aus und nehmen Sie sich die Zeit, es sich anzuhören, bevor Sie aufstehen. Wenn Sie zur Arbeit pendeln, könnten Sie statt im Handy zu scrollen, einen Roman lesen. Die Ausschüttung von Dopamin durch Geschichten und Lieder erfolgt nicht nur an den erfreulichsten oder spannendsten Stellen – den Refrains in Liedern und Höhepunkten in Handlungssträngen –, sondern auch durch die Spannung, die sich im Vorfeld dieser Momente aufbaut, wenn unser Gehirn vorwegnimmt, was kommen wird.Wenn sich dagegen ein Lied oder eine Geschichte zu vorhersehbar anfühlt, können sie langweilig wirken (man denke an Musik im Aufzug). Dann kann sich nicht genug Erwartung aufbauen. Wenn sich Lied oder Buch dagegen außerhalb unserer Komfortzone befinden, weiß unser Gehirn nicht, wie es sie beurteilen soll, sodass das Gefühl der Freude von Spannung und Auflösung an uns vorbeigeht. Daher: Fühlen Sie sich nicht genötigt, ein Buch oder ein Album zu wählen, das Sie lesen oder anhören sollten. Sie können die Freude, die Ihnen Kunst bereitet, maximieren, indem Sie Ihren persönlichen Mittelweg zwischen Vertrautheit und Komplexität finden.2. Suchen Sie sich ein kreatives HobbyMit nur einmal zwischen 30 und 60 Minuten wöchentlicher Beschäftigung mit Kunst lässt sich laut Studien innerhalb von sechs Wochen eine Verbesserung des Wohlbefindens erkennen. Überlegen Sie bei der Wahl, welche unerfüllten psychologischen Bedürfnisse Sie in Ihrem Leben erkennen. Wenn Sie das Gefühl haben, die Kontrolle verloren zu haben, suchen Sie sich ein Hobby, bei dem Sie die Führung übernehmen können, ohne Anweisungen zu benötigen, wie Zeichnen, kreatives Schreiben oder Modellieren mit Ton.Wenn Sie sich nach einem Gefühl der Kompetenz sehnen, versuchen Sie etwas, das Ihnen ermöglicht, eine neue Fähigkeit zu entwickeln. Handarbeiten wie Häkeln oder ein Instrument wie Ukulele spielen können im Winter eine passende Option sein, sei es mithilfe von YouTube-Anleitungen oder einem Kurs an Ihrem Wohnort. Eine gute Motivation kann sein, sich selbst ein Ziel zu setzen, auf das man hinarbeitet (eine Aufführung oder ein Geschenk für Freunde).Und denken Sie daran, dass Fehler machen essenziell dazu gehört, ein Gefühl davon aufzubauen, etwas erreicht zu haben. Wenn ein Keramikstück also in sich zusammenfällt oder der Schal sich wieder auflöst, kann das Üben des Umgangs mit solchen Misserfolgen die eigene Widerstandsfähigkeit stärken.3. Besuchen Sie AusstellungenOb Sie ein Fan von Renaissance-Gemälden, zeitgenössischen Skulpturen, immersiven audiovisuellen Installationen oder Street-Art sind, Ausstellungen sind ein wunderbarer Weg, Faszination zu erleben. Aber stellen Sie sicher, dass Sie wirklich gucken! Im Durchschnitt nehmen wir uns nur 28 Sekunden Zeit, um ein Kunstwerk in einer Ausstellung zu betrachten (und einen Großteil geht für Fotosmachen drauf).Wir brauchen drei bis vier Sekunden, um eine grundlegende emotionale Reaktion auf ein Kunstwerk zu entwickeln, und zehn Sekunden, um kognitiv zu entscheiden, was wir von ihm halten. Wenn wir jedoch auf eine bedeutungsvollere Kunstbegegnung hoffen, brauchen wir Zeit, um zu schauen, nachzudenken, zu reagieren, erneut zu schauen und so weiter. Das dauert Minuten, nicht Sekunden. Versuchen Sie also nicht, zu viel auf einmal aufzunehmen. Besser ist es, sich mit nur ein paar wenigen Ausstellungsstücken tiefgehender zu beschäftigen, als zu versuchen, alles sehen zu wollen.4. Rhythmus kann Ihre Trainingsergebnisse verbessernWenn wir Musik hören und tanzen, synchronisieren sich unsere Bewegungen, unser Atem und die Herzfrequenz mit dem Rhythmus. Wenn die Musik motivierend ist (schnell, beschwingt, fröhlich), laufen wir weiter, treten schneller in die Pedale oder schaffen 20 Prozent mehr Bankdrücken in derselben Zeit.Musik kann auch physiologische Rückkopplungssignale von Müdigkeit und Schmerzen hemmen und unsere Bewegungen effizienter machen. Musik ist also praktisch eine legale leistungssteigernde Droge. Ein Tempo von 125 bis 140 Schlägen pro Minute ist eine gute Faustregel für das Training. Sie können aber auch ein höheres Tempo wählen, wenn Sie versuchen, Bewegungen wie Ihren Laufstil zu synchronisieren. 5. Tauchen Sie in eine Fantasiewelt einViele Erwachsene haben die Tendenz, Spiel als albern und kindisch abzutun. Wie falsch wir damit liegen. Wenn wir in imaginäre Welten eintauchen, ermöglicht uns die vorübergehende Aufhebung sozialer Normen und Hierarchien, die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Das hilft dem Gehirn, mentale Flexibilität zu entwickeln, um mit unvorhersehbaren Veränderungen im Leben umzugehen. Also geben Sie Ihrer Fantasie Raum, sei es durch die Ausrichtung eines Krimi-Theaterabends, durch Cosplay oder einen Karneval- oder Festivalbesuch, den Sie in Ihren Kalender eintragen können.Um ehrlich zu sein, haben mir die Gesundheitstrends, die ich über die Jahre hin ausprobiert habe, nicht viel Freude bereitet. Vergangenen Januar beschloss ich dann, zu tun, was ich predige. Im Rückblick kann ich wirklich sagen, dass sich die mentalen Höhepunkte des Jahres alle um meine Erfahrungen mit Kunst gedreht haben. Ich wünsche allen einen ähnlichen Erfolg bei ihren kreativen Aktivitäten im Jahr 2026.