Der ORF sieht sich mit einer neuen, weitreichenden Untersuchung durch den Rechnungshof (RH) konfrontiert. Wie ein Sprecher gegenüber dem Standard bestätigte, wurde eine umfassende Gesamtprüfung eingeleitet. Im Zentrum der Erhebungen stehen dabei insbesondere der Personaleinsatz sowie die Kostenstruktur des zwangsfinanzierten Senders. Die FPÖ sieht sich bestätigt.
Was bringt der Zwangsbeitrag?
Diese neue Initiative des Rechnungshofes läuft parallel zu einer bereits fortgeschrittenen Untersuchung. Letztere befasst sich spezifisch mit der Umstellung der ehemaligen GIS-Abgabe auf den neuen ORF-Zwangsbeitrag. Zu diesem Bereich liegt bereits seit dem Sommer 2025 ein Rohbericht vor, der Mängel und konkrete Verbesserungsvorschläge auflistet. Die Veröffentlichung des entsprechenden Endberichts wird in Kürze erwartet und dürfte erste Rückschlüsse auf die Effizienz der neuen Finanzierungsform zulassen.
Personalkosten machen Großteil des Milliardenbudgets aus
Die nun neu gestartete Gesamtprüfung ist jedoch deutlich ambitionierter: Sie umfasst nicht nur das Mutterunternehmen mit seinen rund 3.000 Vollzeitkräften, sondern bezieht auch die über 1.000 Mitarbeiter in den verschiedenen Tochtergesellschaften mit ein. Bei einem jährlichen Budget von etwa 1,1 Milliarden Euro machen die Personalkosten mit rund 400 Millionen Euro einen massiven Anteil an den Gesamtausgaben aus.
Da der Abschluss der Untersuchung erst für die Zeit nach der Sommerpause 2026 – und damit nach der geplanten Bestellung der neuen ORF-Führung im August – erwartet wird, dürfte der Bericht zur entscheidenden Weichenstellung für die kommende Geschäftsperiode werden.
FPÖ-Forderung wird umgesetzt
Die FPÖ hat die Prüfung des Staatssenders ausdrücklich begrüßt. Bereits im November 2025 hatten die Freiheitlichen eine umfassende Gebarungsprüfung gefordert. FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker betonte, die Partei stelle den Prüfern ein finales Verlangen zur Verfügung, um die Dringlichkeit einer vollständigen ORF-Durchleuchtung zu unterstreichen.
74 Spitzenverdiener und teure Bauten
Im Zentrum der Kritik stehen Personalkosten und Führungsstrukturen. Wie berichtet, verdienen 74 ORF-Mitarbeiter mehr als 170.000 Euro (!) pro Jahr. Zusammen mit strukturellen Problemen und Führungschaos sehen die Blauen darin einen Skandal. Die FPÖ kritisiert zudem horrende Baukosten und die Rolle des ORF als „Regierungs-Propagandalautsprecher“, etwa im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Kanzlerreden. Darüber hinaus gab es Streit um den Einfluss auf den Stiftungsrat: Zwei Sitzungen im Jahr 2025 mussten wiederholt werden, nachdem die FPÖ politische Unterwanderung durch Regierungseinfluss beklagte.