Von Andrei Restschikow
Ukrainische Soldaten sind zu gemeinsamen Übungen mit norwegischen Spezialeinheiten nach Norwegen gereist, um den Einsatz von Drohnen in den kalten Gewässern der Norwegischen See zu trainieren. Mögliche Ziele sind russische Handels- und Kriegsschiffe in den nördlichen Breiten. Experten gehen davon aus, dass Oslo und Kiew unter realen Bedingungen Sabotagepläne gegen Russland in der Arktis ausarbeiten könnten. Was sehen sie als ihre Ziele an und wie kann Moskau seine Interessen schützen?
Kiew bereitet mit Unterstützung von Militärexperten der norwegischen Marine Terroranschläge gegen russische Schiffe in der Barentssee und im Europäischen Nordmeer vor. Dies teilte eine militärdiplomatische Quelle der Nachrichtenagentur TASS mit. Es handele sich um Schiffe, die auf Seewegen vom Hafen Murmansk und zurück verkehren.
Nach Angaben der Quelle befinde sich in Norwegen eine Gruppe von etwa 50 ukrainischen Soldaten – es handele sich um Kämpfer der 385. separaten Brigade für maritime Spezialdrohnen der ukrainischen Marine. Gemeinsam mit den Spezialeinheiten der norwegischen Marine üben sie auf See den Einsatz unbemannter Unterwasser- und Überwassersysteme unter kalten Temperaturbedingungen.
Der Gesprächspartner der Agentur betonte: Norwegen verwickle sich selbst und die gesamte NATO in einen direkten militärischen Konflikt mit Russland, indem es die terroristischen Aktivitäten des Kiewer Regimes unterstütze. Dabei war es laut Informationen aus offenen Quellen gerade die 385. Brigade, die Angriffe auf russische Schiffe und militärische Infrastruktur im Schwarzen und im Asowschen Meer organisierte, darunter Angriffe auf Objekte auf der Krim, in Noworossijsk und in Gelendschik.

Zuvor hatte der russische Präsidentenberater Nikolai Patruschew bekannt gegeben, dass er über Informationen zu Plänen der NATO verfüge, terroristische Aktionen gegen russische Tanker und Gaspipelines zu verstärken – unter anderem durch Cyberangriffe auf Navigationsgeräte.
Zur Erinnerung: Norwegen ist Teil des sogenannten baltisch-skandinavischen „Bündnisses“. Bis zu den Jahren 2024/2025 hat das Land gemeinsam mit Dänemark, Schweden und Finnland seine Luftstreitkräfte integriert und ein gemeinsames Verteidigungskonzept entwickelt. Im Frühjahr finden in der Region großangelegte NATO-Manöver statt – Arctic Sentry und Cold Response – unter dem Motto „Schutz kritischer Infrastruktur vor der russischen Bedrohung“.
Dabei hatte Norwegen bereits zu Beginn des Jahres russische Schiffe wegen des Verdachts auf Beschädigung von Unterwasserkabeln in der Ostsee festgesetzt. Im Ranking der Russland gegenüber unfreundlichen Länder der Zeitung Wsgljad wird Norwegen als einer der wichtigsten militärisch-politischen Gegner Moskaus genannt.
