Inmitten des eskalierenden Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran hat der iranische Außenminister Abbas Araghchi in einem exklusiven Interview mit Meet the Press Stellung zu zentralen Fragen bezogen. Das Gespräch fand vor dem Hintergrund des laufenden Krieges statt, der durch US- und israelische Angriffe ausgelöst wurde, einschließlich der Tötung des früheren Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei und der laufenden Nachfolgedebatte.
Direkt zum Video m it deutschen Untertiteln:
Die Nachfolge im Iran
Araghchi betonte zunächst die aktuelle Führungsstruktur im Iran: Ein Interims-Führungsrat übernimmt derzeit die Aufgaben, während die Versammlung der Experten bald einen neuen Obersten Führer wählen werde. Gerüchte über Mojtaba Khamenei, den Sohn des Verstorbenen, als möglichen Nachfolger kommentierte er zurückhaltend – niemand wisse es genau, entscheidend sei allein die Abstimmung der Versammlung, deren Mitglieder direkt vom Volk gewählt würden.
Auf die provokative Aussage von US-Präsident Donald Trump, er wolle den nächsten iranischen Führer selbst bestimmen, reagierte Araghchi scharf: Iran lasse niemanden in innere Angelegenheiten eingreifen. Die Wahl des Obersten Führers sei ausschließlich Sache des iranischen Volkes.
Ablehnung einer Kapitulation
Trump hatte zudem betont, es gebe keinen Deal mit dem Iran außer einer bedingungslosen Kapitulation („unconditional surrender“). Araghchi wies dies entschieden zurück. Er erinnerte an eine frühere ähnliche Forderung Trumps im vergangenen Jahr, die gescheitert sei – damals hätten die Iraner Widerstand geleistet, bis Israel nach zwölf Tagen einen bedingungslosen Waffenstillstand gefordert habe.
Iran werde niemals kapitulieren, seine Würde stehe nicht zum Verkauf. Der Minister unterstrich, dass der aktuelle Konflikt anders sei als frühere: Aggressionen gegen Zivilisten, Schulen, Krankenhäuser und Infrastruktur (wie Wasserentsalzungsanlagen und Raffinerien) machten einen bloßen Waffenstillstand unzureichend. Gefordert sei ein permanentes Ende des Krieges.
Angriffe auf US-Stützpunkte
Zu Vorwürfen, Iran habe Hunderte Raketen auf 13 Nachbarstaaten abgefeuert, stellte Araghchi klar: Die Angriffe richteten sich gegen US-Basen und -Installationen auf fremdem Boden, nicht gegen die Nachbarländer selbst.
Die Entschuldigung des iranischen Präsidenten an die Region habe den durch US-Aggression verursachten Unannehmlichkeiten gegolten – Trump sei derjenige, der sich entschuldigen müsse. In der iranischen Kultur sei eine Entschuldigung ein Zeichen von Stärke und Würde.
Russland und militärische Kooperation
Auf die Frage nach russischer Unterstützung bestätigte Araghchi eine strategische Partnerschaft mit Russland, die militärische Kooperation einschließe und fortgesetzt werde – Details zu nachrichtendienstlicher Hilfe bei der Ortung US-amerikanischer Kräfte ließ er offen.
Der Angriff auf die Schule in Minab
Bezüglich des Angriffs auf eine Grundschule im Südiran, bei dem über 170 Menschen, darunter viele Kinder, getötet wurden, wies Araghchi Trumps Behauptung zurück, Iran sei verantwortlich. Es handle sich um einen Angriff durch ein US-Kampfflugzeug, mitten in Verhandlungen.
Iran habe Beweise, dass die USA dafür verantwortlich seien – wer sonst käme infrage?
Iranische Verteidigungsbereitschaft
Araghchi zeigte sich zuversichtlich gegenüber einer möglichen US-Bodeninvasion: Iran sei bereit und warte auf Eindringlinge. Die Streitkräfte seien tapfer, das Land habe seit Tausenden von Jahren seine Souveränität verteidigt.
Vorwürfe, Iran plane Raketen mit Reichweite bis in die USA oder Europa, nannte er Desinformation – Teheran habe sich bewusst auf eine Reichweite unter 2.000 Kilometern beschränkt, um niemanden zu bedrohen.
Schlussfolgerung
Das Interview unterstreicht die harte Linie Teherans: keine Einmischung von außen, keine Kapitulation und der Wille, den Konflikt so lange zu führen, bis ein dauerhafter Frieden – nicht nur ein vorübergehender Waffenstillstand – erreicht ist.
Der Konflikt bleibt hochbrisant, mit weitreichenden regionalen und globalen Folgen.