Dr. Robert W. Malone

In einer vielbeachteten Analyse, veröffentlicht im JAMA Health Forum, hat ein Team der Stanford University, der Università Cattolica del Sacro Cuore und der Fondazione Policlinico Universitario A. Gemelli IRCCS unter der Leitung von John P. A. Ioannidis versucht, eine der umstrittensten Fragen der Pandemieära zu beantworten: Wie viele Leben hat die COVID-19-Impfung weltweit tatsächlich gerettet?

Die Studie schätzt, dass die COVID-19-Impfung zwischen 2020 und 2024 weltweit rund 2,5 Millionen Todesfälle verhindert hat, mit einer breiten Unsicherheits­spanne von 1,4 bis 4,0 Millionen, und etwa 15 Millionen Lebensjahre gerettet wurden – wobei die Ergebnisse stark von den Modellannahmen abhängen. Fast 90 % der verhinderten Todesfälle entfielen auf Erwachsene ab 60 Jahren, während Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nur einen vernachlässigbaren Anteil am Gesamtnutzen hatten. Im Vergleich zu früheren Pandemie­modellen deuten diese Ergebnisse auf einen deutlich begrenzteren, alterskonzentrierten Mortalitäts­nutzen hin, insbesondere während der Omikron-Phase und bei Personen, die vor ihrer ersten Infektion geimpft wurden.

Ein leises, aber explosives Eingeständnis

Dr. Ioannidis und seine Kollegen machen in dieser hochrangigen Arbeit zur Impfstoff-Nutzenbewertung ein ungewöhnlich offenes Zugeständnis: Sie trennen nicht zwischen Todesfällen, die durch die Wirksamkeit der Impfung verhindert wurden, und Todesfällen, die durch impfbedingte Schäden verursacht wurden. Tatsächlich räumen sie ausdrücklich ein, dass randomisierte Studiendaten unzureichend sind, um impfassoziierte Mortalität zu quantifizieren, und dass aus Registern und Beobachtungsquellen abgeleitete Schätzungen mit „erheblicher Unsicherheit“ behaftet sind.

Dies ist keine nebensächliche Einschränkung – es ist eine strukturelle Begrenzung der Analyse. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass je nach ethischer Bewertung und Risikoaversion ein durch eine Intervention verursachter Todesfall möglicherweise nicht als gleichwertig zu einem durch sie verhinderten Todesfall betrachtet wird, insbesondere wenn sich Schäden in bestimmten Untergruppen häufen.

Um diese Unsicherheit einzugrenzen, greifen die Autoren auf eAppendix 2 (Supplement 1) zurück, wo sie die Analyse auf weithin anerkannte und akzeptierte tödliche Nebenwirkungen beschränken: Thrombosen mit Thrombozytopenie nach Adenovirus-Vektor-Impfstoffen, Myokarditis nach mRNA-Impfstoffen (vor allem bei jüngeren Männern) sowie Todesfälle, die zeitlich mit der Impfung bei hochgradig geschwächten Pflegeheimbewohnern zusammenhängen.

Unter Verwendung globaler Verabreichungsdaten (~13,64 Milliarden Dosen) und konservativer Risikoannahmen schätzen sie weltweit rund 20.000 impfassoziierte Todesfälle, während eine unabhängige Extrapolation aus der nationalen Mortalitäts­analyse Katars eine breitere Spanne von etwa 16.000 bis 48.000 Todesfällen nahelegt.

Verglichen mit der zentralen Schätzung der Studie von etwa 2,5 Millionen geretteten Leben stützt dies die Aussage der Autoren, dass impfbedingte Todesfälle auf Bevölkerungsebene „wahrscheinlich“ um etwa zwei Größenordnungen niedriger lagen als der Nutzen.

