Statt Brasilien durch feindliche politische und wirtschaftliche Maßnahmen von seinem zunehmend beeindruckenden Handel mit China abzuschrecken, haben vor allem Trumps Zölle Brasiliens Abkehr von Washington beschleunigt.
Von Rainer Rupp
Im Jahr 2025 stieg der bilaterale Handel zwischen Brasilien und China auf einen historischen Höchststand von umgerechnet 171 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 8,2 Prozent im Vorjahresvergleich und mehr als doppelt so hoch wie das Handelsvolumen Brasiliens mit den USA (83 Milliarden Dollar). Dieser Meilenstein unterstreicht eine tiefgreifende geopolitische und wirtschaftliche Neuorientierung, die direkt durch US-Zölle vorangetrieben wird und Brasília entschieden in Richtung Peking lenkt.
Der Bericht des „China-Brazil Business Council“ für 2025 zeigt Chinas Dominanz gegenüber US- und EU-Konkurrenten im Brasiliengeschäft deutlich: Die Volksrepublik nahm im letzten Jahr 28,7 Prozent aller brasilianischen Exporte und war für 25,3 Prozent der brasilianischen Importe verantwortlich – weit vor jedem anderen Handelspartner. Dabei erzielte Brasilien mit China einen Überschuss von 29,1 Milliarden Dollar, was 43 Prozent von Brasiliens globalem Überschuss ausmacht und eine 17-jährige Serie positiver Handelsbilanzen fortsetzt.

Die Exporte in das Reich der Mitte erreichten 100 Milliarden Dollar (+6 Prozent), vor allem getrieben von Rohstoffen: China kaufte 51,5 Prozent der brasilianischen Rohstoff- und 47 Prozent der Agrarexporte. Allein brasilianisches Rohöl machte 20 Milliarden Dollar aus (44 Millionen Tonnen), 4,5 Mal mehr, als an die USA verkauft wurde. Selbst Kaffee-Exporte nach China verdoppelten sich auf 459 Millionen Dollar und machten das fernöstliche Land zum zweitgrößten asiatischen Kaffeemarkt Brasiliens.
Bei den Importen festigte China seine Rolle als wichtigster Lieferant von Industriegütern (27 Prozent Marktanteil), deutlich vor den USA und Deutschland. Die Importe stiegen um 11,5 Prozent auf einen Rekordwert von 70,9 Milliarden Dollar und spiegeln die wachsende Abhängigkeit von chinesischen Industrieprodukten wider.
Dieser Boom wurde massiv durch die US-Politik beschleunigt. Im Juli 2025 verhängte Präsident Trump einen pauschalen 50-Prozent-Zoll auf eine breite Palette brasilianischer Produkte und begründete dies explizit mit der angeblichen politischen Verfolgung des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Trotz historisch hoher US-Überschüsse im Handel mit Brasilien (allein 28,6 Milliarden Dollar 2024) schufen die Zölle massive Unsicherheit und behinderten den Marktzugang US-amerikanischer Lieferanten.
China nutzte die Gelegenheit konsequent. Peking genehmigte kurzfristig fast 200 brasilianischen Unternehmen den Kaffee-Export, genau zu dem Zeitpunkt, zu dem die US-Zölle auf dieses Produkt greifen sollten. Präsident Xi Jinping sicherte Präsident Lula da Silva persönlich Unterstützung gegen „Unilateralismus und Protektionismus“ zu, während chinesische Vertreter die Politisierung des Handels durch Washington kritisierten. Diese diplomatischen Signale hatten konkrete kommerzielle Folgen: Brasilianische Unternehmen lenkten Lieferungen in Chinas verlässliche Nachfrage nach Massengütern, Energie und Lebensmitteln um und ersetzten teurere oder eingeschränkte westliche Lieferanten durch chinesische Hersteller. Was zugleich die Abkehr vom US-Dollar vorantrieb, da ein großer Teil des Handels zwischen China und Brasilien bereits in nationalen Währungen abgewickelt wird.

Der Forschungsdirektor des Business Council, Tulio Cariello, betonte, dass es sich nicht nur um konjunkturelle Effekte handele, denn brasilianische Firmen passten sich strukturell einer Welt an, in der Geopolitik – und nicht allein der Preis – den Marktzugang bestimmt. China biete „Verlässlichkeit und Volumen“. Beides könnten die USA mit ihren dauernden Zolldrohungen nicht mehr garantieren.
Das Ergebnis ist eindeutig: Die Vereinigten Staaten verlieren in ihrem traditionellen lateinamerikanischen Hinterhof rasch an Boden. Die vertiefte Integration Brasiliens mit China mindert den US-Einfluss, fragmentiert die Kohäsion des Handels der westlichen Hemisphäre und beschleunigt den globalen Wandel hin zu multipolaren Wirtschaftsblöcken unter Führung Pekings. Genau das Gegenteil von dem, was Trump großspurig als sein Ziel verkündet hat.
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