Die USA und einige NATO-Staaten in Europa haben sich heftig ineinander verhakt. Ein Zollkrieg zwischen den Vereinigten Staaten und der EU zieht auf, während die NATO politisch Schaden nimmt. Hätte sich das vermeiden lassen?


Auf nach Grönland: Auch die deutsche Bundeswehr war Teil der NATO-Minimalpräsenz in Grönland

Foto: Alessandro Rampazzo/ Getty Images


Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Norwegen, Schweden, Finnland und natürlich Dänemark hätten statt ihrer „Erkundungsmission“ besser die Olsenbande nach Grönland schicken sollen. Da Donald Trump so nachtragend sein kann, hätte ihn das gewiss nachsichtig gestimmt und nicht zur Zollwaffe greifen lassen.

Es kommt eben auf den feinen Unterschied an. Heben Egon, Benny und Kjeld Olsen kokett den Zeigefinger und sagen bis hierhin und nicht weiter, glaubt man ihnen sofort, dass sie sich einen Jux machen und den Amerikanern nichts Böses wollen. Bei den „Erkundungsmissionaren“ vom Wochenende verhielt es sich im Prinzip genauso, nur kam bei ihnen erschwerend hinzu, dass sie den Amerikanern auch nichts Böses können, wenn die sich Grönland holen. Aber die Entsandten taten, als wäre es anders.

Donald Trump wirkt wild entschlossen, Grönland zu übernehmen

Nun ist der Schlamassel da, und die NATO wirkt plötzlich auch wie ein Jux oder Bluff, weil innerlich zerrissen. Wenn Russland auf dem Sprung nach Europa ist, wie deutsche Politiker unablässig versichern, müsste in dieser Hinsicht bald etwas passieren. Wird es aber nicht, was dieselben Politiker genauso gut wissen. Wladimir Putin ist weder irrsinnig noch suizidaler Neigungen verdächtig. Dass er die Ukraine 2022 angriffen hat, geschah – unter anderem – in dem Bewusstsein, dass auch das Gros der NATO-Politiker nicht selbstmörderisch veranlagt ist und den großen Crash meidet.

Jedenfalls scheint Donald Trump entschlossen, Grönland nicht als expandierenden US-Stützpunkt zu übernehmen, sondern als US-Hoheitsgebiet. Offen bleibt, ob Dänemark Grönland verkaufen kann oder nach einer Besetzung durch US-Truppen aufgeben muss. Vermutlich wird für Kopenhagen mehr herauszuschlagen sein als 1867 für das russische Zarenreich beim Verkauf Alaskas an die Vereinigten Staaten. Ganze 7,2 Millionen Dollar (heute etwa 160 Millionen) sprangen für die Überseekolonie heraus.

Acht NATO-Staaten haben nun drei Tage lang durch eine symbolische Minimalpräsenz an Militärs auf der umstrittenen Arktisinsel den Eindruck erweckt, sie könnten den politischen Preis für eine mögliche Grönland-Annexion hochtreiben. Nur worin sollte dieser Preis für die USA bestehen? Darin, dass deren Doktrin Schaden nimmt, nach der sich jeder Staat selbst der nächste ist und entsprechend handeln darf, wenn er die Macht dazu hat.

Einer für alle, und alle für einen?

Die überwiegend kniefälligen Reaktionen in Europa auf die US-Aggression gegen Venezuela deuteten darauf hin, damit leben zu können, wenn es „die Richtigen“ trifft. Um Donald Trump für die Übernahme Grönlands einen Preis abzuverlangen, müsste es Sanktionen geben, wie sie sonst nur gegen Russland, Kuba oder Iran verhängt werden. Nur wer sollte das wagen und wie durchsetzen? Die NATO schon einmal nicht. Sie ist ohnmächtig gegen die Macht ihrer (Noch-)Führungsnation.

Und wenn schon von Preisen die Rede ist, dann zahlt ihn auf und durch Grönland das Bündnis selbst. Sein Kernversprechen einer kollektiven Verteidigungsgarantie steht zur Disposition, wenn ein NATO-Staat einen anderen NATO-Staat um große Territorien erleichtern darf. „Einer für alle, und alle für einen, sonst sind wir erledigt“, hat gerade der polnische Premier Donald Tusk getwittert.

Wie soll etwa Litauen damit umgehen, wenn das nicht mehr stimmt oder anders gefragt: Wie wird der baltische Staat gegen Russland verteidigt, das doch ein Auge darauf geworfen haben soll, wenn die westliche Allianz nur noch ein unsicherer Kantonist ist? Steht dann die dort stationierte Panzerbrigade 45 der Bundeswehr demnächst allein im Feuer und auf weiter Flur?

Das Europa der NATO-Willigen muss zusehen, was geschieht

Die seit geraumer Zeit unverkennbare innere Erosion der NATO geht durch die Grönland-Frage in einen Zustand der Selbstdemontage über. Dies wird sich durch einen möglichen Zollkrieg zwischen den USA und der EU nicht aufhalten, sondern als existenzielle Krise nur ausweiten lassen. Wenn eine Militärallianz, die sich dem Ziel verschrieben hat, militärische Bedrohungen abzuwenden, durch ihre Führungsnation zur Bedrohung für die Mitgliedsstaaten wird, hat sie ihren Sinn verloren.

