Nehmen Sie z.B. die Probleme, vor denen Regierungen regelmäßig stehen, die versucht haben, ihre Bevölkerung, die sie als aus einfach zu steuernden Spielklötzen zusammengesetzt ansehen, in die von der Regierung als richtig gesehene Richtung zu manövrieren.
In aller Regel gehen solche Versuche in die Hose.
Die vielen sozialistischen Experimente, die in Katastrophen geendet sind, sind die markantesten Belege dafür.
Dessen ungeachtet floriert die Industrie, deren Profiteure sich mit der Verhaltenssteuerung ihrer, von ihnen für dümmer als sie selbst, gehaltenen Mitbürger abmühen, nicht zuletzt auf Grundlage dessen, was als „behavioural economics“ in die irrige Annahme transferiert wurde, man könne Bürger in die gewünschte Richtung „nudgen“, ihnen einen kleinen Tritt geben, damit sie in die richtige Richtung laufen.
Ein, wie die Aufarbeitung der entsprechenden Literatur durch Dr. habil. Heike Diefenbach für ScienceFiles zeigt, umfassend erfolgloses Unternehmen:
Verhaltensveränderung, „nudging“, persuasive Technologie: Wissenschaft im Einsatz, um Sie zum „richtigen“ Verhalten zu bringen:
Die letzte Schote auf dem Markt der unbeabsichtigten Folgen ist schon länger unter der Bezeichnung „rebounud effect“ bekannt, ein Effekt, in dem einmal mehr das zum Ausdruck kommt, was Soziologen spätestens seit Raymond Boudon es so benannt hat, einen „perversen Effekt“ nennen, ein Effekt, der sich immer dann einstellt, wenn eine Maßnahme, die zur Erreichung von X eingesetzt wird, X und sein Gegenteil erreicht und somit der realisierte Effekt weit hinter dem zurückbleibt, was erwartet wurde.
Im vorliegenden Fall geht es um den Effekt, der davon ausgeht, dass man sein Haus hermetisch gegen „Wärmeverlust“ und unter Inkaufnahme von Schimmelkulturen abschottet, so genannte Maßnahmen der Energieeffizienz, die den Energieverbrauch senken sollen. Der Rebound Effect besteht nun darin, dass diejenigen, die ihr Haus hermetisch energetisch abgeriegelt haben, ihr VERHALTEN ÄNDERN.
Das ist das Kreuz mit Menschen, das ihre Nützlichkeit als Hütchen im Regierungshalma in Frage stellt: Sie ändern einfach ihr Verhalten, verhalten sich anders als erwartet, heizen z.B. ihr Haus nachdem sie es energetisch verriegelt haben, auf höhere Temperaturen und reduzieren bzw. beseitigen somit die Ersparnis an Energienutzung, die durch das hermetische Abriegeln des Hauses erreicht wurde.
Der letzten Tory-Regierung muss jemand diese Soziologen seit Jahrhunderten bekannten Zusammenhänge gesteckt haben, dass Menschen dazu tendieren, andere Entscheidungen zu treffen als man von ihnen erwartet, dass immer einer dabei ist, wenn nicht zwei, die das, was man von ihnen will, nicht tun und immer mehrere zu finden sind, die daraus, dass sie getan haben, was von ihnen erwartet wurde, eine neue Freiheit des Tuns ableiten.
All das, all diese menschlichen Regungen stellen Regierungen vor ein Problem eines, das dann als „rebound effect“ oder „comfort taking“ bezeichnet wird und Anlass gibt, neue Maßnahmen zu erfinden, um die ursprünglichen Maßnahmen, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, in Richtung dessen, was erwartet wird, zu schieben, neue Maßnahmen, die natürlich ihrerseits wieder in unbeabsichtigte Folgen münden werden und dazu führen werden, dass die Maßnahmen, die ersonnen wurden, um die Resultate der Maßnahmen zu verbessern, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, nun ihrerseits von Maßnahmen gestützt werden müssen, um die Resultate der Maßnahmen, die ersonnen wurden um die Resultate der Maßnahmen, die hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, nun ihrerseits zu verbessern … und so weiter… Eine sich selbst erhaltende ewige Kette von Maßnahmen, die hinter den Erwartungen zurückbleiben und weitere Maßnahmen, die abermals hinter den Erwartungen zurückbleiben, erfordern …
Das Elend der Planwirtschaft in wenigen Sätzen zusammengestellt.
Wie auch immer, die Tories haben ein Gutachten in Auftrag gegeben, um nicht nur herauszufinden, was es an Forschung zu den Verhalten gibt, die nach Umsetzung einer Maßnahme zur Senkung des Energieverbrauchs verändert werden und einen, im Vergleich zur Zeit vor der Umsetzung der Maßnahme zur Senkung des Energieverbrauchs HÖHEREN Energieverbrauch zur Folge haben.