Das entscheidende Wort ist „wahrscheinlich“. Die Autoren erklären ausdrücklich, dass diese Schätzungen zu Todesfällen durch Nebenwirkungen mit „sehr großer Unsicherheit“ behaftet sind, und betonen, dass der Abstand zwischen Nutzen und Schaden in bestimmten Untergruppen, in denen Risiken konzentriert und Nutzen begrenzt sind – etwa bei jüngeren Männern oder gebrechlichen älteren Bewohnern – deutlich kleiner sein oder sich sogar umkehren kann.

De facto räumt die Arbeit ein, dass die COVID-19-Impfung zwar insgesamt wahrscheinlich die Mortalität reduziert hat, der Netto­nutzen jedoch weder gleichmäßig verteilt noch für alle Bevölkerungsgruppen garantiert war. Ein Paukenschlag – verborgen im Supplement statt im Abstract –, der jede absolutistische Behauptung, Impfschäden seien vernachlässigbar oder irrelevant gewesen, direkt infrage stellt und einen seltenen Moment methodischer und ethischer Offenheit in der COVID-19-Impfliteratur darstellt.

Was die Studie tat – und was nicht

Wichtig ist: Diese Studie hat Todesfälle nicht direkt gemessen. Sie verglich nicht geimpfte und ungeimpfte Personen in realen Kohorten über die Zeit. Stattdessen nutzte sie einen kontrafaktischen Modellansatz: Es wurde geschätzt, wie viele Menschen gestorben wären, wenn es keine Impfstoffe gegeben hätte – basierend auf Annahmen zu Infektionsraten, Sterblichkeitsrisiken und Impfstoff­wirksamkeit gegen den Tod.

Dieser Unterschied ist entscheidend. Die Ergebnisse sind keine Beobachtungen, sondern bedingte Schätzungen. Ändert man die Annahmen, ändern sich auch die Ergebnisse – mitunter dramatisch.

Die Autoren sind darin transparent. Die Impfstoff­wirksamkeit gegen den Tod wurde vor Omikron mit 75 % und während Omikron mit 50 % angenommen, hauptsächlich auf Basis von Beobachtungs­studien und nicht randomisierter Studien. Es wurde angenommen, dass sich während der Omikron-Phase nahezu die gesamte Bevölkerung ohne Impfung infiziert hätte. Anpassungen der Lebenserwartung stützten sich auf einen Korrekturfaktor, der Grunderkrankungen berücksichtigen soll – ein Bereich aktiver wissenschaftlicher Debatte.

Keine dieser Entscheidungen ist per se unvernünftig. Zusammengenommen erzeugen sie jedoch eine Struktur, in der sich kleine Fehler zu großen numerischen Abweichungen aufsummieren.

Das robusteste Ergebnis: Alter zählt – enorm

Am stärksten ist die Arbeit nicht bei den globalen Gesamtzahlen, sondern bei den alters­stratifizierten Ergebnissen.

Rund 90 % aller verhinderten Todesfälle entfielen auf Menschen ab 60 Jahren. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene trugen praktisch nichts zu den geretteten Leben oder Lebensjahren bei – oft weniger als ein Zehntel von einem Prozent. Bewohner von Langzeitpflege­einrichtungen trugen trotz extrem hohen Mortalitäts­risikos relativ wenige gerettete Lebensjahre bei, da ihre verbleibende Lebenserwartung begrenzt ist.

Dieses Ergebnis ist über Sensitivitäts­analysen hinweg konsistent und deckt sich mit dem bekannten COVID-19-Risikoprofil. Es wirft zugleich unbequeme politische Fragen auf. Wenn der Nutzen so stark altersabhängig konzentriert war – hätten Impfstrategien und -pflichten dann nicht ebenso konzentriert sein müssen?

Die Autoren beantworten diese Frage nicht direkt, doch die Daten weisen klar in diese Richtung.

