In diesem Artikel thematisiert Maike Gosch die Neugründung der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“. Sie werde offiziell und organisatorisch an die Mutterpartei angebunden sein. Im Umfeld des Gründungsparteitages sei es zu massiven Protesten und Straßenblockaden, aber auch gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen. Gefragt wird, wie wir aus dieser Spirale der Eskalation wieder herauskommen. Der AfD werde von vornherein u.a. unterstellt, nicht an der Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft mitwirken zu wollen. In dieser Unterstellung liege „das Grundproblem des politischen gordischen Knotens, mit dem wir es zu tun haben“. Demokratie brauche jedoch Vertrauen – in die Bevölkerung und auch in den politischen Gegner. Wir danken für die interessanten Leserbriefe. Die nun folgende Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.
1. Leserbrief
Sehr geehrte Frau Gosch,
vielen Dank für Ihren Artikel, mit dem Sie das politische Feld sehr gut analysiert haben.
Die vermeintliche “Zivilgesellschaft”, deren jakobinisches Reden und Handeln Sie beschreiben, würde (und tut dies bereits, wenn es sich anbietet) auch gegen dezidiert linke Parteien wie das BSW zu Felde ziehen, wenn das BSW größeres politisches Gewicht hätte und seine Opposition gegen den Regierungskurs ernstnehmen würde. Auch klassisch sozialdemokratisch orientierte Medien wie die NachDenkSeiten haben in der vornehmen “Zivilgesellschaft” der Wohlgesinnten und Selbstgerechten einen schlechten Leumund – die Farce um die Akkreditierung von Florian Warweg in der Bundespressekonferenz ist dafür nur eines von vielen Beispielen. Denken Sie, die wohlgesonnene und tolerante “Zivilgesellschaft” wäre mit Warweg auf den Straßen Gießens, wenn er von dort versucht hätte zu berichten, anders umgesprungen als mit dem Reporterteam um Maximilian Tichy? Wohl kaum.
Die angebliche Sorge der progressiven “Zivilgesellschafter” um “UnsereDemokratie” und wegen autoritär-faschistischer Tendenzen ist nur vorgeschoben; wäre die Sorge kein Vorwand, würde es doch mindestens mit der gleichen Vehemenz “zivilgesellschaftliche” Proteste gegen den Hochrüstungs- und Kriegskurs der Regierung geben. Oder die wackeren “UnsereDemokraten” würden gegen das dichtgewobene Netz der als Meldestellen getarnten Denunziationsportale ebenso Front machen wie gegen das unlängst aufgedeckte umfassende “Zensurnetzwerk” (liber-net.org/wp-content/uploads/2025/11/de-report-de.pdf ), welches sich über EUropa mit einem starken Schwerpunkt in Deutschland erstreckt. Oder die anti-autoritären “Zivilgesellschafter” würden den unzähligen Mitbürgern protestierend zur Seite springen, denen aufgrund von Meinungsäußerungen nicht nur der politische Prozeß gemacht wird, sondern die auch Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen müssen (wie etwa vor wenigen Wochen der bekannte Medienwissenschaftler Norbert Bolz). Oder auch die von der EU geplante und gewünschte “Massenüberwachung durch vollautomatisierte Echtzeit-Chatkontrolle und damit die Abschaffung des digitalen Briefgeheimnisses” (Patrick Breyer), das sog. “client-side-scanning”, würde die liberale “Zivilgesellschaft” sicher zu Massenprotesten auf die Straße treiben.
Doch das steht von Seiten der vielfältigen “Zivilgesellschafter” nicht zu erwarten. Nicht von ungefähr erschallte aus der Mitte dieser eifernden Vorkämpfer für eine bessere Welt während des ungerechtfertigten pandemischen Ausnahmezustandes, als eine stattliche Zahl an Bürgern ihre Entrechtung nicht hinnehmen mochte, der fröhliche Ruf “Mehr Diktatur wagen” (ein Schriftsteller namens Brussig hatte die Chuzpe, einen Artikel mit dieser Überschrift in der SZ zu veröffentlichen: sueddeutsche.de/kultur/corona-diktatur-thomas-brussig-1.5199495?reduced=true).
Bei Lichte betrachtet, handelt es sich bei der bunten “Zivilgesellschaft” um – zum großen Teil von der Regierung finanzierte – Nicht-Regierungs-Organisationen, die das Geschäft der Regierung betreiben und zur Bekämpfung jedweder nennenswerten Opposition eingesetzt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Frank Graf
2. Leserbrief
Leider habe ich wieder einmal den Fehler gemacht, einen Beitrag der NDS zu lesen, der sich mit der AfD und den Protesten gegen sie beschäftigt. Seit geraumer Zeit ist festzustellen, dass Ihre Autoren zunehmend Verständnis für diese Partei und deren Wähler äußern. Eine aus meiner Sicht fatale Entwicklung.
Jens Berger war ja vor einiger Zeit auch bereits der Ansicht, dass sich politischer Protest gegen die regierenden Parteien zu richten habe und nicht gegen die Opposition.
