Doku „Coexistence, My Ass“: Noam Shuster Eliassi setzt sich seit Jahren in ihrer Stand-up-Comedy für das gleichberechtigte Zusammenleben von Israelis und Palästinensern ein. Der 7. Oktober 2023 hat ihr Umfeld verändert, nicht ihr Engagement


Als beißende Kritikerin der Herrschaft Netanjahus eroberte sich Shuster Eliassi für eine Weile sogar einen Nischenspot im israelischen Fernsehen

Foto: UCM.ONE GmbH


Für so manchen Geschmack ist der Titel vielleicht etwas zu frivol. Coexistence, My Ass!, so nennt die israelische Stand-up-Comedienne Noam Shuster Eliassi das Programm, mit dem sie bereits vor der Corona-Pandemie durch die Lande zog. Nach den anderthalb Stunden, die man im Dokumentarfilm der kanadisch-libanesischen Regisseurin Amber Fares mit ihr verbringt, versteht man besser, was sie mit dem Titel ausdrücken will.

Es ist kein vulgärer Slogan, keine Absage an die Möglichkeit einer Koexistenz zwischen Israelis und Palästinensern, sondern eine bittere Bestandsaufnahme. Die Frivolität des Ausdrucks steht für die Intensität der Gefühle, die sie mit Blick auf die Situation empfindet.

Wie so viele dokumentarische Porträts war auch Fares’ Film über Shuster Eliassi ursprünglich als kleine Langzeitbeobachtung gedacht. In den ersten Szenen begleitet Fares sie im Jahr 2019 nach Harvard, wo Shuster Eliassi ein Stipendium antreten und ihr Programm weiterentwickeln will. Doch dann kommt immer wieder was dazwischen. Zuerst Covid. Dann der 7. Oktober.

Was bei anderen Langzeitbeobachtungen toller Stoff für einen Handlungsfaden wäre, sind im Fall von Shuster Eliassi Entwicklungen, die alles aus dem Gleis bringen. Fast wird aus Fares’ Film das ungeplante Dokument eines Rückschlags, wenn nicht gar einer Niederlage. Aber kraft der Persönlichkeit der Figur im Zentrum ist es ein Beleg für bewundernswerte Beharrlichkeit.

Vor der Pandemie machte Shuster Eliassi Furore als Vertreterin einer eigentlich unmöglichen Position: Sie ist aufgewachsen im linksliberalen Projekt einer Community „vorbildhaften jüdisch-arabischen Zusammenlebens“, wie sie selbst über den immer hohen Kontrast von Anspruch und Wirklichkeit scherzt. Die Idealisten von Newe Schalom („Oase des Friedens“), zu denen Shuster Eliassis Eltern gehören, wollten die Möglichkeit der Koexistenz gewissermaßen vorleben. Arabische und jüdische Kinder gehen hier gemeinsam zur Schule und lernen sowohl Arabisch wie Hebräisch.

Noam Shuster Eliassi ist beißende Kritikerin Netanjahus

Fares filmt die Comedienne am Ort ihres Aufwachsens an der Seite der besten arabischen Freundin und im Haus der Eltern, die väterlicherseits aus Rumänien und mütterlicherseits aus dem Iran stammen. Einer der Witze, die Shuster Eliassi gern reißt, ist der, dass sie sich schon als Kind wie prädestiniert für eine Karriere bei der UNO fühlte. Historische Fotos zeigen, wer die Vorbild-Gemeinde schon alles besucht hat: Hillary Clinton, Jane Fonda, Roger Waters. Aber auch im Friedensprozess kam eben immer etwas dazwischen.

Als beißende Kritikerin der Herrschaft Netanjahus eroberte sich Shuster Eliassi für eine Weile sogar einen Nischenspot im israelischen Fernsehen. Ihr Engagement ist kein reiner Bühnen-Akt. In einer Szene sieht man, wie sie bei einer Demonstration von rechten Israelis regelrecht beschimpft wird. Mit Jokes wie „Keine Angst, ich bleibe nur sieben Minuten, keine 70 Jahre“ sieht man sie auch vor arabischsprachigem Publikum auftreten. Dann kommt der 7. Oktober und spaltet die bereits fragmentierte israelische Opposition weiter.