John P. A. Ioannidis, korrespondierender Autor
Quelle: Stanford University

Wo die Sicherheit nachlässt

Das schwächste Glied der Analyse ist die angenommene Impfstoff­wirksamkeit gegen den Tod. Randomisierte Studien waren nie darauf ausgelegt, Mortalitäts­unterschiede zu erfassen, und Beobachtungs­studien sind anfällig für Verzerrungen – insbesondere für den gut dokumentierten „Healthy-Vaccinee-Effekt“. Schon eine moderate Überschätzung der Wirksamkeit lässt den modellierten Nutzen rasch schrumpfen.

Ein weiteres ungelöstes Problem ist die natürliche Immunität. Obwohl das Modell den Zeitpunkt der Impfung im Verhältnis zur Infektion berücksichtigt, modelliert es den Schutz ungeimpfter, zuvor infizierter Personen nicht symmetrisch – trotz wachsender Evidenz, dass natürliche Immunität einen erheblichen Schutz vor schwerer Erkrankung und Tod bietet.

Schließlich werden impfbedingte Schäden zwar anerkannt, aber nicht in die Hauptgleichung integriert. Die Studie schätzt den Brutto-Nutzen, nicht den Netto-Nutzen – besonders relevant für jüngere, risikoarme Bevölkerungsgruppen.

Zu Impfschäden heißt es:

„Unsere Schätzungen trennen nicht zwischen durch VE verhinderten Todesfällen und Todesfällen, die durch impfbedingte Schäden verursacht wurden. Manche mögen argumentieren, dass je nach Risikoaversion und Reueüberlegungen ein durch Schaden verursachter Todesfall nicht dasselbe Gewicht hat wie ein durch Wirksamkeit verhinderter Todesfall. Unerwünschte Ereignisse durch COVID-19-Impfstoffe bleiben ein umstrittenes Thema. Randomisierte Studiendaten sind sehr begrenzt. Schätzungen aus Registern und anderen Beobachtungen tragen erhebliche Unsicherheit. Wie jedoch in eAppendix 2 in Supplement 1 gezeigt, sind die Todesfälle aufgrund weithin anerkannter und akzeptierter Nebenwirkungen (Thrombose, Myokarditis, Todesfälle bei hochgradig geschwächten Pflegeheimbewohnern) wahrscheinlich etwa zwei Größenordnungen kleiner als der Gesamtnutzen. Dennoch sind diese Schäden wichtig, um sie gegen den Nutzen in spezifischen Untergruppen abzuwägen, in denen sie am häufigsten auftreten und in denen sich das Nutzen-Risiko-Verhältnis ändern oder sogar umkehren kann.“

Kritische Perspektive

Der COVID-Impfstoffkritiker und Wissenschaftler Raphael Lataster, BPharm, PhD, ehemals University of Sydney, argumentiert, dass die Analyse von Ioannidis et al. einen Schritt in die richtige Richtung darstellt, weil sie die überhöhten Behauptungen früherer COVID-19-Impfmodellierungs­studien – insbesondere jene, die behaupteten, in einem einzigen Jahr seien nahezu 20 Millionen Leben gerettet worden – entschieden zurückstutzt, indem sie einen zentralen Fehler korrigiert: überhöhte Infektions­sterblichkeits­raten (IFRs).

Durch die Anwendung niedrigerer, empirisch besser fundierter IFRs gelangen Ioannidis und Kollegen zu deutlich konservativeren Schätzungen, wobei Sensitivitäts­analysen sogar nur etwa 1 Million gerettete Leben weltweit über vier Jahre nahelegen. Lataster hebt hervor, dass der robusteste Beitrag der Studie ihre klare Alters­stratifizierung ist – mit rund 90 % des Mortalitäts­nutzen bei Personen ab 60 Jahren und vernachlässigbarem Nutzen bei Kindern und jungen Erwachsenen –, wodurch pauschale Impfpflichten in Niedrigrisiko­gruppen implizit infrage gestellt und die Politik näher an die biologische Realität gerückt wird.

