Drei Jahre hat Marlen Hobrack im „Freitag“ ihre „Mutti Politics“-Kolumne geschrieben. Nun ist Schluss. Sie zieht ein Fazit über Mutterschaft, soziale Gerechtigkeit und verlorene Zukunftsvisionen. Klar ist: Wir werden weiter streiten


Für die Mütter, das wissen wir, wird nichts besser, wenn konservative Männer den Rotstift ansetzen

Foto: Duncan Mckenzie


Ein Abschied also. Recht wehmütig stimmt es mich, dass dies die letzte „Mutti Politics“-Kolumne im Freitag sein. So ein Abschied ist naturgemäß Anlass für ein Fazit. Als ich vor drei Jahren begann, diese Kolumne zu schreiben, wollte ich vor allem über die Klassenfrage der Mutterschaft nachdenken. Darüber, wie der soziale Ort, den wir bewohnen, unsere Vorstellungen von Mutterschaft, Kindheit, Fürsorge und Reproduktion beeinflusst.

Auch wenn drei Jahre ein kurzer Zeitraum sind, jedenfalls in weltpolitischen Kontexten, so fällt mir doch auf, dass die politische Stimmung damals besser, das gesellschaftliche Miteinander noch intakter war – obgleich viele von uns schon damals beunruhigt waren. Über den Rechtspopulismus im Lande, über die Auswirkungen der Covid-Pandemie auf unsere Gesellschaft, vor allem für die Jüngsten.

Nicht zu vergessen die Klimapolitik und der Mangel an echtem Willen, politisch eine bessere Zukunft zu gestalten. Wenn die Stimmung heute pessimistischer wirkt, dann sagt das viel aus über die Entwicklungen in diesem Lande, über die Krise der Politik.

Fatalismus macht sich breit

Von so vielen Seiten geraten soziale Errungenschaften unter Beschuss; Minimalkompromisse im Bereich der Klimapolitik werden kassiert und der politische Wunsch, Zukunft aktiv und zuversichtlich zu gestalten, ist nirgendwo erkennbar.

Für Eltern – nicht nur für uns Mütter – ist das eine traurige Botschaft. Glauben wir doch am ehesten daran, dass wir diesen Planeten nur von unseren Kindern geborgt haben, um das alte Motto der Umweltbewegung zu zitieren. Der politische Fatalismus, der allenthalben zu beobachten ist, das Gefühl, es gehe mit dem Land bergab, ist ja nicht einfach die Konsequenz verpasster Reformen (das auch).

Der Fatalismus macht sich breit, weil es an positiven Visionen mangelt. In der Rentenfrage etwa kann man den Eindruck gewinnen, der alte Gaul werde schlichtweg totgeritten. Wie es danach weitergeht für die Jungen – das ist dann wohl deren Problem. D

as gilt ebenso für die Landesverteidigung sowie für die Schulden, die wir fürs Aufrüsten machen müssen, nur um sie in grenzenlosem, jedoch nicht unkreativem Zynismus als „Sondervermögen“ zu deklarieren. (Ich hatte selbst einmal ein „Sondervermögen“, meine Bank nannte es Dispo. Zum Glück sind die Zeiten vorbei.)

Man schreibt ja nicht, um reich zu werden. Man tut es in der Hoffnung, Resonanz zu erhalten. Gelesen zu werden. Für Ihre Treue bin ich dankbar. Und hören werden wir voneinander. Ganz sicher auch in dieser Zeitung!

Für die Mütter, das wissen wir, wird nichts besser, wenn konservative Männer den Rotstift ansetzen. Sparpotenziale gibt es überall dort, wo Menschen gepflegt, betreut, medizinisch versorgt werden müssen. Mit der stillen Reservearmee, mit den Müttern, die viele dieser Aufgaben im Kleinen bereits erledigen, kann man’s ja machen. Nach Vollzeitjob und Kinderpflege geht keine mehr protestieren. Obwohl wir’s sollten.

Nein, ein hoffnungsvoller Ausblick ist diese Kolumne nicht. Fatalistisch bin ich jedoch ebenso wenig. Bessere Zeiten werden kommen. Dafür werden wir weiterhin streiten.

Man schreibt ja nicht, um reich zu werden. Man tut es in der Hoffnung, Resonanz zu erhalten. Gelesen zu werden. Für Ihre Treue bin ich dankbar. Und hören werden wir voneinander. Ganz sicher auch in dieser Zeitung!

der noch intakter war – obgleich viele von uns schon damals beunruhigt waren. Über den Rechtspopulismus im Lande, über die Auswirkungen der Covid-Pandemie auf unsere Gesellschaft, vor allem für die Jüngsten.Nicht zu vergessen die Klimapolitik und der Mangel an echtem Willen, politisch eine bessere Zukunft zu gestalten. Wenn die Stimmung heute pessimistischer wirkt, dann sagt das viel aus über die Entwicklungen in diesem Lande, über die Krise der Politik.Fatalismus macht sich breitVon so vielen Seiten geraten soziale Errungenschaften unter Beschuss; Minimalkompromisse im Bereich der Klimapolitik werden kassiert und der politische Wunsch, Zukunft aktiv und zuversichtlich zu gestalten, ist nirgendwo erkennbar.Für Eltern – nicht nur für uns Mütter – ist das eine traurige Botschaft. Glauben wir doch am ehesten daran, dass wir diesen Planeten nur von unseren Kindern geborgt haben, um das alte Motto der Umweltbewegung zu zitieren. Der politische Fatalismus, der allenthalben zu beobachten ist, das Gefühl, es gehe mit dem Land bergab, ist ja nicht einfach die Konsequenz verpasster Reformen (das auch).Der Fatalismus macht sich breit, weil es an positiven Visionen mangelt. In der Rentenfrage etwa kann man den Eindruck gewinnen, der alte Gaul werde schlichtweg totgeritten. Wie es danach weitergeht für die Jungen – das ist dann wohl deren Problem. Das gilt ebenso für die Landesverteidigung sowie für die Schulden, die wir fürs Aufrüsten machen müssen, nur um sie in grenzenlosem, jedoch nicht unkreativem Zynismus als „Sondervermögen“ zu deklarieren. (Ich hatte selbst einmal ein „Sondervermögen“, meine Bank nannte es Dispo. Zum Glück sind die Zeiten vorbei.)Man schreibt ja nicht, um reich zu werden. Man tut es in der Hoffnung, Resonanz zu erhalten. Gelesen zu werden. Für Ihre Treue bin ich dankbar. Und hören werden wir voneinander. Ganz sicher auch in dieser Zeitung!Für die Mütter, das wissen wir, wird nichts besser, wenn konservative Männer den Rotstift ansetzen. Sparpotenziale gibt es überall dort, wo Menschen gepflegt, betreut, medizinisch versorgt werden müssen. Mit der stillen Reservearmee, mit den Müttern, die viele dieser Aufgaben im Kleinen bereits erledigen, kann man’s ja machen. Nach Vollzeitjob und Kinderpflege geht keine mehr protestieren. Obwohl wir’s sollten.Nein, ein hoffnungsvoller Ausblick ist diese Kolumne nicht. Fatalistisch bin ich jedoch ebenso wenig. Bessere Zeiten werden kommen. Dafür werden wir weiterhin streiten.Man schreibt ja nicht, um reich zu werden. Man tut es in der Hoffnung, Resonanz zu erhalten. Gelesen zu werden. Für Ihre Treue bin ich dankbar. Und hören werden wir voneinander. Ganz sicher auch in dieser Zeitung!



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