Nun also werden erneut die Proteste gegen die AfD thematisiert, nein eher diskreditiert.
Dabei sind diese Proteste genauso berechtigt, wie sie z.B. gegen die ehemalige grüne Friedenspartei notwendig wären, oder (hätte sie noch politische Relevanz) gegen die F.D.P.
Die AfD ist eine zunehmend radikalisierte Partei, ebenso ein erheblicher Teil ihrer Wähler. Nicht nur im Osten der Republik wählen Neonazis diese Partei aus Überzeugung. Das muss man konstatieren, das muss man kritisieren, das muss man bekämpfen. Wir sind -frei nach Kästner- irgendwo zwischen Schneeball und Lawine.
Auf die Einzelheiten des Artikels und die einseitigen Bewertungen des Protestes möchte ich gar nicht groß eingehen.
Ja, 27% der Wähler würden diese Partei aktuell wählen, aber 73% würden dies eben NICHT tun. Und diese 73% sollen ihre Meinung, auch lautstark und unbequem, nicht kundtun dürfen?
Wenn die Autorin dann noch unbelegt von 50 verletzten Polizisten berichtet, die in einem der verlinkten Meldungen zu nur noch „mehreren leicht verletzten Einsatzkräften“ mutieren, ist das einfach nur schlecht recherchiert.
Geradezu absurd wird es dann aber am Ende des Artikels, wenn die Autorin konstatiert, der AfD werde „von vornherein unterstellt, nicht an der Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft mitwirken zu wollen und auch „nur vordergründig an aktuellen gesellschaftlichen ökonomischen Fragen sowie deren Lösung interessiert“ zu sein.“
Und die Autorin fragt: „Woher nehmen die Vertreter dieser Haltung ihre Sicherheit – können sie Gedanken lesen?“
Man fragt sich unwillkürlich, in welchen abgelegenen Landstrichen dieses Planeten die Autorin in den letzten 12 Jahren seit Gründung dieser Partei umhergeirrt ist.
Nein, Frau Gosch, man muss keine Gedanken lesen können. Es ist auch keine „Unterstellung“, es ist schlicht die Erfahrung aus 12 Jahren „Sorgen ernst nehmen“ und „zuhören“.
Es reicht, wenn man Ohren hat, zu hören und noch ein wenig politischen Grips in der Birne, um (Zitat Albrecht Müller) „selbst zu denken.“
Das alles traue ich einer „Kommunikationsstrategin“ durchaus zu. Warum also dieser Beitrag?
Ich habe die NDS immer sehr geschätzt, leider wird mir aber die Lektüre nach solchen Beiträgen bald nicht mehr möglich sein.
Das aber wäre sehr schade.
P. Sauer
3. Leserbrief
Werte Frau Gosch,
hätte auch nur ein Bruchteil im Parlament ihren Sachverstand und ihre Logik… „Viele AfD-Mitglieder mussten unter Polizeischutz zum Gelände gebracht werden“. Ich stelle mir vor, die Polizei wäre nicht vor Ort, dann hätten wir vermutlich Zustände wie zu SA-Zeiten, heute gerne demokratisch/antifaschistisch verwaschen. Diese entfesselten „Horden“ ohne jedes demokratische Gespür, scheinen zunehmend gewalttätiger und aufgehetzter (durch wen?) zu agieren. Sie nennen sich Antifaschisten und gebärden sich im Einklang mit ihren politischen Förderern selbst wie Faschisten, benutzen auch deren „Geräte und Waffen“: Denunziantentum, Ausgrenzung, Berufsverbote, Parteiverbot, Diffamierungen etc., dies mit überhöht anmutender Zustimmung, weil eine „Organisation“ es so sieht/vorgibt. Demokratie, was macht diese aus? Offene öffentliche Debatten/Diskussionen über alle wichtigen Themen des Lebens und die den Bürger bewegen und ängstigen – mit Mitgliedern ALLER Parteien, gerne auch mit intelligenten! Komplette Fehlanzeige. „Die AfD ist damit zurzeit die stärkste und beliebteste Partei in Deutschland“. Warum wohl? Ich wähle sie schon länger ohne Parteibuch, weil ich erkenne, dass wir unzählige gravierende Probleme haben, die anderen Parteien diese aber ignorieren, stattdessen neue kreieren, Kriegsphantasien z.B. Als Bürger erwarte ich, dass gewählte Politvertreter/Platzhalter sich dieser drückenden Probleme annehmen, ohne darauf zu achten wie und mit wem man die nächste Wahl gewinnt, inhaltliche Gegenwartspolitik ohne Silberblick nennt man das wohl. Dieses bläulich unterlegte RP-Pamphlet trieft nur so von falschen Inhalten: WER verweigert denn der AfD die Teilnahme an wichtigen öffentlichen Besprechungen/Debatten und somit an der Willensbildung und Gestaltung unserer (demokratischen?) Gesellschaft mit fadenscheinigen unhaltbaren Anwürfen? „Ängste und Ressentiments in der Bevölkerung zu schüren, indem sie gegen Minderheiten, zum Beispiel