Wenn man damit beginnt, manche der neueren Texte zu den gehypten Technologien, von denen so viele nur Gutes zu erzählen wissen, weil sie sich nie um die negativen Effekte gekümmert haben, denn in ihren mentalen Puppenstuben gibt es nur eine heile Welt, wenn man sich mit neuren Texten beschäftigt, dann steht man in der letzten Zeit immer häufiger vor Fachkauderwelsch wie dem folgenden [Unsere Übersetzung]:
„Unsere Simulationen zeigen, dass auf langen Zeitskalen die Reaktion dieses hochdynamischen Systems von Veränderungen in der scherungsgetriebenen Vermischung und der Restzirkulation dominiert wird, die durch regionale Verringerungen der Windspannung und lokalisierte Turbulenz-Hotspots entstehen. Windwellen erweisen sich als Haupttreiber des großräumigen hydrodynamischen Fußabdrucks, da sie die Turbulenzen in der Oberflächenschicht und die Luft-Meer-Flüsse reduzieren. Gezeitenwellen können lokal der Verringerung der Turbulenzen entgegenwirken, verstärken jedoch die Auswirkungen auf die Restzirkulation. Der künftige Ausbau der Offshore-Windenergie könnte diese Effekte über die Nordsee hinaus auf geschichtete Gewässer ausweiten, was potenzielle Auswirkungen auf die Biogeochemie und die Dynamik der unteren trophischen Ökosysteme haben könnte.“
Das Kauderwelsch stammt aus der folgenden Arbeit von Christiansen, Daewel und Schrum (2026), die gerade in Nature veröffentlicht wurde:
Das Kauderwelsch in unsere Sprache übersetzt, liest sich so:
Die kumulativen hydrodynamischen Effekte großer Offshore-Windparks in der Nordsee führen – bei einem Ausbau auf ~300 GW bis 2050 – zu einer Reduktion der Strömungsgeschwindigkeiten um bis zu 20 %, veränderten Gezeitenenergie-Verteilungen, intensivierter lokaler Turbulenz und Mischung sowie einer langfristigen Oberflächenwassererwärmung von bis zu 0,2 °C durch verringerte Windspannung und flachere Mischschichten, was einen basinweiten physikalischen Fußabdruck erzeugt.
Die Ungetüme, die immer weitere Teile der küstennahen Nordsee verunstalten, haben erhebliche Auswirkungen auf ihre Umwelt, verändern die gesamte Dynamik des Wassers, in dem sie stehen und führen zu einer erhöhten Wassertemperatur, die dann, daran haben wir keinen Zweifel, von den Klimawandel-Profiteuren [vielleicht wäre -Gangster die bessere Beschreibung?] genutzt werden wird, um sie als Folge des von Ihnen phantasierten von Menschen induzierten Klimawandels auszugeben und den weiteren Zubau der Nordsee mit Offshore-Windparks zu fordern.
Soweit in Kürze. Nun ausführlich.
Die drei Autoren haben die kumulativen hydrodynamischen Auswirkungen großer Offshore-Windparks (OWFs) in der Nordsee analysiert – vor allem die kombinierten Effekte von Windwakes , das sind atmosphärische Nachlaufwirbel hinter den Rotoren und Tidalwakes, das sind ozeanische Turbulenz- und Drag-Effekte durch die Fundamente der Offshore-Monster. Dabei lag der Fokus auf langfristigen, großräumigen Veränderungen der Nordsee-Physik durch den Ausbau der Offshore-Windenergie. Die Autoren arbeiten mit Modellen, die auf Basis aktueller Werte und zur Vorhersage vergangener Veränderungen kalibriert wurden, um die Auswirkungen von Windparks sowie des Ausbaus von Windparks in zwei Hauptszenarien zu untersuchen:
Aktueller Stand (ca. 2023: ~23,5 GW installierte Leistung, ~4500 Turbinen)
Zukünftiger Ausbau bis 2050 (~300 GW, alle geplanten/projektierten Flächen)
Wer sich für die Systematik der Modellierung interessiert, der kann sich im folgenden Kasten einen kurzen Überblick verschaffen, wer nicht, der kann den Kasten einfach überspringen:
Parameterisierung der Windparkeffekte: Turbinen werden nicht explizit aufgelöst, sondern subgrid-skaliert;
Windwakes (oberhalb der Wasseroberfläche): Empirische Parametrisierung mit exponentiellem Geschwindigkeitsdefizit (U_wake = U₀ · exp(-k · x / L)), inkl. Aufbau innerhalb des Parks; maximale Reduktion bis 10 %, abhängig von Parkbreite und Abstand.
Tidalwakes (unter Wasser): Subgrid-Drag- und Turbulenz-Parametrisierung für Monopile-Fundamente (Drag-Koeffizient Cd = 1,0; Durchmesser 10 m); zusätzlicher horizontaler Drag und Turbulenzproduktion pro Gitterzelle, integriert in Impuls- und Turbulenzgleichungen (Generic Length-Scale Closure).