Obwohl Lataster weiterhin kritisch bleibt, dass selbst diese reduzierten Zahlen aufgrund ungelöster Fragen zu Annahmen zur Impfstoff­wirksamkeit, zur Klassifizierung von „mit vs. an COVID“-Todesfällen und zum Healthy-Vaccinee-Bias noch überhöht sein könnten, sieht er die Arbeit als wichtige Korrektur: Sie verengt das plausible Nutzenfenster, legt die Fragilität früherer Modelle offen und verschiebt die Debatte weg von Gewissheit hin zu einer nüchternen, evidenz­bewussten Skepsis.

Was können wir also mit Sicherheit sagen?

Diese Studie beweist nicht, dass COVID-19-Impfstoffe exakt 2,5 Millionen Leben gerettet haben. Sie tut etwas Subtileres – und vielleicht Wichtigeres.

Sie zeigt, dass:

  • Ein Mortalitäts­nutzen real war, aber weit geringer als frühe Modelle behaupteten.
  • Die Vorteile überwältigend auf ältere Erwachsene konzentriert waren.
  • Für jüngere Bevölkerungsgruppen der Mortalitäts­nutzen minimal bis vernachlässigbar war.
  • Das genaue Ausmaß des Nutzens hochgradig unsicher und annahmen­abhängig bleibt.

In diesem Sinne fungiert die Arbeit weniger als endgültiges Urteil denn als Kurskorrektur – eine Erinnerung daran, dass Präzision in Zahlen niemals mit Gewissheit in der Evidenz verwechselt werden sollte.

Fazit

Für Leser aller Lager – von politischen Entscheidungsträgern über Kliniker bis hin zu Skeptikern – besteht die Quintessenz nicht in einer einzelnen Zahl, sondern in einer Neubewertung:

Die COVID-19-Impfung hat wahrscheinlich Todesfälle reduziert, insbesondere bei älteren Erwachsenen. Doch das Ausmaß dieses Nutzens ist deutlich enger als beworben, stärker altersabhängig und unsicherer, als viele öffentliche Narrative suggeriert haben.

Diese Schlussfolgerung mag Befürworter an beiden Extremen unzufrieden lassen. Doch in der Wissenschaft ist Zurückhaltung oft die glaubwürdigste Position von allen.


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Kategorie | Wert (0–10) | Begründung
Methodische Strenge & Verzerrungsrisiko: 5 / 10 – Vollständig transparent, aber annahmen­abhängige Modellierung ohne direkte Mortalitäts­validierung.
Konsistenz & Effektgröße: 5 / 10 – Altersgradient stabil; absolute Größenordnung stark parameter­abhängig.
Externe Validität & Anwendbarkeit: 6 / 10 – Globaler Ansatz mit uneinheitlicher Datenqualität und begrenzter länder­spezifischer Umsetzbarkeit.
Human Consequence Index (HCI): 7 / 10 – Hohe ethische und politische Relevanz aufgrund der extremen alters­abhängigen Nutzen­verteilung.
Pluralismus-Index (PI): 8 / 10 – Explizite Auseinandersetzung mit Unsicherheit und Kritik an früheren überhöhten Modellen.
Transparenz & Offenlegung: 8 / 10 – Annahmen, Gleichungen und Sensitivitäten klar offengelegt.
Netto-Nutzen-Bewertung: 4 / 10 – Brutto­nutzen modelliert; Nebenwirkungen und natürliche Immunität nicht integriert.

Gesamt-Evidenzstärke (gewichtet):
6 / 10 (≈ 60 %)

Moderate bis niedrige Sicherheit: richtungsweisend informativ, numerisch unsicher und am stärksten für ältere Bevölkerungsgruppen.

Quelle: Ioannidis JPA, Pezzullo AM, Cristiano A, et al. Global Estimates of Lives and Life-Years Saved by COVID-19 Vaccination During 2020–2024. JAMA Health Forum. 2025;6(7):e252223.



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