Die Dimensionen des Wiederaufbaus der Ukraine sprengen inzwischen jede vertraute Größenordnung. Nach aktuellen Schätzungen internationaler Institutionen und der ukrainischen Regierung summiert sich der Finanzbedarf für die kommenden zehn Jahre auf rund 588 Milliarden US Dollar, umgerechnet etwa 498 Milliarden Euro. Diese Summe steht nicht abstrakt im Raum, sondern beschreibt konkrete Investitionen in zerstörte Infrastruktur, Wohnraum, Energieversorgung und Verkehrssysteme.

Die Kosten steigen weiter!

Besonders ins Gewicht fällt der Energiesektor. Dort nahmen die Schäden im Vergleich zum Vorjahr um 21 % zu. Insgesamt liegt die neue Gesamtschätzung rund 12 % höher als die des vergangenen Jahres. Dabei flossen jüngste Angriffe, die erneut zu großflächigen Strom und Heizungsausfällen führten, noch nicht einmal in die Berechnung ein. Schon die aktuellen Zahlen deuten daher auf eine fortlaufende Ausweitung des Finanzbedarfs hin.

Der direkte materielle Schaden beläuft sich inzwischen auf etwa 195 Milliarden US Dollar. Damit hat sich der Wert im Vergleich zu 2022 mehr als verdoppelt. Besonders stark betroffen sind Wohngebiete, Verkehrswege und Energieanlagen, vor allem in dicht besiedelten Regionen. Die wirtschaftliche Basis des Landes steht unter erheblichem Druck.

Die ukrainische Premierministerin Julia Swyrydenko verwies darauf, dass die veranschlagten Wiederaufbaukosten fast dem Dreifachen des prognostizierten nominalen Bruttoinlandsprodukts für 2025 entsprechen. Gleichzeitig schrumpfte die Wirtschaftsleistung seit Kriegsbeginn um 21 %. Diese Relationen machen deutlich, dass die Ukraine den Wiederaufbau aus eigener Kraft nicht finanzieren kann.

Die Frage nach der Finanzierung richtet den Blick auf internationale Partner. Da die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump signalisierten, keine dauerhafte Hauptlast übernehmen zu wollen, rückt Europa stärker in den Mittelpunkt möglicher Finanzierungsmodelle. Innerhalb der Europäischen Union dürfte sich damit die Debatte über Umfang, Dauer und Struktur der Unterstützung weiter intensivieren.

Ein Teil der Mittel soll laut Bericht über private Investitionen mobilisiert werden. Rund 40 % des Bedarfs könnten theoretisch aus dem Privatsektor kommen. Voraussetzung wären jedoch tiefgreifende Reformen. Das bisherige Wirtschaftsmodell mit begrenztem Wettbewerb, großem Schattensektor und starkem staatlichem Einfluss gilt als Investitionshemmnis. Fragen der Rechtsstaatlichkeit und Markttransparenz spielen eine zentrale Rolle.

EU Erweiterungskommissarin Marta Kos kündigte an, die Union wolle über einen Investitionsrahmen private Kapitalströme fördern und Reformprozesse begleiten. Damit verbindet sich die Perspektive einer engeren Anbindung an die EU. Der finanzielle Umfang des Wiederaufbaus bleibt dabei eine der größten wirtschaftlichen Herausforderungen Europas in den kommenden Jahren.





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