Von Thomas Rießinger

Einfälle haben sie, das muss man ihnen lassen, auch wenn ihre Einfälle aus Bürgersicht in aller Regel Totalausfälle sind.

Da die Bundesregierung infolge ihrer eigenen durchideologisierten Politik trotz des angeblichen Sondervermögens, bei dem es sich in Wahrheit nur um einen Schuldenberg handelt, unter chronischer Geldnot leidet, hat man sich wieder einmal Gedanken gemacht, wie man die Bürger noch weiter auspressen kann. Über den Vorschlag Lars Klingbeils, das Ehegattensplitting abzuschaffen, will ich hier nicht reden; den entsprechenden Vorschlag der Bundesfamilienministerin habe ich schon kürzlich kommentiert. Doch es gibt ja noch zwei andere glänzende Ideen unserer nicht unbedingt kompetenzlastigen Elite: die Streichung der kostenlosen Mitversicherung von Ehegatten in der gesetzlichen Krankenversicherung und eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. Der erste Punkt wurde auf dieser Seite bereits ausreichend gewürdigt, der zweite jedoch verdient eine genauere Betrachtung.

Die segensreichen Wirkungen der Mehrwertsteuer im Rahmen der Steigerung der Treibstoffpreise habe ich schon vor wenigen Tagen vorgeführt: Der Staat gehört zu den Kriegsgewinnlern, und seine Vertreter schämen sich nicht im Geringsten dafür, weil es ihnen immer nur um das Geld der Bürger geht, das schnurstracks seinen Weg in die Staatskassen finden soll. Aber die Mehrwertsteuer in ihrer gegenwärtigen Höhe von 19 Prozent erscheint ihnen wohl nicht mehr zeitgemäß, vielleicht ist ihnen auch die Primzahl 19 etwas unheimlich, denn man hört inzwischen von Plänen, den Satz um zwei oder gar drei Prozentpunkte zu erhöhen. Und das sind nicht nur Gerüchte, denn inzwischen hat das Finanzministerium dem Handelsblatt berichtet, „dass intern Szenarien durchgerechnet wurden. Hintergrund seien Bitten aus dem Kanzleramt gewesen, entsprechende Modelle zu prüfen.“ Wie schön, dass unser aller Kanzler inzwischen schon selbst bei Klingbeil nachfragt, wo denn noch mehr Geld zu holen ist.

Damit setzt man eine alte Tradition fort, denn der Prozentsatz wurde seit 1968 in schöner Regelmäßigkeit erhöht, während man von Reduzierungen nur einmal etwas hörte: 2020, im Zuge der sonderbaren PCR-Pandemie, hat man für ein halbes Jahr den regulären Satz von 19 Prozent auf 16 Prozent erniedrigt, um ihn dann selbstverständlich wieder auf die alten 19 Prozent anzupassen. Die historische Entwicklung zeigt die folgende Tabelle.

Nun spricht man also über 21 Prozent oder gar 22 Prozent. Was bedeutet das nun auf Heller und Pfennig oder auch auf Euro und Cent? Bei einem Nettopreis von 100€ bezahlt man derzeit einen Endpreis von 119€, der sich dann auf 121€ oder 122€ erhöhen würde. Für den Kunden ist das eine Preissteigerung in Höhe von 1,68 Prozent oder sogar 2,52 Prozent; mit anderen Preiserhöhungen muss sich der Verbraucher ja nicht plagen, da kann er das leicht verkraften – denkt sich vermutlich die Regierung. Die Steuer selbst steigt von 19€ auf 21€ oder eben 22€, und das heißt, dass das Steueraufkommen leicht und zwanglos um etwas über 10,52 Prozent oder eben um 15,79 Prozent in die Höhe getrieben wird. Um welchen Betrag steigen dann die Einnahmen des Staates? Dazu muss man nur wissen, wie viel Geld bisher die Mehrwertsteuer in die Staatskasse gespült hat: es waren im Jahre 2024 schon beträchtliche 302,1 Milliarden €. Wenig ist das nicht, aber Leuten wie Klingbeil und Merz ist es nie genug. Würde man also den Satz um 10,52 Prozent erhöhen, so dürften sich die staatlich geschützten Plünderer bei gleichbleibendem Konsumvolumen über zusätzliche 31,8 Milliarden freuen, bei einer Erhöhung um 15,79 Prozent überstiege die Freude wohl alle Grenzen, denn dann handelt es sich um 47,7 Milliarden €, die zusätzlich verpulvert werden dürfen.