„Klingbeil und Bas lehnen Rücktritt ab – und kündigen Krisengipfel an“, titelt die „Welt“ heute. Wundert Sie das genauso wenig wie mich? Weil die heutige Politikergeneration an ihren Sesseln klebt wie die letzte Generation auf dem Asphalt, nur ohne den moralischen Zeigefinger, dafür mit deutlich besserer Altersvorsorge.

Nur knapp über der Fünfprozent-Hürde in Baden-Württemberg vor zwei Wochen, fast zweistellige Verluste gestern in Rheinland-Pfalz, wo man den Ministerpräsidenten stellte, der heute die traditionelle Reise nach Berlin nach der Wahl einfach absagte und keinen Zweifel daran ließ, wen er für schuldig hält an der Pleite: die Parteiführung.

Und recht hat der Mann – was seine Berliner Genossen lieferten, war mehr als ein Handicap für ihn – es war keine Wahlkampfhilfe, sondern eine Bleiweste, die man dem Kandidaten kurz vor dem Sprung ins tiefe Wasser der Wählergunst mit einem freundlichen „Glück auf“ aus Berlin überreichte.

In der alten Bundesrepublik, für Männer aus der Generation von Willy Brandt, Helmut Schmidt oder Hans Jochen Vogel, wäre der Rücktritt in so einer Situation eine Frage der Ehre gewesen. Für sie gingen das Land und die Partei noch über das eigene Ego.