Ein fester Händedruck, ein Klaps aufs Knie und viele freundliche Worte – trotz der inhaltlichen Differenzen zwischen Europa und den USA, etwa bei Zöllen, Grönland oder der Ukraine, verlief das Treffen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und US-Präsident Donald Trump am Dienstag im Weißen Haus grundsätzlich konstruktiv. Merz verbrachte dreieinhalb Stunden in Washington; insgesamt belief sich sein Aufenthalt in der US-Hauptstadt auf etwa 22 Stunden. Dabei zeigte sich: Das persönliche Verhältnis zwischen Kanzler und Präsident bleibt positiv, auch wenn die Gespräche inhaltlich nicht immer reibungslos verliefen.
Merz und Trump: positives Verhältnis
Trump lobte Merz als „sehr erfolgreichen Mann“ und „ausgezeichneten Anführer“ und betonte, dass er sich deutlich von seiner Vorgängerin Angela Merkel unterscheide. Deutschland sei unter Merz anders wahrgenommen als unter Merkel, die in Trumps erster Amtszeit häufig kritisiert wurde. Merz gilt nun als einer der europäischen Politiker, mit denen Trump ein gutes Verhältnis pflegt, neben der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban.
Iran-Konflikt: keine deutsche Militärbeteiligung
Ein zentrales Thema war der Iran-Konflikt. Merz betonte die Übereinstimmung zwischen Deutschland und den USA hinsichtlich des iranischen Regimes und stellte klar, dass Deutschland keine militärische Beteiligung leisten werde. Trump bestätigte, dass keine deutschen Bodentruppen erwartet würden. Merz äußerte zudem die Hoffnung auf eine neue iranische Regierung, die Frieden und Freiheit fördere, wies jedoch darauf hin, dass die USA bislang keine ausformulierte Strategie für die künftige Führung im Iran vorgelegt hätten. Er betonte auch, dass der Krieg negative wirtschaftliche Folgen habe, insbesondere steigende Öl- und Gaspreise, und äußerte die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Feindseligkeiten.
Europäische Partner und NATO
Trump kritisierte öffentlich Großbritannien und Spanien wegen mangelnder militärischer Kooperation. Merz nahm auf offener Bühne keine Schutzposition für die betroffenen Länder ein, stimmte aber auf Nachfrage in die Kritik an Spanien ein – mit Blick auf die Nichteinhaltung der NATO-Verteidigungsausgaben. Hinter verschlossenen Türen betonte er, dass Deutschland und Europa nicht isoliert Verträge abschließen könnten, sondern dass Vereinbarungen über einzelne Länder nicht zulässig seien.
Ukraine: Europa will wieder einbezogen werden
In Bezug auf die Ukraine machte Merz deutlich, dass Europa in die Verhandlungen über ein Ende des Konflikts eingebunden werden müsse. Er betonte, dass Abkommen über die Köpfe der europäischen Partner hinweg nicht akzeptiert würden. Ob Trump dies aufnimmt, blieb offen; eine konkrete Reaktion aus dem Treffen ist nicht überliefert.
Handel und Zölle
Im Zollstreit zwischen der EU und den USA gab es keine entscheidenden Fortschritte. Trump bestätigte seine Pläne für weltweite 15-prozentige Importzölle und prüft differenzierte Zölle je nach Herkunftsland. Merz sprach die Umsetzung des EU-Handelsabkommens an und äußerte die Erwartung, dass die Zölle für die meisten europäischen Produkte nicht über die vereinbarten 15 Prozent hinaus steigen. Trump begegnete europäischem Unmut teils mit Humor und gab Merz während des Treffens einen Klaps aufs Knie.
Ablauf des Besuchs
Das Treffen bestand aus einer knapp 40-minütigen Sitzung im Oval Office und einem anschließenden Mittagessen im Cabinet Room. Wie bei früheren Besuchen hatte Merz nur wenige Minuten Redezeit vor den laufenden Kameras. Es handelte sich um seinen dritten Besuch in Washington; im August hatte er zuvor an einem Ukraine-Gipfel mit anderen europäischen Staats- und Regierungschefs teilgenommen.
Trotz bestehender Differenzen in Handel, Sicherheit und Konfliktlösungen zeigte das Treffen, dass das persönliche Verhältnis zwischen Kanzler und Präsident konstruktiv bleibt, auch wenn inhaltliche Punkte weiterhin kontrovers sind. (dpa/afp/red)