Das Absurde und geradezu Tragikomische für das so lange und so treu ergebene Europa der NATO-Willigen besteht darin, dass es schockiert und wie betäubt zusehen muss, was geschieht. Hat man sich nicht immer gut aufgehoben gefühlt – und das auch zum Ausdruck gebracht –, wenn die USA im Namen der NATO an vielen Orten der Welt „Drecksarbeit“ übernommen und sich dabei wenig um das Völkerrecht geschert haben? Nun wird man selbst mit „Dreck“ beworfen.

Dieser Text ist zuerst erschienen am 19. Januar 2026

n. Bei den „Erkundungsmissionaren“ vom Wochenende verhielt es sich im Prinzip genauso, nur kam bei ihnen erschwerend hinzu, dass sie den Amerikanern auch nichts Böses können, wenn die sich Grönland holen. Aber die Entsandten taten, als wäre es anders.Donald Trump wirkt wild entschlossen, Grönland zu übernehmenNun ist der Schlamassel da, und die NATO wirkt plötzlich auch wie ein Jux oder Bluff, weil innerlich zerrissen. Wenn Russland auf dem Sprung nach Europa ist, wie deutsche Politiker unablässig versichern, müsste in dieser Hinsicht bald etwas passieren. Wird es aber nicht, was dieselben Politiker genauso gut wissen. Wladimir Putin ist weder irrsinnig noch suizidaler Neigungen verdächtig. Dass er die Ukraine 2022 angriffen hat, geschah – unter anderem – in dem Bewusstsein, dass auch das Gros der NATO-Politiker nicht selbstmörderisch veranlagt ist und den großen Crash meidet.Jedenfalls scheint Donald Trump entschlossen, Grönland nicht als expandierenden US-Stützpunkt zu übernehmen, sondern als US-Hoheitsgebiet. Offen bleibt, ob Dänemark Grönland verkaufen kann oder nach einer Besetzung durch US-Truppen aufgeben muss. Vermutlich wird für Kopenhagen mehr herauszuschlagen sein als 1867 für das russische Zarenreich beim Verkauf Alaskas an die Vereinigten Staaten. Ganze 7,2 Millionen Dollar (heute etwa 160 Millionen) sprangen für die Überseekolonie heraus.Acht NATO-Staaten haben nun drei Tage lang durch eine symbolische Minimalpräsenz an Militärs auf der umstrittenen Arktisinsel den Eindruck erweckt, sie könnten den politischen Preis für eine mögliche Grönland-Annexion hochtreiben. Nur worin sollte dieser Preis für die USA bestehen? Darin, dass deren Doktrin Schaden nimmt, nach der sich jeder Staat selbst der nächste ist und entsprechend handeln darf, wenn er die Macht dazu hat.Einer für alle, und alle für einen? Die überwiegend kniefälligen Reaktionen in Europa auf die US-Aggression gegen Venezuela deuteten darauf hin, damit leben zu können, wenn es „die Richtigen“ trifft. Um Donald Trump für die Übernahme Grönlands einen Preis abzuverlangen, müsste es Sanktionen geben, wie sie sonst nur gegen Russland, Kuba oder Iran verhängt werden. Nur wer sollte das wagen und wie durchsetzen? Die NATO schon einmal nicht. Sie ist ohnmächtig gegen die Macht ihrer (Noch-)Führungsnation.Und wenn schon von Preisen die Rede ist, dann zahlt ihn auf und durch Grönland das Bündnis selbst. Sein Kernversprechen einer kollektiven Verteidigungsgarantie steht zur Disposition, wenn ein NATO-Staat einen anderen NATO-Staat um große Territorien erleichtern darf. „Einer für alle, und alle für einen, sonst sind wir erledigt“, hat gerade der polnische Premier Donald Tusk getwittert.Wie soll etwa Litauen damit umgehen, wenn das nicht mehr stimmt oder anders gefragt: Wie wird der baltische Staat gegen Russland verteidigt, das doch ein Auge darauf geworfen haben soll, wenn die westliche Allianz nur noch ein unsicherer Kantonist ist? Steht dann die dort stationierte Panzerbrigade 45 der Bundeswehr demnächst allein im Feuer und auf weiter Flur?Das Europa der NATO-Willigen muss zusehen, was geschiehtDie seit geraumer Zeit unverkennbare innere Erosion der NATO geht durch die Grönland-Frage in einen Zustand der Selbstdemontage über. Dies wird sich durch einen möglichen Zollkrieg zwischen den USA und der EU nicht aufhalten, sondern als existenzielle Krise nur ausweiten lassen. Wenn eine Militärallianz, die sich dem Ziel verschrieben hat, militärische Bedrohungen abzuwenden, durch ihre Führungsnation zur Bedrohung für die Mitgliedsstaaten wird, hat sie ihren Sinn verloren.Das Absurde und geradezu Tragikomische für das so lange und so treu ergebene Europa der NATO-Willigen besteht darin, dass es schockiert und wie betäubt zusehen muss, was geschieht. Hat man sich nicht immer gut aufgehoben gefühlt – und das auch zum Ausdruck gebracht –, wenn die USA im Namen der NATO an vielen Orten der Welt „Drecksarbeit“ übernommen und sich dabei wenig um das Völkerrecht geschert haben? Nun wird man selbst mit „Dreck“ beworfen.Dieser Text ist zuerst erschienen am 19. Januar 2026



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