In Ungarn wurde am heutigen Sonntag das Parlament gewählt. Die Wahl gilt als Richtungsentscheidung zwischen Viktor Orbáns Fidesz-KDNP und der Oppositionspartei Tisza von Péter Magyar. Jetzt sind die ersten Zahlen da.

Tisza deutlich vor Regierungspartei Fidesz

Rund 8,1 Millionen Ungarn waren aufgerufen, die 199 Sitze des Parlaments neu zu vergeben. Die Wahllokale schlossen um 19 Uhr, erste Ergebnisse zeigen keinen klaren Sieger. Die erste Hochrechnung sah Fidesz mit 53,18 Prozent klar vorne, gefolgt von Tisza mit 38,68 Prozent. Die Partei Mi Hazánk erreicht demnach 6,11 Prozent und zieht damit ins Parlament ein, während alle anderen Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Bei rund 22 Prozent ausgezählten Stimmen liegt inzwischen Tisza inzwischen deutlich vorne, mit 128 Mandaten. Fidesz kommt auf 62 Sitze, während Mi Hazánk aktuell acht Mandate erreicht.

Die Wahlbeteiligung ist mit 77,8 Prozent sehr hoch. Gleichzeitig gibt es Spannungen: Bombendrohungen unterbrachen Abstimmungen in Pécs und Miskolc, Berichte über Stimmenkauf stehen im Raum, und es bestehen Sorgen vor Unruhen nach der Wahl.

Schneller Aufstieg für liberalen Magyar

Péter Magyar ist Rechtsanwalt und Politiker, geboren 1981 in Budapest. Er war früher Mitglied der Regierungspartei Fidesz, leitete staatliche Einrichtungen und war bis 2023 mit der Ex-Justizministerin Judit Varga verheiratet; nach ihrem Rücktritt 2024 wechselte er in die Opposition. Magyar stieg 2024 schnell auf: Er rief Massendemonstrationen gegen Regierungsfehltritte auf, übernahm im April die stellvertretende Führung der Tisza-Partei und wurde im Juli 2024 ihr Vorsitzender.

Bei der EU-Wahl 2024 holte Tisza aus dem Stand rund 30 Prozent und sieben Sitze; Magyar gehört der EVP-Fraktion an und fordert seither Neuwahlen. Seit Herbst 2024 führte Tisza in Umfragen vor Fidesz (bis zu zehn bis 15 Prozent Vorsprung Stand Frühjahr 2026).

Orbán blickt auf 16 Jahre im Amt zurück

Deutlich mehr politische Erfahrung hat Orbán: Er ist seit 2010 Ministerpräsident Ungarns und Vorsitzender der rechten Fidesz-Partei, die er 1988 mitbegründet hat. Geboren 1963 in Székesfehérvár, studierte er Rechtswissenschaften in Budapest und wurde durch seine Rolle als junger Dissident 1989 bekannt, als er bei der Beerdigung von Imre Nagy die freie Wahl der Präsidentschaft forderte.

Orbán war von 1998 bis 2002 bereits einmal Regierungschef, kehrte 2010 mit Zweidrittelmehrheit zurück und festigte die Fidesz als dominante Kraft – bei Wahlen 2014, 2018 und 2022 sicherte er sich jeweils die Mehrheit.



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