Ich habe mir fest vorgenommen, mich zurückzuhalten. Nur noch dann zu schreiben, wenn es relevant ist, und wenn ich das Bedürfnis habe, zu schweigen. Aber als ich diese Nachricht las, war mir klar – da kann ich nicht den Mund halten, auch – oder gerade – weil sie so gar nicht überraschend ist, weil wir uns alle – ich zumindest, leider – schon so daran gewöhnt haben…

Der Schauplatz diesmal: Hamburg, Groß Flottbek. Mittagszeit, direkt vor einer Stadtteilschule. Ein 14-Jähriger wird nach einem „Streit“ niedergestochen. Reanimation auf dem Asphalt, Notoperation, Lebensgefahr. Die Polizei zieht Streifenwagen aus der ganzen Stadt zusammen, als stünde ein Bürgerkrieg bevor.

Und während das Blut auf dem Gehweg trocknet, rattert die bekannte Phrasendreschmaschine: „Auseinandersetzung unter Jugendlichen“, „Hintergründe unklar“. Man hüllt sich bezüglich der Täterbiografie in das bewährte, bleierne Schweigen.

Ich weiß, was die Beschwichtigen jetzt sagen werden. Sie sagen immer das Gleiche. Aber nein, ich glaube nicht, dass die Behörden ahnungslos sind. Sie schweigen nicht aus Unwissenheit, sondern aus Kalkül. Sie schweigen so lange, bis das Interesse nachgelassen hat. Und manchmal sogar länger. Und ja: Solange die Polizei schweigt, liegen auch mir keine verifizierbaren Informationen zur Täterbiografie vor. Und man kann nicht ausschließen, dass es diesmal nicht die örtliche „Partyszene“ war – so der schreckliche neudeutsche Verschleierungsbegriff, sondern Jungs aus dem Hamburger Nobelvorort Blankenese, der gar nicht weit entfernt ist. Ausschließen lässt sich nichts.