Vier Modellläufe wurden durchgeführt für (1) die Situation OHNE Windparks, (2) das 2023-Szenario (reale und im Bau befindliche Windparks; siehe oben), (3) 2050-Szenario, die für die Nordsee bis 2050 geplanten Windparks sowie eine Copernicus-Reanalyse für Temperatur, Salinität, Strömung und Pegel basierend auf stündlichen Atmosphärendaten, 8 Gezeitenkonstituenten und täglichem Flusseintrag;
“ data-medium-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/02/Offshore-Deutschland.png?fit=300%2C114&ssl=1″ data-large-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/02/Offshore-Deutschland.png?fit=640%2C243&ssl=1″ class=“wp-image-285857″ src=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/02/Offshore-Deutschland.png?resize=640%2C243&ssl=1″ alt=““ width=“640″ height=“243″ srcset=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/02/Offshore-Deutschland.png?w=1000&ssl=1 1000w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/02/Offshore-Deutschland.png?resize=300%2C114&ssl=1 300w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/02/Offshore-Deutschland.png?resize=768%2C292&ssl=1 768w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2026/02/Offshore-Deutschland.png?resize=665%2C253&ssl=1 665w“ sizes=“(max-width: 640px) 100vw, 640px“/>Geplante und bereits erstellte Offshore-Windparks; Quelle: Windindustrie Deutschland
Die Ergebnisse ausführlich:
Erhöhte Turbulenz und vertikale Mischung: Die Gezeitenwirbel von Windturbinenfundamenten erzeugen lokale Turbulenz-Hotspots, die die Mischungsraten im Sommer um bis zu 100 % und im Winter um über 1000 % steigern. Dies erhöht die turbulente kinetische Energie um mehr als eine Größenordnung und verdoppelt den Bodendrag-Koeffizienten. Für Meeresorganismen bedeutet das höhere Schubspannungen, die die Physiologie von Plankton und Fischen stören können, z. B. durch Beeinträchtigung der Auftriebsregulierung. Verhaltensänderungen wie das Vermeiden turbulenter Zonen sind möglich, was die Populationsdynamik und Nahrungssuche beeinflusst.
Temperaturveränderungen: Windwirbel führen zu Oberflächenwärmung um bis zu 0,5 °C durch reduzierte Mischung, während Gezeitenwirbel in Gebieten wie der Deutschen Bucht eine Abkühlung um bis zu 1 °C verursachen, indem kälteres Tiefenwasser hochgemischt wird. Langfristig (bis 2050) könnte die Nordsee basinweit um ~0,5 °C erwärmt werden. Dies belastet thermoregulatorische Mechanismen bei Fischen, Wirbellosen und anderen Arten und hat Stressreaktionen, veränderte Stoffwechselraten und ein höheres Sterberisiko für die genannten Lebewesen zur Folge.
Reduzierte Strömungsgeschwindigkeiten und Zirkulation: Die kumulativen Wirbel verringern Oberflächenströmungen um 5–10% (lokal bis 20 %), verlangsamen die Restzirkulation und reduzieren die kinetischen Energieverluste. Dies beeinflusst den Transport von Larven und Plankton, was die Rekrutierung von Populationen erschwert und zu Veränderungen in benthischen und pelagischen Gemeinschaften führt. In hochdichten Gebieten wie der Deutschen Bucht könnten Dispersion und Ausbreitung von Arten behindert werden, was die Biodiversität mindert.
Veränderte Schichtung und Mischschichten: Windwirbel verstärken die Schichtung in saisonal stratifizierten Regionen (z. B. östlich der Dogger Bank), indem sie die Mischschichttiefe um bis zu 2 m verringern, während Gezeitenwirbel in gemischten Gebieten destratifizieren. Dies behindert den Nährstoffaufstieg, reduziert die Primärproduktion durch Phytoplankton und erhöht Trübung, was die Lichtverfügbarkeit für Photosynthese einschränkt. Folgen sind geringere Produktivität in Nahrungsketten, Risiken für Deoxygenierung (Sauerstoffmangel) und Kaskadeneffekte auf höhere trophische Ebenen, einschließlich Fischbestände.
Auswirkungen auf Bodenhabitate und Sedimentdynamik: Der Bodenschubstress sinkt großräumig um bis zu 10 %, was Sedimentaufwirbelung und organischen Kohlenstoff im Sediment reduziert. Dies erhöht die Wassertrübung und beeinflusst filterfressende Organismen negativ, verändert benthische Habitate und fördert Deoxygenierung in Gebieten wie dem Oyster Ground. Die Biodiversität könnte abnehmen, da Sauerstoffmangel und veränderte Sedimentbedingungen empfindliche Arten wie Muscheln oder Würmer beeinträchtigen.
Zusammenfassung: Die Veränderungen in biogeochemischen Prozessen durch Offshore-Windparks, also im Hinblicka auf z.B. den Nährstofftransport oder Luft-Meer-Wärmeflüsse bringen die Gefahr einer Reduktion der Primärproduktion mit sich, fördern Sauerstoffmangel, und bedrohen auf diese Weise die gesamte Biodiversität in der Nordsee. Bis 2050 können weitreichende Habitatveränderungen zu einer umfassenden Verarmung der Nordsee führen, eine Gefahr, die die gesamte Meeresnahrungskette betrifft.
Aber Sie wissen ja: Offshore-Windparks sind sicher und effektiv.
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