In diesem Artikel thematisiert Maike Gosch die Befragung des ehemaligen Krisenmanagement-Beamten Stephan Kohn durch den CDU-Abgeordneten Axel Müller in der Enquete-Kommission des Bundestags zur Corona-Aufarbeitung. Sie sei ein Skandal. Plötzlich sei Herr Müller nämlich sehr persönlich geworden. Daraufhin sei es zum Aufruhr im Saal gekommen, „da viele der Anwesenden wussten, worauf Müller hier abspielte: eine schreckliche Erfahrung aus Kohns Kindheit“. Kohns Antwort sei dennoch würdevoll gewesen. Eine inzwischen vorgelegte Stellungnahme von Herrn Müller sei eine „Nichtentschuldigung“. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir danken für die interessanten Leserbriefe, die wir hierzu bekommen haben. Die nun folgende Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.

1. Leserbrief

Sehr geehrte Maike Gosch,

danke für das Thematisieren dieses meiner Meinung nach (leider) beispielhaften sowie ekelerregenden Vorgangs.

Nachfolgend beispielhaft einige meiner Meinung nach besonders bedeutende/zutreffende Sätze/Aussagen im Artikel:

“Aber unabhängig von der Einzelfallbetrachtung ist der Vorgang auch die konsequente Weiterentwicklung des unsäglichen Umgangs seit jetzt schon über zehn Jahren mit Dissidenten zur herrschenden Meinung in Deutschland. …”

und

“Erstaunlicherweise griff die Vorsitzende der Kommission, Franziska Hoppermann (CDU/CSU), (..) nicht ein, (..) Die Vorsitzende sagte (..) den (..) sehr merkwürdigen Satz: „So, jetzt beruhigen wir uns alle mal eine Runde.“ Spätestens hier hätte eine sehr scharfe Zurückweisung der Vorgehensweise von Herrn Müller durch sie erfolgen sollen.”

und

“… was man hier sieht, ist eine Entwicklung, vor der wir uns alle in Acht nehmen sollten – egal, welcher politischen Überzeugung wir angehören …”

Allein das Verhalten der Kommissionsvorsitzenden in diesem Vorgang bringt mich persönlich zu der Meinung das Herr Müller nicht alleine handelt und dass diese Art der Verunglimpfung womöglich geplant war.

Es geht meiner Meinung nach in Deutschland mittlerweile sehr offensichtlich um nichts Geringeres als um ja/nein zu Frieden, Menschlichkeit und Demokratie (nicht zu verwechseln mit “unsere/r Demokratie”) – was im Interesse aller auch weniger politisch interessierten Bürgern bei den unterschiedlichsten Themen/Vorkommnissen auffallen könnte/sollte/müsste. Denn es steht (zu) viel auf dem Spiel!

Herzliche Grüße
Andreas Rommel

2. Leserbrief

Sehr geehrte Frau Gosch,

Zum Beitrag gibt es Verschiedenes zu bemerken:

Vertuschungsvorwürfe und Vertuschen, da ist im Hintergrund immer so ein Beigeschmack von Verschwörung. Wie mit Verschwörungstheorien umgegangen wird, ist nur zu gut bekannt.

Vertuschen ist ja auch ein wichtiges Instrument der Propaganda.

Verheimlichen ein tägliches Geschehen in Medien und Politik. Gutes Beispiel ist die EU wo Entscheidungen und die Entscheidungsvorgänge im tiefen Schatten gehalten werden vor der Bevölkerung. Übrigens Entscheidungen getroffen durch nicht demokratisch Gewählte.

Ein Paradebeispiel zu Vertuschung ist das Thema Nordstream. Hinweis dazu: das Buch: Die Nordstream Sprengung von Bojan Pancevski.

Ebenfalls das Darstellen der 90 Milliarden für Ukraine als Kredit/Darlehen, in Realität ein Geschenk da selbst dem Einfältigsten klar ist, dass Russland niemals Reparation zahlen wird, was gekoppelt ist an Rückzahlung.

Was die CDU angeht, da könnte man zur Überzeugung kommen, dass es sich um eine Sammlung von Neokonservativen handelt. Was es mit Neocons auf sich hat, ist in den USA klar ersichtlich.

Die Verrohung von Wort und Tat in der Politik ist ja nicht begrenzt auf die Außenpolitik, sondern setzt sich generell durch, je weiter man sich von Demokratie und Rechtsstaat entfernt.

Mit freundlichem Gruß
Patrick Janssens

3. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten,

bitte präzise bleiben: Die unterste Schublade befindet sich in einem vermoderten Kasten, der in der hintersten Ecke des Kellers eines verfallenen Hauses in einem von Gott verlassenen Dorf steht.

Die Äußerungen dieses ………………….. (bitte selbst einsetzen) sind eigentlich nur mit Worten, Begriffen und Vergleichen zu beschreiben, für die diese Art von menschlichen Wesen eigens einen Paragraphen eingeführt haben, der für die Staatsform Unseredemokratie bestens geeignet ist.

