Mit hängendem Kopf stapfte Franziska Preuß nach der verpatzten Olympia-Generalprobe völlig enttäuscht aus dem Zielraum. Eine Strafrunde der besten deutschen Biathletin kostete der Frauenstaffel beim Weltcup-Heimspiel in Ruhpolding einen möglichen Podestplatz.

„Man ist natürlich sehr enttäuscht, mir tut das wahnsinnig leid“, sagte die 31-Jährige nach dem bitteren sechsten Rang am ZDF-Mikrofon.

Den Sieg sicherte sich Norwegen vor Italien und Schweden, Deutschland hatte im Ziel nach 4 x 6 Kilometern 1:01,8 Minuten Rückstand. Preuß versagten ausgerechnet beim letzten Schießen die Nerven, drei Nachladepatronen waren zu wenig, um alle fünf Scheiben zu treffen.

„Es war so ein Druck im letzten Schießen drin. Ich habe aktuell Probleme, die Nachlader ins Ziel zu bekommen. Das war einfach nicht gut“, sagte die Verfolgungs-Weltmeisterin: „Ich wollte das unbedingt vermeiden, aber man muss das jetzt einfach abhaken.“

Deutsches Quartett liegt zwischenzeitlich in Führung

Gemeinsam mit Vanessa Voigt, Julia Tannheimer und Janina Hettich-Walz waren die Aussichten auf eine bessere Platzierung für Preuß zwischenzeitlich groß. Auf den Tag genau fünf Wochen vor dem Olympia-Rennen im italienischen Antholz waren die Strafrunde und insgesamt acht Nachlader aber zu viel für eine Spitzenposition.

Vor einem Jahr hatte die 31-jährige Preuß dem deutschen Quartett an gleicher Stelle noch den bislang letzten Weltcupsieg gesichert. Überraschend wurde der große Olympia-Favorit Frankreich in Bestbesetzung nun nur Vierter. Zuvor hatten es die deutschen Frauen in diesem Winter in Hochfilzen und Oberhof jeweils auf Rang drei geschafft.

Die Olympia-Generalprobe mit dem Team startete optimal. Startläuferin Voigt übernahm nach einem fehlerfreien ersten Schießen direkt die Führung. Auf der zweiten Laufrunde übernahm Lou Jeanmonnot für Frankreich bereits die Spitze.

Tannheimer zeigt ein starkes Rennen

Die Thüringerin Voigt übergab ohne Nachlader als Sechste an Tannheimer. Die 20-Jährige brauchte im Liegendschießen eine Extrapatrone, schob sich dann dank einer Schnellfeuereinlage aber erneut ganz nach vorn und wurde von den 13.700 Fans gefeiert. „Ich habe mich gut gefühlt, wir hatten mega Ski. Das habe ich ausgenutzt“, sagte Tannheimer.

Mit nur 0,6 Sekunden Rückstand auf Schweden startete anschließend Hettich-Walz als Zweite in die Loipe. Bei ihrem ersten Schießen lag die 29 Jahre alte Mutter einer Tochter kurzzeitig sogar wieder in Führung, fiel aber nach einem Patzer erst auf Rang fünf zurück. Stehend vermied sie mit Mühe eine Strafrunde und lag als Siebte fast eine halbe Minute hinter den führenden Tschechinnen.

Schlussläuferin Preuß arbeitete sich in ihrer Wahlheimat nur kurz wieder auf den dritten Rang vor, ehe das Rennen für sie ganz bitter endete.

Grotian soll sich auf Olympia-Qualifikation konzentrieren

In der Staffel fehlte Selina Grotian, die noch um ihren Platz im Olympia-Team kämpft. Die 21-Jährige hatte wegen einer Corona-Infektion zwei Weltcups verpasst, in Oberhof lief es in der Vorwoche nicht nach Plan. Ihr bleiben noch zwei Rennen, um die Norm (einmal Top 8 oder zweimal Top 15) zu erfüllen.

Den Staffelstress wollte man ihr ersparen, sagte Sportdirektor Felix Bitterling. Grotian solle sich voll auf den Sprint am Freitag und die Verfolgung am Sonntag konzentrieren. „Grundsätzlich sind unsere Staffelaufstellungen jetzt nicht für oder gegen irgendjemanden, sondern wir wollen speziell auch mit Blick auf Olympia einfach noch ein paar Sachen probieren“, sagte Bitterling.

Am Donnerstag (14.30/ZDF und Eurosport) sind in Ruhpolding die Männer in der Staffel gefordert. (dpa/red)



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