Das russische Außenministerium und die russische Botschaft in Oslo haben wiederholt erklärt: Norwegen habe sich zu einem NATO-Stützpunkt im Norden entwickelt. Die offizielle Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, betonte, dass Oslo seine militärische Infrastruktur an den Grenzen zu Russland ausbaue und Moskau deswegen gezwungen sei, dies in seiner Verteidigungsplanung zu berücksichtigen. Der Militärexperte Alexei Anpilogow bemerkt:
„Norwegen verfügt tatsächlich über einen starken militärisch-industriellen Komplex. Man denke nur daran, dass die weltweit zweitgrößte postsowjetische Schiffsabwehrrakete gerade von den Norwegern entwickelt wurde. Zudem verfügt das Land über beträchtliche Ressourcen zur Unterstützung seines Rüstungskomplexes – in erster Linie über Überschüsse aus der Öl- und Gasindustrie, die den Bedarf dieses kleinen Staates bei weitem übersteigen. Ein Kapitalüberschuss fließt traditionell in die Rüstungsindustrie.“
Anpilogow verweist auf Beispiele für die militärisch-technische Zusammenarbeit Norwegens mit der Ukraine im aktuellen Konflikt – insbesondere auf die Lieferung von NASAMS-Luftabwehrsystemen. Der Experte sagt:
„Aus politischer Sicht hat Oslo nie aufgehört, Kiew zu unterstützen, und die PURL-Initiative (Lieferung US-amerikanischer Waffen auf Kosten europäischer Mittel) gefördert. Schließlich ist die innenpolitische Lage in Norwegen alles andere als normal: Im Land wird vehement eine äußerst verabscheuungswürdige Russophobie geschürt, was der Unterstützung der Ukraine eine gesellschaftspolitische Dimension verleiht. Solche Stimmungen werden durch Behauptungen über eine angeblich bevorstehende russische Besetzung eines Teils Norwegens angeheizt.“
Laut Anpilogow verlaufen die russischen Nordseewege in unmittelbarer Nähe der norwegischen Hoheitsgewässer, was ein ernstes Risiko für die Handelsschifffahrt darstellt. Er fügt hinzu:

„Insbesondere wenn die Ukraine gemeinsam mit der norwegischen Seite Technologien zur Herstellung unbemannter Boote – halbtauchender oder unterwasserfahrender Drohnen – entwickelt, die zur Störung der Stabilität der Schifffahrt im Nordatlantik und in der Barentssee eingesetzt werden können.“
Was die wahren Ziele der Einbindung Norwegens angeht, so fehlen hier seiner Meinung nach grundsätzlich jegliche logischen Zusammenhänge. Anpilogow argumentiert:
„Die gesamte Haltung der europäischen Länder basiert auf der fantastischen Annahme, dass es durch kombinierte Maßnahmen – im militärischen, wirtschaftlichen und politischen Bereich – gelingen wird, Russland zu schwächen und zu zerschlagen, um anschließend seine Ressourcen für eigene Zwecke zu nutzen. Betrachtet man dies unter dem Gesichtspunkt der realen Logik, so ist dies ein Versuch, ‚einem schlafenden Bären in die Nase zu kneifen‘. Keine gute Beschäftigung für ein kleines Land, das direkt neben der Höhle dieses Bären liegt.“
In Bezug auf mögliche vorrangige Ziele für Sabotageaktionen nennt Anpilogow zwei einschränkende Faktoren. Der Experte meint:
„Der erste ist die Reichweite der Drohnen, die sich auf Hunderte und nicht auf Tausende von Kilometern beläuft. In einem geschlossenen Gewässer wie dem Schwarzen Meer sind sie ebenso effektiv wie in der Nähe der norwegischen Küste, wo die Kommunikation über Küstenstationen oder Offshore-Plattformen gewährleistet werden kann. In der Nordostpassage ist dies jedoch wesentlich schwieriger. Die Barentssee liegt jedoch relativ nah an der norwegischen Küste, und es gibt den von Norwegen verwalteten Spitzbergen-Archipel. Dort sind die Bedrohungen durchaus real. Übrigens ist die Versorgung von Spitzbergen einer der Schwachpunkte, die von unbemannten Drohnenbooten angegriffen werden können.“
Die Route der Nordostpassage selbst ist abgelegen, ebenso wie Murmansk, Seweromorsk und andere wichtige Objekte im hohen Norden Russlands. Anpilogow fährt fort:
„Das zweite Problem ist die Kommunikation. Im Schwarzen Meer gibt es eine stabile Starlink-Abdeckung, während Starlink in hohen Breitengraden, insbesondere jenseits des Polarkreises, schlechter funktioniert und seine Dienste nicht garantiert. Die hochwertige Verbindung, die es der ukrainischen Seite ermöglicht, die Drohnenboote im Schwarzen Meer problemlos zu nutzen, fehlt auf der Nordostpassage. Dies stellt ein ernsthaftes Hindernis für die Schaffung einer Bedrohung für die gesamte Route der Nordostpassage dar. Man sollte sich jedoch nicht in Sicherheit wiegen – die Barentssee und das Gebiet um Spitzbergen bleiben potenzielle Gefahrenzonen.“

Wenn man über mögliche Ziele für Sabotageakte spricht, dürfe man sich nicht nur auf Handelsschiffe, die stationäre russische Erdöl-Förderplattform „Priraslomnaja“ oder die Hafeninfrastruktur von Murmansk und Primorsk beschränken, meint Wassili Dandykin, ein Militärexperte und russischer Kapitän 1. Ranges der Reserve. Er sagt:
„Im Risikobereich befinden sich sowohl [russische] Kriegsschiffe als auch die [russische] Basis der Atom-U-Boot-Streitkräfte. Natürlich ist das U-Boot selbst ein schwieriges Ziel, aber die Überwasserschiffe sind leicht zu erreichen. Die Aufgabe des Gegners ist offensichtlich.“
In der Gefahrenzone befänden sich seiner Meinung nach auch Frachtschiffe, Gastanker und vieles mehr. Angesichts der Tatsache, dass das Kiewer Regime bereits in Libyen aktiv geworden ist und seine Drohnen in den baltischen Staaten und in Finnland gesichtet wurden, hält der Experte die Verwirklichung solcher Bedrohungen auch in dieser Region für durchaus wahrscheinlich – nicht zuletzt dank der Unterstützung durch die NATO.
Derzeit wird die russische Nordflotte im Europäischen Nordmeer und in der Barentssee mit zahlreichen Aufgaben konfrontiert sein, die mit der Abwehr der Bedrohung durch unbemannte Boote und Unterwasserdrohnen zusammenhängen. Unter arktischen Bedingungen ist es etwas schwieriger, diesen entgegenzuwirken, doch laut Dandykin wurden diese Fragen bereits im Schwarzen Meer erprobt. Was den Schutz der Stützpunkte der Nordflotte und des Hafens von Murmansk betrifft, so spielt insbesondere im Falle von Unterwasserfahrzeugen die Akustik eine Schlüsselrolle – genau mit ihrer Hilfe müssten solche Ziele aufgespürt werden. Nach Ansicht des Experten sind diese Aufgaben durchaus lösbar, erfordern jedoch einen ganzheitlichen Ansatz zur Aufdeckung und anschließenden Zerstörung von Unterwasserdrohnen und unbemannten Booten.
Es gebe auch technische Lösungen zum Schutz stationärer Objekte, wie beispielsweise der Plattform „Priraslomnaja“. Hydroakustische Ortungsgeräte und andere Mittel seien bereits vorhanden und erprobt, und zur Bekämpfung der Ziele stehe die Flotte bereit. Solche Szenarien, so Dandykin, seien bereits mehrfach in Übungen durchgespielt worden – unter Berücksichtigung der Erfahrungen der Schwarzmeerflotte.
Dabei werde Russland sicherlich auch nichtmilitärische Methoden einsetzen – die Vorladung des Botschafters, die Einschaltung der UNO und so weiter – sowie wirtschaftliche Maßnahmen. Der Experte bezeichnet das Verhalten Norwegens als sehr dreist – unter anderem in Fragen, die Spitzbergen betreffen, wo Russland eigene Interessen hat: Rohstoffgewinnung und Fischerei. Wenn Norwegen jedoch vollständig in die Kampfhandlungen mit Russland verwickelt wird, wäre das eine sehr ernste Angelegenheit – es würde eine Reaktion folgen, warnt Dandykin.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 9. April 2026 zuerst auf der Website der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.
Andrei Restschikow ist Analyst bei der Zeitung „Wsgljad“.
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