Asylsuchende, hetzen“. Die AfD ist die einzige Partei mit einer jüdischen Gruppe, Migranten nehmen zu in der Partei, wer zuhören kann und möchte bekommt auch mit was angedacht ist – und das berechtigt. Das Thema Migration i.V. mit hoher (belegter) Kriminalität ist ein wichtiges Überlebens-/Kostenthema für die autochthone Bevölkerung, ebenso wie für die vielen integrierten Migranten. Wer Augen und Ohren verschließt und/oder nur ÖRR konsumiert bleibt außen vor und gerät unters sprichwörtliche Rad. Informationen gibt es nur im Plural, in der journalistischen Vielfalt, weniger bei den zwangsfinanzierten Medien, welche sich um Finanzierung keine Gedanken machen müssen und dem Kunden präsentieren was sie für gut und richtig halten. Demnächst stehen angeblich wieder Sender-Abschaltungen bevor, weitere Bevormundung Richtung betreutes Denken. Kurzer Rückblick: Vor einigen Jahren hatte ich mal eine Anfrage, ob es möglich ist, die A7 von Nord bis Süd als Trasse für die Stromverteilung der Offshore-Anlagen zu verwenden, mit Ost-/Westverteilern. ALLE Parteien angeschrieben, die Einzige die geantwortet hat war die AfD, dazu noch umfangreich und sachkundig, mehr zu Parteienvielfalt, Bürgerwahrnehmung und Verständnis (kommt von Verstand) erübrigt sich! Ich wähle Intelligenz und Bürgerwahrnehmung, keine Ignoranten.
Mit freundlichen Grüßen
E. Bauer
4. Leserbrief
Hallo,
in ihrem Artikel versuchen sie, was sehr begrüßenswert ist, den Umgang mit der AFD aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Letztlich kommen sie zu dem Schluss, dass man der Bevölkerung vertrauen soll und das schlimmste wird dann schon verhindert werden.
Ich bin da anderer Ansicht, denn leider haben wir das ganze schon einmal 1933 erlebt. Die NSDAP hatte noch nicht einmal die Mehrheit und die Konservativen dachten, sie könnten in ihrem Sinne auf Hitler einwirken.
Die CDU läuft jetzt schon bei vielen Themen der AFD hinterher, speziell beim Migrationsthema. Dort werden vermutlich immer mehr alle Hemmungen fallen wie man jetzt schon beim Umgang mit den wartenden Afghanen in Pakistan sieht. Es handelt sich nur um ca. 2000 Personen, dabei viele Kinder und Frauen, die sich gegen die Taliban eingesetzt haben und die will man trotz ursprünglicher Zusage Folter und Tod unter diesem unsäglichen Regime aussetzen. Und das ist noch die aktuelle CDU-Regierung. Was soll man sich also in dieser Richtung vorstellen, wenn die AFD das Sagen hat. Wer glaubt denn bei den bisherigen Aussagen der AFD, dass sobald sie die Macht hat nicht alle Schranken fallen und allen Grausamkeiten Tür und Tor geöffnet werden zunächst gegen sogenannte illegale Migranten, dann gegen alle Migranten, Bürgergeldempfänger und Andersdenkende. Und abwählen lassen sich die Herrschaften sicher nicht mehr. Was jetzt schon alles getan wurde, um den Einzug des BSW ins Parlament zu verhindern, zeigt dass es viele Möglichkeiten gibt, wenn man dann noch die Medien in der Hand hat.
Ein Grund für das Wachsen der AFD ist sicherlich die Ukrainepolitik der anderen Parteien. Aber selbst da hört man ja nur, dass die AFD auch auf 5% aufrüsten will. Außerdem will sie eine libertäre Politik, weniger Steuern… also die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer.
Natürlich ist es ein großes Problem, dass es keine richtige Alternative zu den jetzigen handelnden Parteien gibt, außer eventuell die Linke, aber mit der AFD wird auf jeden Fall alles noch schlimmer, dann wird der Rechtsstaat endgültig abgeschafft.
Ich finde es deswegen sehr gefährlich, die AFD zu verharmlosen. Auch vermutlich viele ihrer Leser stehen der AFD wenig kritisch gegenüber, wie ich z.B. auch beim Besuch eines ihrer Gesprächskreise sehen konnte. Insgesamt ist die aktuelle Situation kaum zu ertragen, da die verschiedenen Richtungen sich hauptsächlich durch “Feinde” wie Russland oder die Migranten definieren, statt vernünftige, zukunftsfähige Politik anzustreben.
Auf die Wähler zu vertrauen, fällt mir deswegen sehr schwer, zumal die AFD schon jetzt viele wählen, obwohl sie gegen ihre eigenen Interessen handeln würde. Vor allem, wenn die sogenannten Protestwähler dann ihren Fehler einsehen, ist es dann wahrscheinlich zu spät.
Mit freundlichen Grüßen
B.B.
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