Diese “Darbietung” wird in die deutsche Geschichte eingehen und zukünftigen Generationen ermöglichen, nachzuempfinden, wie es damals war. Hoffentlich gibt es dann genug Physiotherapeuten, die das Schleudertrauma vom unentwegten Kopfschütteln gut behandeln können.

Wie kann so etwas abgrundtief Widerliches heute in Deutschland möglich sein, ohne dass es Konsequenzen hat? Wozu ist Deutschland mutiert?

Mit sich zu tiefst gruselnden Grüßen
Gerd Lingner

4. Leserbrief

Sehr geehrte Frau Gosch,

Sie schreiben gegen Ende Ihres sehr interessanten Berichts über das unsägliche Verhalten des CDU-Abgeordneten Müller: „Menschen, die eine andere politische Meinung vertreten, sind nicht (notwendigerweise) verrückt, traumatisiert, ungebildet oder böse.“ Das ist in meinen Augen nun auch ein ganz ordentliches Framing, und es geht auch noch in dieselbe Richtung wie die in dem Artikel kritisierte Haltung: „nicht notwendigerweise“ heißt: „aber im Allgemeinen schon“, oder? Oder ist das ironisch gemeint? Eine Retourkutsche vielleicht? Es ist ja in der Corona-Dissidentenszene seinerzeit viel gegrübelt worden über die möglichen individualpsychischen Störungen der mainstream-Follower. Beliebt war vor allem die Vermutung, sie seien in ihrer Kindheit traumatisiert worden.

Wie auch immer: Irgendwie komme ich mit dem zitierten Satz nicht so ganz zurecht.

Unerträglich finde ich am Verhalten von Herrn Müller übrigens auch die das Framing begleitende pseudotherapeutische Herablassung; er streichelt Herrn Kohn sozusagen über den Kopf: ‚Sie haben es schwer gehabt früher, nicht wahr, Sie armes Würstchen?‘ Ekelhaft.

Mit freundlichen Grüßen,
Julia Weiss

Anm. d. Redaktion: Der Satz war tatsächlich ironisch gemeint und bezog sich darauf, dass Herr Müller in der Befragung anzudeuten schien, eine andere/kritische Einschätzung der Corona-Maßnahmen könne (nur) einer traumatischen Erfahrung in der Kindheit entspringen.

5. Leserbrief

Maike Gosch hat sehr deutlich aufgezeigt, dass das Verhalten des CDU-Abgeordnete Axel Müller mehr als “unterste Schublade” ist, da dieser versuchte den ehemaligen Krisenmanagement-Beamten Stephan Kohn als unglaubwürdig dastehen zu lassen. Dazu benutzte er eine Kommunikationstechnik mit der er Mitgefühl für Kohn vortäuschte, der in seiner Kindheit u. Jugend Opfer von sexueller Gewalt geworden war.

Hoch perfide, dass Müller durch sein Täuschungsmanöver eine Strategie praktizierte, die nicht selten in Missbrauchsverfahren von Verteidigern und Richtern in Weiß (Gutachter) benutzt wurde (und wird?), um Aussagen von Zeugen, die selbst Opfer von sexuellem Missbrauch geworden waren als nicht ‘gerichtsverwertbar’ abzuqualifizieren.

Dass Müllers Absicht gründlich misslang ist u.a. dem kompetenten, sachorientierten Verhalten des ehemaligen Krisenmanagement-Beamten Stephan Kohn zu verdanken.

Müller, wie insgesamt die Verfahrensweise der Enquetekommission offenbaren, dass diesen an umfassender Aufklärung im Umgang mit dem Corona-Komplex wenig gelegen ist, was konkret heißt, dass die seinerzeit zuständigen PolitikerInnen nicht zur Verantwortung gezogen werden.

All das nährt bei nicht wenigen Menschen Misstrauen bis Ablehnung gegenüber dem, was sich “unsere Demokratie” nennt, die in Orwell’scher Manier ihre institutionelle Macht missbraucht, siehe Methode der Täter-Opfer-Umkehr.

“Sie reden ALLE von “Freiheit”, aber sie wollen UNTERTANEN”(Ardalan Ibrahim)

L.G.
Ute Plass

6. Leserbrief

Grüße Sie, werte NDS – LESERBRIEFE und Frau Gosch.

Danke für Ihren Beitrag, der mal wieder zeigt, dass Politiker nicht nur eine qualifizierte Berufsausbildung brauchen, sondern auch noch eine charakterliche Eignungs-Prüfung vor einem “Ausschuss” ablegen müssen, bevor sie auf das Volk “losgelassen” werden können.

Dieser Artikel wird der AFD sehr wahrscheinlich wieder einen ordentlichen Stimmenzuwachs bescheren, dank der verlotterten Politiker, die danach sagen werden, dass das ja gar nicht so gemeint war. PFUI, über solche Unmenschen.

Auch hier wurde wieder einmal die MENSCHEN-WÜRDE in den Schmutz getreten.

J. Juhre

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