Die Organisation Netblocks erklärte, einige Onlinedienste wie Google könnten teils wieder genutzt werden. Insgesamt sei der Internetzugang aber weiterhin stark eingeschränkt. Bereits am Sonntagmorgen war es dem Büro der Nachrichtenagentur AFP in Teheran gelungen, wieder eine Internetverbindung herzustellen. Auch die Nutzung des Messengerdienstes Whatsapp war teilweise wieder möglich.
Die zuständigen Behörden hatten laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Tasnim zuvor angekündigt, den wegen der Proteste im Iran gesperrten Internetzugang „schrittweise wiederherzustellen“. Lokale Messengerdienste sollten demnach „in Kürze“ im iranischen Netz wieder zugänglich sein.
Die Proteste im Iran hatten am 28. Dezember begonnen. Sie entzündeten sich an der schlechten Wirtschaftslage, weiteten sich aber rasch zu einer Massenbewegung gegen die religiöse und politische Führung der Islamischen Republik aus. Die Behörden gingen brutal gegen die Demonstrierenden vor. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHR) wurden mindestens 3428 Demonstrierende getötet, einige Schätzungen gehen demnach sogar von 5000 bis 20.000 Toten aus.
Irans geistliches Oberhaupt, Ayatollah Ali Chamenei, hatte am Samstag in einer Rede von „einigen tausend“ Toten gesprochen. Chamenei sagte aber, sie seien von „Agenten“ der USA und Israels getötet worden.
Am 8. Januar hatten die Behörden wegen der Proteste eine umfassende Kommunikationssperre verhängt: Neben dem Internet waren tagelang auch Telefonverbindungen über Festnetz und Mobilfunk fast vollständig gekappt. Die Menschen im Iran konnten nur noch auf ein landeseigenes Netzwerk zugreifen, das vor allem die Nutzung von Taxi-, Liefer- und Bankingdiensten, aber keine Verbindungen ins weltweite Internet ermöglicht.
Seitdem drangen nur noch wenige Berichte über die Lage im Iran nach draußen. Mittlerweile sollen die Proteste weitgehend zum Erliegen gekommen sein. Seit Sonntag sind die Schulen wieder geöffnet.
Ausgehende internationale Telefonate sind bereits seit Dienstag wieder möglich, seit Samstag auch der Versand von SMS. Das Staatsfernsehen wirbt zudem für die Nutzung lokaler Messengerdienste, die zuletzt größtenteils auch nicht verfügbar waren. Normalerweise nutzen die Menschen im Iran vor allem ausländische Apps wie Instagram, Whatsapp oder Telegram, auch wenn dies nur über VPN-Verbindungen möglich ist. (afp/red)