Die Reichweite dessen, was danach im Umfeld von Shuster Eliassi passierte, kann Fares in ihrem Film nicht erfassen. Aber man spürt die Last, die über den Aufnahmen von danach liegt, man meint, das vermehrte Schweigen ausmachen zu können, die Trauer und Verzweiflung. Muss die Komikerin sich jetzt aufs Witzereißen über „neutrale“ und in ganz Nahost beliebte Themen wie Haarentfernung und Ehegattensuche zurückziehen? Wer das denkt, hat Shuster Eliassi noch nicht kennengelernt!

Coexistence, My Ass! Amber Fares USA/Frankreich 2025, 95 Minuten

war auch Fares’ Film über Shuster Eliassi ursprünglich als kleine Langzeitbeobachtung gedacht. In den ersten Szenen begleitet Fares sie im Jahr 2019 nach Harvard, wo Shuster Eliassi ein Stipendium antreten und ihr Programm weiterentwickeln will. Doch dann kommt immer wieder was dazwischen. Zuerst Covid. Dann der 7. Oktober.Was bei anderen Langzeitbeobachtungen toller Stoff für einen Handlungsfaden wäre, sind im Fall von Shuster Eliassi Entwicklungen, die alles aus dem Gleis bringen. Fast wird aus Fares’ Film das ungeplante Dokument eines Rückschlags, wenn nicht gar einer Niederlage. Aber kraft der Persönlichkeit der Figur im Zentrum ist es ein Beleg für bewundernswerte Beharrlichkeit.Vor der Pandemie machte Shuster Eliassi Furore als Vertreterin einer eigentlich unmöglichen Position: Sie ist aufgewachsen im linksliberalen Projekt einer Community „vorbildhaften jüdisch-arabischen Zusammenlebens“, wie sie selbst über den immer hohen Kontrast von Anspruch und Wirklichkeit scherzt. Die Idealisten von Newe Schalom („Oase des Friedens“), zu denen Shuster Eliassis Eltern gehören, wollten die Möglichkeit der Koexistenz gewissermaßen vorleben. Arabische und jüdische Kinder gehen hier gemeinsam zur Schule und lernen sowohl Arabisch wie Hebräisch.Noam Shuster Eliassi ist beißende Kritikerin NetanjahusFares filmt die Comedienne am Ort ihres Aufwachsens an der Seite der besten arabischen Freundin und im Haus der Eltern, die väterlicherseits aus Rumänien und mütterlicherseits aus dem Iran stammen. Einer der Witze, die Shuster Eliassi gern reißt, ist der, dass sie sich schon als Kind wie prädestiniert für eine Karriere bei der UNO fühlte. Historische Fotos zeigen, wer die Vorbild-Gemeinde schon alles besucht hat: Hillary Clinton, Jane Fonda, Roger Waters. Aber auch im Friedensprozess kam eben immer etwas dazwischen.Als beißende Kritikerin der Herrschaft Netanjahus eroberte sich Shuster Eliassi für eine Weile sogar einen Nischenspot im israelischen Fernsehen. Ihr Engagement ist kein reiner Bühnen-Akt. In einer Szene sieht man, wie sie bei einer Demonstration von rechten Israelis regelrecht beschimpft wird. Mit Jokes wie „Keine Angst, ich bleibe nur sieben Minuten, keine 70 Jahre“ sieht man sie auch vor arabischsprachigem Publikum auftreten. Dann kommt der 7. Oktober und spaltet die bereits fragmentierte israelische Opposition weiter.Die Reichweite dessen, was danach im Umfeld von Shuster Eliassi passierte, kann Fares in ihrem Film nicht erfassen. Aber man spürt die Last, die über den Aufnahmen von danach liegt, man meint, das vermehrte Schweigen ausmachen zu können, die Trauer und Verzweiflung. Muss die Komikerin sich jetzt aufs Witzereißen über „neutrale“ und in ganz Nahost beliebte Themen wie Haarentfernung und Ehegattensuche zurückziehen? Wer das denkt, hat Shuster Eliassi noch nicht kennengelernt!



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