Von Kai Rebmann
Am Sonntag Abend führte ZDF-Moderatorin Dunja Hayali im „heute Journal“ – wissentlich oder unwissentlich – ein Millionenpublikum hinter die Fichte. Zwei zugegebenermaßen verstörende Videos sollten zeigen, wie brutal die umstrittene ICE-Behörde in den USA gegen Migranten vorgeht und deren Beamte augenscheinlich nicht mal vor Müttern mit Kindern Halt machen. Dumm nur: der angebliche Beweis stellte sich in einem Fall schnell als KI-Fake heraus, im anderen als vier Jahre altes Videos, das in einem gänzlich anderen Zusammenhang entstanden war. Das ZDF stand da wie ein begossener Pudel – nicht zum ersten Mal!
Trotzdem dauerte es geschlagene 48 Stunden, ehe der GEZ-Sender so etwas wie eine Reaktion zeigte, wenn auch eine recht halbgare. Weil es angesichts des inzwischen offenbar schlicht zu groß gewordenen Drucks gar nicht mehr anders ging, trat am Dienstag mit Anne Gellinek die stellvertretende Chefredakteurin vor die Kamera der ZDF-Nachrichtensendung und entschuldigte sich live für die „handwerklichen Fehler“ im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die ICE-Behörde in den USA. Der betreffende Beitrag habe nicht den „hohen Standards“ des ZDF entsprochen, bedauerte Gellinek.
Brisant: In den Fluren der Redaktion auf dem Mainzer Lerchenberg gibt es seit dieser Erklärung, die eher noch mehr Fragen aufwarf als beantwortete, kaum noch ein anderes Thema. Weshalb wurde Anne Gellinek vorgeschickt und damit „nur“ die Vize-Chefredakteurin? Wo war die Chefin, Bettina Schausten, wie man es bei einem Fauxpas dieser Größenordnung eigentlich erwarten können sollte? Wie schafften es gleich zwei Videos nachträglich noch in einen Beitrag, der bereits am Freitag fertig war, also zwei Tage vor der verhängnisvollen Ausstrahlung, und dessen Glaubwürdigkeit auf Null zerlegte?
Bringt sich Schausten für höhere Aufgaben in Stellung?
Ein ZDF-Insider kann dazu einige plausibel wirkende Antworten liefern. Jedenfalls ließ er reitschuster.de exklusiv an seinen Gedanken zu den möglichen Hintergründen teilhaben. „Die Gerüchteküche brodelt und die anstehenden Wahlen im März werfen ihre Schatten voraus“, erklärt der Informant am Telefon.
Letzteres bezieht sich freilich nicht auf die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, wo das ZDF seinen Sitz hat, sondern auf die Wahl des Intendanten des Senders. Amtsinhaber Norbert Himmler strebt eine weitere Amtszeit an, muss dem Vernehmen nach aber mit „ein oder zwei Gegenkandidaten“ rechnen. Eine dieser Kandidaten könnte, so die Vermutung des Insiders, keine Geringere als Bettina Schausten sein, die Chefredakteurin.
Aus Sicht des ZDF-Manns würde das gleich in doppelter Hinsicht einen Sinn ergeben. Einerseits sei es auf dem Lerchenberg ein offenes Geheimnis, dass die linksradikalgrüne „Frauenliste“ Himmler lieber heute als morgen gerne los wäre und Schausten auf deren Unterstützung zählen könnte. Andererseits würde diese Personalie auch erklären, weshalb mit Gellinek die Stellvertreterin vorgeschickt wurde, um den KI-Skandal vom vergangenen Sonntag abzumoderieren – und Schausten sich damit selbst aus der möglichen Schusslinie nahm.
Gleichzeitig bringen die am Sonntag verbreiteten Fake News auch den amtierenden Intendanten in Bedrängnis, wenn auch nur indirekt. Himmler selbst gebe sich nach innen zwar gerne als Konservativer, sei tatsächlich aber mehr das berühmte Fähnchen im Wind, wie ihm von unserem ZDF-Insider attestiert wird.
Linksgrün treibt ZDF-Intendanten vor sich her
Das zeige sich im aktuellen Fall etwa daran, dass der Intendant seine schützende Hand über Dunja Hayali hebe, die als Moderatorin der Sendung zumindest indirekt am jüngsten ZDF-Skandal beteiligt war. Hayali sei so etwas wie eine Ikone der „Frauenliste“ und Himmler wolle es sich wenige Wochen vor der Intendantenwahl um keinen Preis mit der linksgrünen Strömung in Mainz verscherzen. Welchen Einfluss Hayali gegebenenfalls selbst auf Art und Inhalt des umstrittenen Beitrags genommen hat, lässt unser Informant offen.
Fest stehe nur: In seiner ursprünglichen Fassung sei weder das eine noch das andere Video enthalten gewesen. Diese seien irgendwann nachträglich integriert worden, wofür wiederum irgendjemand in höherer Redaktionsposition sein Okay habe geben müssen. Man sollte also eigentlich davon ausgehen dürfen, dass einer mit Milliarden an Zwangsgebühren finanzierten Redaktion solche „handwerklichen Fehler“ nicht unterlaufen, zumal ja angeblich sehr „hohe Standards“ an die eigene Berichterstattung angelegt werden. Passiert ist es bekanntlich aber trotzdem, nur persönlich Verantwortung dafür übernehmen will wieder einmal niemand – noch weniger in hektischen Wahlzeiten, in denen beim ZDF der eine dem anderen nicht einmal mehr das Schwarze unter den Fingernägeln zu gönnen scheint.
Zigtausende frieren – und unsere Medien spülen alles weich. Weil’s linker Terror war, nicht rechter.
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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.
Bild: Screenshot Youtube
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