Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) zieht die Sparschraube an. Mehrere Leistungen werden unter der Duldung der Verlierer-Ampel eingeschränkt, während Versicherte künftig tiefer in die eigene Tasche greifen müssen. In einem Land, das ohnehin zu den teuersten Europas zählt, wächst damit der Druck auf Patienten weiter.

Was teurer wird

Die ÖGK hat im Rahmen eines Sparprogramms mehrere Änderungen beschlossen. Grundlage ist eine Satzungsänderung, die am 19. Februar von der Hauptversammlung beschlossen wurde und bereits teilweise in Kraft getreten ist. Seit dem 1. März gilt etwa eine Einschränkung bei der Kostenübernahme für Zahnregulierungen. Zwei Diagnosen wurden aus dem Leistungskatalog gestrichen. Ebenfalls bereits gestrichen wurde der sogenannte Familienzuschlag beim Krankengeld ab dem 43. Tag eines Krankenstandes. Dieser Zuschlag betrug bislang zehn Prozent und kam etwa Alleinerziehenden oder Familien mit nur einem Einkommen zugute.

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Weitere Änderungen treten mit 1. Mai in Kraft. Dann steigen die Selbstbehalte für medizinisch notwendigen Zahnersatz. Für Kronen oder Kunststoffprothesen erhöht sich der Anteil, den Versicherte selbst zahlen müssen, von 25 auf 30 Prozent. Personen, die von der Rezeptgebühr befreit sind, zahlen künftig 20 Prozent. Auch bei Krankentransporten werden die Regeln verschärft. Die ÖGK übernimmt die Kosten künftig nur mehr dann, wenn eine ärztliche Transportanweisung vorliegt, die eine tatsächliche Gehunfähigkeit medizinisch bestätigt. Gründe wie fehlende öffentliche Verkehrsmittel oder organisatorische Probleme reichen künftig nicht mehr aus.

Mehr Eigenkosten für Patienten

Die Änderungen treffen Versicherte unmittelbar im Alltag. Gerade beim Zahnersatz können bereits kleine prozentuale Veränderungen spürbare Mehrkosten verursachen. Ein Beispiel: Bei einer Behandlung im Wert von 5.000 Euro bedeutet eine Erhöhung des Selbstbehalts von 25 auf 30 Prozent rund 250 Euro zusätzliche Eigenkosten für den Patienten. Auch bei Parodontose-Therapien wird die Kostenübernahme eingeschränkt. Insgesamt ergibt sich damit ein Bündel an Maßnahmen, das darauf abzielt, Ausgaben im System zu reduzieren.

Gesundheitssystem unter finanziellem Druck

Hintergrund der Maßnahmen ist der steigende finanzielle Druck im Gesundheitssystem. Gleichzeitig erleben viele Österreicher seit Jahren eine Phase hoher Lebenshaltungskosten. Energie, Lebensmittel und Mieten gehören im internationalen Vergleich zu den teuersten im europäischen Raum. Wenn nun auch im Gesundheitssystem Leistungen reduziert und Selbstbehalte erhöht werden, verschärft sich für viele Bürger die finanzielle Belastung zusätzlich. Besonders spürbar wird dies bei längeren Krankenständen, teuren zahnmedizinischen Behandlungen oder wiederkehrenden medizinischen Transporten.

Sparen im System statt Reformen

Die aktuellen Änderungen werfen erneut eine grundsätzliche Frage auf: Wird das österreichische Gesundheitssystem strukturell reformiert oder lediglich schrittweise über Selbstbehalte und Leistungskürzungen entlastet?

Fakt ist, dass die beschlossenen Maßnahmen direkt bei den Versicherten ansetzen. Für viele Beobachter ist das ein Hinweis darauf, dass finanzielle Probleme im System zunehmend über höhere Eigenleistungen der Patienten abgefedert werden Gerade in einem Land mit ohnehin hohen Abgaben wächst damit die Diskussion, ob der Staat seine Bürger immer stärker zur Kasse bittet, während grundlegende Reformen weiter auf sich warten lassen.



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