Unbeabsichtigte Konsequenzen eines sinnlosen Krieges
In einer aktuellen Ausgabe der Sendung Judging Freedom führte Judge Andrew Napolitano ein intensives Gespräch mit dem renommierten Politikwissenschaftler Professor John Mearsheimer. Das Thema: die unbeabsichtigten Konsequenzen einer gedankenlosen und unnötigen Kriegspolitik.
Im Fokus standen die US-Interventionen in Venezuela, der Konflikt in der Ukraine sowie weitere geopolitische Krisenherde wie Jemen, Iran und der Nahe Osten. Mearsheimer, bekannt für seine realistische Sicht auf internationale Beziehungen, kritisierte scharf die US-Außenpolitik unter Präsident Donald Trump und hob die Grenzen militärischer Macht hervor.
Das Interview, das am 18. Dezember 2025 stattfand, beleuchtet die Eskalationen und Fehlschläge der Trump-Administration und wirft ein Licht auf die globalen Implikationen. Im Folgenden eine ausführliche Zusammenfassung und Analyse des Gesprächs.
Die Venezuela-Krise: Eine selbstverschuldete Falle
Das Gespräch begann mit der jüngsten Eskalation in Venezuela: Die US-Militärs haben einen Öltanker mit 100 Millionen Barrel Rohöl beschlagnahmt und eine Blockade gegen das Land verhängt. Mearsheimer interpretierte dies als verzweifelten Versuch der Trump-Administration, aus einer selbstgeschaffenen Sackgasse herauszukommen.
„Die Administration sucht nach Wegen, um das Maduro-Regime loszuwerden und das Problem vom Tisch zu bekommen“, erklärte er. Die USA hätten Venezuela frühzeitig als Bedrohung dargestellt und geglaubt, es leicht handhaben zu können – eine Fehleinschätzung, die zu einer Serie von Eskalationen führte.
Mearsheimer erinnerte an die wechselnden Strategien: Zunächst operierte die CIA im Land, dann wurden Boote zerstört und unschuldige Menschen getötet. Es folgte die Androhung einer Landinvasion, die Schließung des Luftraums und nun die Beschlagnahme von Tankern sowie eine Blockade.
„Das alles zeigt, wie hilflos die Administration ist“, betonte er.
Die Begründungen für die Interventionen haben sich ebenfalls verändert: Von der Anerkennung Juan Guaidós als „wahrem Präsidenten“ im Jahr 2017 – der heute als Graduierter in Miami lebt – über Drogenhandel (Fentanyl und Kokain, was laut US-Behörden nicht mehr zutrifft) bis hin zu Trumps jüngster Behauptung, Venezuela habe „unser Land und unser Öl gestohlen“.
Napolitano ergänzte, dass diese „Boxing-in“-Strategie laut Colonel Lawrence Wilkerson täglich eine Milliarde Dollar koste.
International gesehen, so Mearsheimer, wird diese Politik als chaotisch wahrgenommen. Das Töten auf hoher See, die Beschlagnahme von Öl und eine Blockade – die nach der Genfer Konvention ein Kriegsakt ist – stoßen auf Ablehnung.
„Die meisten Menschen weltweit und viele in den USA halten die Trump-Administration für außer Kontrolle“, sagte er.
Dies passe in ein Muster von Fehlschlägen in der US-Außenpolitik, einschließlich Ukraine, Iran und Palästina. Trump prahle damit, acht Kriege beendet zu haben und einen Nobelpreis zu verdienen, doch die Realität sehe anders aus:
„Er hat fast überall versagt.“
Vergleich mit dem Houthi-Konflikt: Grenzen militärischer Macht
Mearsheimer zog Parallelen zum Konflikt mit den Houthi-Rebellen in Jemen. Trump hatte Anfang 2025 erklärt, Joe Biden sei nicht hart genug gewesen und er würde die Houthis schnell besiegen. Nach einem Monat und 500 Millionen Dollar gab er auf und gab zu, dass sie „harte Kerle“ seien.
„Das ist ein weiteres Beispiel, wo er sich in eine Ecke manövriert hat“, analysierte Mearsheimer.
Die USA unterschätzten die Grenzen militärischer Macht: Drohungen oder Einsätze lösen politische Probleme nicht, die eine diplomatische Lösung erfordern.
Generell kritisierte er die US-Eliten für ihren mangelnden Realismus: „Sie haben kein gesundes Verständnis für die Limits dessen, was man mit Militärmacht erreichen kann.“
Dies führe zu „Messen“, wie in Venezuela oder Jemen, wo militärische Interventionen zu unbeabsichtigten Konsequenzen führen – Eskalation, Widerstand und langfristige Instabilität.
