Der Oberst Douglas Macgregor, ein pensionierter US-Offizier, Militärexperte und häufiger Gast in alternativen Medien, hat in einem Interview mit Judge Andrew Napolitano am 20. Januar 2026 scharfe Kritik an der aktuellen US-Außenpolitik unter Präsident Donald Trump geübt. Das Gespräch auf dem Kanal „Judging Freedom“ trägt den Titel „Foreign Policy Without a Plan, Who’s in charge?“ und beleuchtet eine Phase zunehmender Unberechenbarkeit in der amerikanischen Weltpolitik.

Undeclared wars are commonplace – nicht erklärte Kriege sind alltäglich geworden, und die US-Regierung führt präventive Aggressionen durch, ohne dass die Bevölkerung oder Institutionen wirksam protestieren. Macgregor sieht darin einen Verlust an Freiheit und mahnt, dass die Ablehnung initiierter Gewalt durch den Staat Grundlage einer wirklich freien Gesellschaft sein müsse.

Wer bestimmt die US-Außenpolitik?

Im Zentrum des Interviews steht die Frage, wer eigentlich die US-Außenpolitik leitet. Macgregor antwortet nüchtern: Offiziell sei es Präsident Trump, doch eine kohärente „Foreign Policy“ existiere kaum. Stattdessen spreche man im Weißen Haus von „economic statecraft“, was für den Rest der Welt wie Raub oder Erpressung wirke.

Trump verfolge einen Ansatz, bei dem Macht legitim sei und er selbst entscheide, was im Interesse der USA liege – von Venezuela über Grönland bis zum Nahen Osten und Osteuropa. Es gebe kein übergeordnetes Thema oder Werturteil, sondern puren Opportunismus: Was Trump für vorteilhaft halte, werde verfolgt.

Völkerrecht und Verfassung

Napolitano und Macgregor diskutieren Trumps Haltung zum Völkerrecht. Der Präsident habe in Interviews erklärt, internationale Gesetze und Verträge seien nutzlos, solange sie nicht seinen eigenen moralischen und geistigen Maßstäben entsprächen.

Macgregor sieht darin Ehrlichkeit, betont aber, dass Trump verfassungsrechtlich an Verträge (wie die UN-Charta oder Genfer Konventionen) gebunden sei, die als „supreme law“ gelten. Dennoch habe fast jeder Präsident – von FDR bis heute – Grauzonen genutzt, um eigene Interessen durchzusetzen, oft ohne Konsequenzen.

Geheimdienste, Iran und Russland

Ein zentraler Punkt ist die mutmaßliche Rolle der CIA unter Direktor John Ratcliffe. Macgregor hält es für unwahrscheinlich, dass die CIA ohne stillschweigende Billigung des Präsidenten in jüngste Unruhen im Iran verwickelt war – inklusive Provokationen, die zu Toten führen sollten, um einen Regimewechsel wie 1953 auszulösen.

Er verweist auf Äußerungen des Ex-CIA-Chefs Mike Pompeo, der den Mossad lobte, und betont die enge Verbindung zu AIPAC und dem Israel-Lobby. Ähnlich skeptisch sieht Macgregor die Berichte über einen angeblichen Anschlag auf Putins Residenz, den die CIA koordiniert haben soll: Trump habe plausible Deniability, aber ein solcher Schritt ohne sein Wissen sei kaum vorstellbar – auch wenn vergangene Präsidenten wie Roosevelt teils im Dunkeln gelassen wurden.

Vertrauensverlust in der Diplomatie

Die Vertrauenswürdigkeit der USA als Verhandlungspartner und Verbündeter sei massiv beschädigt. Zu viele 180-Grad-Wenden, Inkonsistenz und nun die öffentliche Zitierung privater Gespräche europäischer Staatschefs durch Trump machten Diplomatie fast unmöglich.

Niemand werde mehr offen sprechen, wenn alles publik werden könne.

Gaza, Russland und fehlende Strategie

Macgregor äußert sich skeptisch zu Trumps jüngsten Initiativen, wie dem „Board of Peace“ für Gaza. Trump habe Putin und andere eingeladen, unter einem Milliarden-Dollar-„Eintrittspreis“, doch Netanyahu habe das letzte Wort.

Die Russen – Lavrov und Putin – sähen das als unrealistisch und als Versuch, die UN zu umgehen, mit Trump als Vorsitzendem eines exklusiven Clubs relevanter Mächte. Es fehle an Vorbereitung, Agenda und Ernsthaftigkeit, wie schon beim Alaska-Treffen mit Putin, das ohne echte Vorbereitung ablief und russische Forderungen nach einer umfassenden Sicherheitsarchitektur ignorierte.

Syrien und regionale Folgen

In Syrien kritisiert Macgregor die Anerkennung von „Golani“ (ehemals al-Qaida-naher Figur) als Ergebnis von Mossad-, MI6- und CIA-Operationen zur Destabilisierung Assads.

Das habe Chaos geschaffen, das nun Türkei, Iran und andere gegen kurdische Gruppen vereine – ironischerweise Kräfte, die die USA zuvor aufgebaut hätten.

Iran, Energie und Großmachtkonflikt

Zum Iran sieht Macgregor einen Angriff als unvermeidlich: Keine Invasion möglich (Iran ist zu groß), aber Bombardements oder Proxy-Kriege, um das Land zu fragmentieren und Öl/Gas zu kontrollieren – ein Ziel aus den 1990er-Plänen von Perle und Wolfowitz, um China zu erpressen.

Türkei und Russland fürchteten Chaos an ihren Grenzen, China 30 % seiner Ölimporte aus dem Golf. Macgregor warnt vor Unterschätzung der Widerstandskraft anderer Mächte.

Grönland, Rohstoffe und NATO

Abschließend thematisiert er Grönland und Rare Earths: Statt militärischer Drohungen sollte man mit Norwegen (das große Offshore-Vorkommen hat) kooperieren, Raffinerien bauen und Abhängigkeit von China reduzieren.

Stattdessen konfrontiere Trump NATO-Partner wie Feinde, was das Bündnis zerstöre und Russland verwirre – denn Stabilität an den Grenzen sei für Moskau wichtiger als der Kollaps der NATO ohne US-Führung.

Gesamtbild

Macgregor zeichnet das Bild einer planlosen, machtzentrierten US-Politik, die Verbündete verprellt, Gegner stärkt und langfristig das eigene Land gefährdet – eine Warnung vor einer Außenpolitik, die mehr Aggression als Strategie ist.



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