Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants sollte ein spürbares Signal sein. Weniger Steuer, so die politische Logik, müsste niedrigere Preise bedeuten. Seit Januar 2026 gilt tatsächlich der ermäßigte Satz von sieben Prozent statt 19 Prozent. Auf dem Papier klingt das nach Entlastung. Im Alltag vieler Restaurantgäste ist davon jedoch kaum etwas angekommen.

Regierung mit falscher Idee

Rein rechnerisch wäre der Spielraum beachtlich gewesen. Eine Steuerreduzierung in dieser Größenordnung hätte Preisnachlässe von rund zehn Prozent ermöglicht. Ein Essen für 18 Euro hätte deutlich günstiger werden können, ohne dass Gastronomen Verluste hinnehmen müssten. Doch ein Blick auf aktuelle Speisekarten zeigt: Diese Rechnung blieb theoretisch. In den meisten Fällen wurden Preise schlicht beibehalten.

Besonders auffällig ist das Verhalten großer Systemgastronomien. Eine Auswertung der Angebote zahlreicher Ketten zeigt, dass die Mehrheit keinerlei Anpassungen vorgenommen hat. Für Gäste bedeutet das: Sie zahlen weiterhin denselben Betrag, während die Unternehmen von geringeren Steuerabgaben profitieren. Die Maßnahme, gedacht als Unterstützung für Verbraucher, wirkt damit wie eine stille Subvention für große Anbieter.

Ein prominentes Beispiel liefert der Marktführer unter den Schnellrestaurants. Noch vor Inkrafttreten der Regelung wurde angekündigt, man wolle Familien und Menschen mit begrenztem Budget entgegenkommen. Tatsächlich wurden nur wenige Produkte minimal verbilligt, während der Großteil des Sortiments preislich unverändert blieb. Die rechnerische Entlastung für den Konzern summiert sich dennoch auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr.

Aus wissenschaftlicher Sicht überrascht dieses Ergebnis wenig. Steuerentlastungen werden nicht automatisch weitergegeben, sondern dort behalten, wo der Wettbewerbsdruck gering ist. Die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie zeigt damit ein bekanntes Muster: Politische Eingriffe entfalten ihre Wirkung nicht zwangsläufig beim Endkunden. Stattdessen verschieben sie Einnahmen – in diesem Fall vom Staat hin zu großen Unternehmen. Für Gäste bleibt vor allem die Erkenntnis, dass niedrigere Steuersätze allein noch keinen günstigeren Restaurantbesuch garantieren.





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