Der Bericht, gerade veröffentlicht, schlägt mittlerweile im UK Wellen, Anlass ist der folgende Beitrag aus dem Telegraph, dessen Autor Noah Eastwood sich genau einen Abschnitt aus dem 29seitigen Bericht von „London Economics“ herausgesucht hat, um seine Schlagzeile darauf zu gründen.
These included making people aware of changes in their energy use through feedback mechanisms (e.g. using smart meters to circumvent habits and therefore limit comfort taking). Tailored communication and advice on energy use and using behavioural techniques such as social norms (e.g. relative comparisons to other households) or loss aversion (e.g. framing energy savings as a lost savings rather than gains) were also mentioned as interventions that may limit comfort taking.
Das kann man nun wie einen Plan lesen, Smart-Meter mit einer Art „Höchstheizwert“ zu programmieren, der es verhindert, dass die Bewohner eines besmartmeterten Hauses oder einer entsprechenden Wohnung über ein bestimmtes im Beitrag als „unmoralisch“ bezeichnetes Maß an Raumtemperatur hinaus heizen.
Wir haben keinen Zweifel, dass es in Regierunge und unter Aktivisten, die ihr Mütchen so gerne auf Kosten von Anderen kühlen, Leute gibt, die ruchlos und bösartig genug sind, um auf entsprechende Gedanken zu kommen und nur zu gerne die Finger am Thermostat anderer hätten. Indes, der Bericht von London Economics tut nichts dergleichen, ist im Gegenteil eine mehr oder minder frei von eigener Wertung vorgenommene Aufarbeitung vorhandener Literatur zum „Rebound Effect“.
Die oben zitierte Stelle bezieht sich – wie im weiteren Verlauf deutlich wird – auf einen bereits 2018 von Sebastian Sebauer veröffentlichten Beitrag in „Energy Research & Social Science“:
Seebauer stützt seinen Beitrag auf quantitative Befragungen von 575 Österreichern, die ein Elektroauto nutzen und 1455 Österreicher, die ihr Haus / ihre Wohnung gedämmt haben und identifiziert darin „Gewohnheiten“ vor allem Heizgewohnheiten, wie die Beibehaltung derselben Temperatur und Zeitschaltung nach Dämmung als „unbewusste Gewohnheiten“, die dazu führen, dass keine Energieersparnis am Ende der Maßnahme, die selbe doch zur Folge haben sollte, stehen, ergänzt um bewusst höhere Heiztemperaturen als Folge eines geringeren Wärmeverlusts nach Dämmung und somit geringeren Kosten, um die erhöhte Temperatur zu erreichen.
Was Seebauer an Ergebnissen produziert, muss man nicht teilen, zumal es am Ende bei den alten Hüten ankommt, dass man Gewohnheiten und soziale Normen bei „den Menschen“ ändern müsse, um die eigenen Ziele vollständig erreichen zu können, wir also zum Anfang dieses Beitrags und der umfassenden Aufarbeitung des Nudgings zurück sind, die zeigt: DAS FUNKTIONIERT NICHT.
Die ganze Episode macht einmal mehr deutlich, wie sehr sich westliche Staaten verrannt haben. Wir werden von Leuten regiert, die ihre ideologischen Phantasmen durchsetzen wollen, weil sie die öffentlichen Positionen, die sie begleiten, als eine Form Enabler für ihre Hirngespinste ansehen und mangels sonstiger Kompetenz sich des sozialen Status, den sie sich gerne zuweisen würden, nur versichern können, wenn sie andere drangsalieren. Die regelmäßig scheiternden Versuche, andere zu Marionetten der eigenen Maßnahmen zu degradieren, führen zu weiteren Versuchen, entsprechende Maßnahmen umzusetzen und am Ende von all dem stehen exorbitante Kosten, kaum Veränderungen, keine zum Besseren und eine ineffiziente Gesellschaft.
Wen es interessiert, der Rebound Effect von Maßnahmen, die Energieeffizienz erreichen sollen, also der Effekt, der die erhofften Gewinne vom Tisch wischt oder durch Verluste ersetzt, er beträgt je nach Forscher und Motivation zwischen 10% und 30% und 30% und 60%.
Wir wissen seit langem, dass man Menschen nicht verschieben kann, wie ein Figürchen bei Mensch-ärgere-Dich-nicht.
Dessen ungeachtet gibt es Regierung nach Regierung, Regierungen voller Personen, die psychologische Notdurft ohne Kompetenzbasis treibt, die genau das versuchen.
Ein Scheitern mit Ansage. Ein Scheitern mit Kosten für alle.
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