Der Ukraine-Konflikt: Eine Farce der Verhandlungen
Ein zentraler Teil des Interviews drehte sich um die Ukraine. Kürzlich hatte Bundeskanzler Olaf Scholz in Berlin – in Anwesenheit von Präsident Emmanuel Macron, Premierminister Keir Starmer, Steve Witoff und Jared Kushner – einen Waffenstillstands-Vorschlag präsentiert.
Dieser sah eine ukrainische Armee von 800.000 Soldaten vor, unterstützt von US-Geheimdiensten und EU-Truppen in einem neutralen Ukraine, sowie eine russische Demilitarisierung 150 Meilen in russisches Territorium hinein.
Mearsheimer nannte dies „verrückt“ und „180 Grad entfernt von russischen Forderungen“. Die Russen, vertreten durch Dmitri Peskow und Sergei Lawrow, lehnen Waffenstillstände ab, da sie eine Umgruppierung des Feindes ermöglichen.
Witoff und Kushner hatten am 2. Dezember fünf Stunden mit Putin verbracht und kannten die russischen Positionen – Neutralität der Ukraine, Entmilitarisierung und territoriale Zugeständnisse. Dennoch ignorierten sie diese in Berlin.
„Warum mit Putin reden, wenn man seine Worte ignoriert?“, fragte Mearsheimer.
Trump habe sich selbst behindert, indem er seinen Außenminister (einen Neokon) umgehe und stattdessen Immobilienmakler wie Witoff und Kushner schicke, die diplomatische Nuancen nicht verstehen.
Putins Frustration war spürbar: In einem Clip nannte er Europa „politische Lakaien“ oder „Ferkel“ der USA und beklagte gescheiterte Pläne, Russland zu zerstören.
Lawrow äußerte Besorgnis über US-Aktionen in der Karibik und im Pentagon.
Mearsheimer betonte, dass der Konflikt auf dem Schlachtfeld entschieden werde: Russland wolle so viel Territorium wie möglich erobern und die Ukraine als dysfunktionalen Rumpfstaat hinterlassen. Selbst nach einem „eingefrorenen Konflikt“ erwarte er giftige Beziehungen – einen langen Kalten Krieg in Europa.
Trumps Unfähigkeit, den Krieg zu beenden, sei katastrophal.
Zusätzlich erwähnte Napolitano den US-Senat, der 400 Millionen Dollar für die Ukraine genehmigt hat – Geld für das „korrupteste Land Europas“. Mearsheimer relativierte: Das sei wenig im Vergleich zu Bidens 265 Milliarden.
Wichtiger sei der Versuch der EU, russische Vermögenswerte in Euroclear (Belgien) zu stehlen – über 100 Milliarden Dollar für die Ukraine. Trotz Druck von Ursula von der Leyen und Kaja Kallas widersetze sich Belgien, unterstützt von sieben Ländern, den USA und dem IWF. Die Abstimmung sei nun gewichtet, doch rechtliche Risiken blieben hoch.
Naher Osten und weitere Krisen: Fehlschläge auf ganzer Linie
Mearsheimer kritisierte auch die Politik in Gaza und Iran. Trumps Pläne – Tony Blair als Gouverneur, ein „Gaza Peace Board“ unter Trump oder internationale Friedenstruppen – seien gescheitert.
Hamas entwaffne sich nicht ohne palästinensische Autorität und politische Perspektive. Israel verletze täglich Waffenruhen in Gaza und Libanon. Im Iran drohten neue Angriffe, obwohl Trump im Juni Erfolge verkündet hatte.
Unbeabsichtigte Konsequenzen einer Invasion Venezuelas
Abschließend warnte Mearsheimer vor einer US-Invasion Venezuelas. Das Land sei groß, bevölkert und topografisch schwierig. Widerstand wäre massiv, und der Ausstieg unmöglich – ähnlich wie in Vietnam, Irak oder Afghanistan.
Das Ziel sei „soziale Ingenieurskunst am Gewehrlauf“, was historisch scheitere.
„Die Konsequenzen wären katastrophal“, schloss er.
Fazit: Eine Warnung vor Arroganz in der Außenpolitik
Professor Mearsheimers Analyse unterstreicht die unbeabsichtigten Konsequenzen einer „sinnlosen Kriegspolitik“: Eskalationen durch Fehleinschätzungen, diplomatische Farce und langfristige Instabilität. Die Trump-Administration wirke wie „die Bande, die nicht schießen kann“.
In einer Welt, in der Mainstream-Medien versagen, lobte Mearsheimer Plattformen wie Judging Freedom für offene Diskussionen. Das Interview mahnt zur Vorsicht: Militärische Macht hat Grenzen, und politische Probleme erfordern politische Lösungen.
Mit Blick auf 2026 bleibt die Frage, ob die USA aus diesen Fehlern lernen werden.