Wenn die jährlichen Zinskosten, wie dies in Japan bereits der Fall ist, mehr kosten als die Wirtschaft des Landes Jahr für Jahr wächst, dann kosten die aufgenommenen Kredite den Staat mehr als sie einbringen. Japan ist an dieser Stelle zwar derzeit das extremste Beispiel, aber es steht nicht alleine dar, weil alle großen westlichen Staaten ein Primärdefizit aufweisen.

Das heißt, sie geben mehr aus als sie einnehmen und dies bereits noch bevor sie ihre Zinsen für bestehende Kredite bezahlt haben. Wenn die Zinskosten allerdings nicht mehr aus den laufenden Einnahmen bestritten werden können, sondern nur noch durch neue Kredite gedeckt werden können, kann man dies auch als ein Ponzi-Spiel bezeichnen, das nur so lange funktioniert, wie es gelingt, neue unwissende Spieler in dieses Spiel einzuführen, um mit ihrem Geld anschließend jene Spieler zu bezahlen, die schon länger dabei sind.

Entgehen können die Käufer von Staatsanleihen diesem Debakel im Grunde nur auf zwei Wegen: Sie können entweder deutlich höhere Zinsen fordern oder sie können den Markt für Staatsanleihen verlassen und diese einfach nicht mehr kaufen. Beide Möglichkeiten bestehen theoretisch. Aber praktisch lassen sie sich kaum umsetzen.

Machen Sie sich nichts vor: Versicherungen und Pensionsfonds werden dieses abgekartete Spiel mitspielen, solange die Musik noch spielt

Fordern die Investoren beispielsweise höhere Zinsen müssten sie sich aktiv gegen die Zentralbanken stellen. Das wird vermutlich nicht geschehen, denn die Masse der Investoren an den Anleihemärkten wird nicht gegen die Zentralbanken spekulieren. Sie wissen, dass die Notenbanken am längeren Hebel sitzen, weil sie prinzipiell solange Anleihen am Markt kaufen können, bis der Kurs schließlich auf das von ihnen gewünschte Niveau zurückfällt.

Über diese finanzielle Macht verfügt kein Privatanleger und auch kein institutioneller Investor. Ihnen bleibe somit nur nur die Möglichkeit, dem Markt für Staatsanleihen als Ganzem fernzubleiben. Doch hat jemand dies vor, stellt sich sofort die Frage nach den Alternativen. Der Markt für Staatsanleihen ist rund doppelt so groß wie der für Aktien und letztere sind momentan schon recht ambitioniert bepreist.

Wohin also mit dem vielen Geld, das Versicherungen und Pensionskassen zu verwalten haben? Das Gold ist an dieser Stelle keine Lösung. Man kann zwar etwas Gold zur Absicherung dem eigenen Portfolio beimischen, doch sein ganzes Vermögen in Edelmetalle umzuschichten, das vermag vielleicht noch ein einzelner Privatanleger, aber gewiss nicht eine der großen Versicherungen oder Pensionskassen.

Diese wissen, dass sie quasi dazu verdammt sind, das Spiel mit den Staatsanleihen so lange mitzuspielen wie es nur irgendwie geht. Das tun sie bereits und werden es auch weiterhin tun. Kein Kleinanleger sollte allerdings so naiv sein, zu glauben, seine Ersparnisse seien bei der Versicherung X oder dem Pensionsfonds Y sicher, nur weil diese immer noch ihr Geld, was im Grunde sein Geld ist, wie gewohnt am Anleihenmarkt anlegen.

 





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