Von Kai Rebmann

Deutschland und Wahlen, das will schon seit einigen Jahren nicht mehr so recht zusammenpassen. Die völlig verkorkste Berlin-Wahl und die zurückliegende Bundestagswahl vor ziemlich genau einem Jahr sind da nur die prominentesten Beispiele. Jetzt wurde auch die Bürgermeisterwahl in Strausberg für ungültig erklärt. Gernot Schmidt (SPD), Landrat des Kreises Märkisch-Oderland in Brandenburg, sieht Anzeichen für einen möglichen Wahlbetrug und erstattete wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten Anzeige gegen Unbekannt bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder. Diese hat sowohl den Eingang der Anzeige als auch entsprechende Ermittlungen wegen eines Anfangsverdachts bestätigt.

Wichtig: Damit ist noch nichts bewiesen. Dass eine Staatsanwaltschaft nach dem Eingang einer Anzeige ermittelt oder Ermittlungen zumindest prüft, stellt für sich genommen nichts Besonderes dar, sondern ist eher die Regel. Der konkrete Fall weist jedoch in der Tat einige Auffälligkeiten auf, die den geneigten Beobachter zwar nur noch mit dem Kopf schütteln lassen können, ihn im Deutschland anno 2026 aber wohl nicht mehr wirklich erschüttern können.

Was ist passiert? Patrick Hübner (parteilos) lag nach dem ersten Wahlgang am 15. Februar mit 22,5 Prozent der Stimmen hauchdünn vor seiner ebenfalls parteilosen Mitbewerberin Annette Binder, die auf 21,2 Prozent kam. Für die Stichwahl kündigte sich damit ein Kopf-an-Kopf-Rennen an, der Ausgang schien völlig offen.

Doch dem schob das Landratsamt einen Riegel vor, „ein außergewöhnlich großer Anteil der Wahlbriefe“ habe nicht den Weg zurück zur Wahlbehörde gefunden, so die Begründung. Normal sei ein Schwund von etwa 10 Prozent, bei der Bürgermeisterwahl in Strausberg seien aber nur 2.835 von 4.000 ausgegebenen Wahlbriefen zurückgekommen. Es fehlten also rund 30 Prozent und damit etwa dreimal so viel wie es die Erfahrung offenbar gelehrt hat.

Für Landrat Schmidt war alleine diese Auffälligkeit anscheinend Grund genug, die gesamte Wahl einzukassieren und die Stichwahl bis auf weiteres auszusetzen. Denn die Wahlbriefe gehen zunächst an das Postfach der Stadt Strausberg – und das befindet sich in einer Postfiliale einer Kaffeerösterei, die ausgerechnet von Patrick Hübner betrieben wird, dem nach dem ersten Wahlgang in Führung liegenden Kandidaten.